Gefährliche Krankheiten drohen

Risiko Zeckenbiss: So hoch ist die Gefahr bei uns und so schützt ihr euch

Landkreise Altötting/Mühldorf/Rosenheim/Traunstein/BGL: So ist die Lage bei FSME und Borreliose durch Zecken heuer
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Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts Rosenheim mahnt, die Risiken eines Zeckenbisses nicht zu unterschätzen. Dadurch können zwei gefährliche Infektionskrankheiten, die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und die Lyme-Borreliose übertragen werden.

Landkreis Rosenheim/Südostoberbayern - Mit den immer wärmeren Temperaturen werden auch Zecken wieder aktiv. Durch ihre Bisse können auf den Menschen auch Infektionskrankheiten übertragen werden. Die Behörden warnen insbesondere vor den Risiken durch die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und die Lyme-Borreliose. 

"FSME ist keine harmlose Krankheit. Sie kann Entzündungen der Hirnhaut, des Gehirns oder Rückenmarks verursachen. Schwere Erkrankungsverläufe treten in der Regel im Erwachsenenalter auf, besonders gefährdet sind dabei ältere Menschen", mahnt der Leiter der Rosenheimer Gesundheitsamts Dr. Wolfgang Hierl. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg gelten als FSME-Risikogebiet, wohingegen in weiten Teilen nördlich des Mains die Gefahr, laut Robert-Koch-Institut, wesentlich geringer ist. "Wenn Sie oder Ihre Familie mit Kindern oder Enkeln sich in der Region oder im Urlaub in Risikogebieten viel im Freien aufhalten und Zecken ausgesetzt sind, dann ist die Impfung der wirksamste Schutz. Die Impfstoffe sind sicher und in der Regel gut verträglich", so Hierl weiter.

So schützt ihr euch:

  • Bei Wanderungen, die durch Strauchwerk oder hohes Gras führen, Kleidung tragen, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt. Etwa lange Hosen, langärmlige Hemden und festes Schuhwerk. 
  • Abwehrmittel wirken in einem gewissen Umfang auch gegen Zecken, lassen in ihrer Wirkung in der Regel nach zwei Stunden allerdings deutlich nach.
  • Nach Aufenthalten im Grünen wird ein sorgfältiges Absuchen des Körpers nach Zecken empfohlen.Häufig finden sich Zecken im Bereich der Kniekehle, der Leiste, der Ellenbeuge, dem Bauchnabel oder den Achseln, bei Kindern auch im Bereich des Haaransatzes. 
  • Bei Zeckenbefall sollte die Zecke umgehend mit einer Pinzette, einer Zeckenzange einer –schlinge oder einer sogenannten "Zeckenkarte" aus der Haut herausgezogen werden. Auf keinen Fall sollte die Zecke vor der Entfernung mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden.
  • Zusätzlich wird einhellig dringend eine FSME-Impfung durch die Gesundheitsbehörden empfohlen.

FSME

Landkreis/Jahr

2018

2019

2020 (Stand Anfang Juni)

Mühldorf

3

3

0

Altötting

4

1

0

Rosenheim

9

7

0

Traunstein

17

8

2

Berchtesgadener Land

6

6

0

Oberbayern

64

noch keine Daten

noch keine Daten

Bayern gesamt

239

2018

6

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Beim Impfen gäbe es durchaus Nachholbedarf, wie der Blick in zwei Landkreise zeigt. "Stadt und Landkreis Rosenheim liegen bei der Durchimpfungsrate von FSME bei den Schulanfängern in Bayern auf den hintersten Plätzen. Das hat eine aktuelle Auswertung des Landesamts für Gesundheit gezeigt", heißt es seitens des Landratsamts Rosenheim. "Für das Schuljahr 2017/18 lag die Quote für eine vollständige Grundimmunisierung im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung bei lediglich neun Prozent und damit deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 32,2 Prozent." Im Landkreis Mühldorf wiederum liege die Durchimpfungsraten in den 6. Klassen bei etwa 40 Prozent, teilen die Behörden dort mit. Auch beispielsweise bei der Masern-Impfung gibt es in der Region Nachholbedarf.

Borreliose-Symptome rechtzeitig erkennen

Neben der FSME ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit die Lyme-Borreliose. Sie kann verschiedene Organe im Körper betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Gegen sie existiert keine Impfung. Sie kann aber bei frühzeitigem Beginn sehr wirkungsvoll mit Antibiotika behandelt werden. Daher sollte bei Symptomen nach einem Biss so bald wie möglich ein Arzt aufgesucht werden.

Wer die Wanderröte - Erythema migrans - bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen.

"Ein typisches Zeichen, das bei der überwiegenden Zahl der Borreliosefälle auftritt, ist die sogenannte Wanderröte", berichtet der Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamts Dr. Hierl. "Die Wanderröte entwickelt sich einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich vor allem an der Einstichstelle. Dabei handelt es sich um eine über fünf Zentimeter große ringförmige Hautrötung, die in der Mitte in der Regel blasser ist und sich über Tage langsam nach außen verbreitet."

Borreliose

Landkreis/Jahr

2018

2019

2020 (Stand Anfang Juni)

Mühldorf

k.a.

38

12

Altötting

26

21

23

Rosenheim

98

85

28

Traunstein

104

38

12

Berchtesgadener Land

42

25

0

Oberbayern

1041

noch keine Daten

noch keine Daten

Bayern gesamt

5012

4261

161

Informationen und Beratung zur FSME und Borreliose gibt es bei den Haus- und Kinderärzten in der Region oder direkt beim Gesundheitsamt.

hs

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