Diskussionsthema Rassismus und Polizeigewalt: Eure Leserbriefe

Kerstin Wimmer aus dem BGL: "Wie man in den Wald hineinruft, kommt es zurück."

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Tausende demonstrierten in Berlin gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten in den USA. Unsere Leserin Kerstin Wimmer, die gebürtig aus dem Berchtesgadener Land kommt, äußert ihre Erfahrungen zu polizeilicher Gewalt und Rassismus. 

USA/Landkreis - Der Tod von zwei Afroamerikanern hat das Vertrauen in die amerikanische Polizei und Justiz erschüttert. Aber nicht nur in den USA ist polizeiliche Gewalt und Rassismus ein Diskussionsthema. Auch in der Region steht die Polizei ein wenig im Fokus. Einige Leser/-innen haben uns ihre Meinungen über Polizeigewalt und Rassismus geschildert: 

8 Minuten und 46 Sekunden - so lange dauerte am 25. Mai der Todeskampf des bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Schwarzen George Floyd in den USA. Nun kam erneut ein Afroamerikaner durch Polizeigewalt ums Leben. Rayshard Brooks wurde bei einer gescheiterten Festnahme von Polizisten in Atlanta erschossen.

In Amerika und auch in Deutschland protestieren nun viele Menschen gegen Polizeigewalt, soziale Ungleichheit und Rassismus. Auch in der Bundesrepublik ist die Polizeigewalt jetzt ein Diskussionsthema. Wir haben Euch gefragt, wie eure Meinungen über Polizeigewalt und Rassismus bei uns sind: 

Das sind eure Meinungen über Polizeigewalt und Rassismus:  

Anm. der Red.:  Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Andreas Köllnberger aus Kolbermoor

Andreas Köllnberger ist Hauptzeuge im Rassismus-Prozess gegen zwei Bundespolizisten.

Ich bin ja der Hauptzeuge in dem Fall der beiden Bundespolizisten, welche in Rosenheim den Hitlergruß gemacht haben sollen. Das Gespräch, welches da am Tisch geführt wurde, war einfach nur menschenverachtend. Polizisten, die eigentlich helfen und dem Bürger beistehen sollen, hetzten öffentlich gegen Afrikaner und Flüchtlinge. Und das in einem Ausmaß, dass man nur verwundert sein kann und es mit der Angst zu tun bekommt. Ich hoffe, dass das Gericht genau hinsieht und genau zuhört und dann auch den richtigen Schritt macht. 

Kerstin Wimmer aus Southampton/BGL

Kerstin Wimmer wohnt in Southampton und kommt gebürtig aus dem Berchtesgadener Land.

Ich habe schon etliches mit der Polizei erlebt und auch gelernt. Es kommt erstens darauf an, wie man sich gegenüber den Polizisten verhält. Dieser George Floyd in den USA weigerte sich zuerst den Polizeianordnungen. Die Polizei weigerte sich ja dann auch, seinen Worten zu folgen. Wie man in den Wald reinruft, kommt es auch zurück.

Ich bekam auf der Polizeistation immer heiße Schokolade, wenn ich zu einem Verhör musste, und sogar Sandwiches zu futtern. Polizisten sind auch nur Menschen, aber jeden Menschen - egal wer, wie oder wo - sollte man immer mit Respekt behandeln. Klar, in Ländern, in denen die Zahl der Gewaltverbrechen hoch ist, sind auch Polizisten und Gerichte härter im zugreifen. 

Man kann z.B. nicht klein Aufham/Anger mit New York/Bronx vergleichen. Wo in Aufham zum Beispiel ein Schulleiter reicht, um harte Worte zu sagen und das Volk hört darauf, muss eben in New York eine Armee mit Panzerfaust zugreifen. Man kann Menschen nicht gleichstellen. 

Nur etliche Menschen mit anderer Hautfarbe fühlen sich eben in ihrer Umgebung nicht wohl und fühlen sich bei jedem kleinen Pups gleich als rassistisch bezeichnet. Weil die mit dem nicht umgehen können, wenn wer anders nicht deren Füße küsst. Wie oft bekam ich von Weißen eins auf den Deckel? Wir stecken es leichter weg. Dunkelhäutige führen sich gleich auf und fühlen sich von jedem missachtet, der denen nicht die Füße küsst. Obwohl die auch keine Götter sind. Jeder ist gleich. Wie gesagt zur Polizei: Jeder muss Respekt zeigen, die machen nur ihren Job, sorgen für Recht und Ordnung. Und wie gesagt, wie man in den Wald hineinruft, kommt es zurück.

Christian Umberto aus Rosenheim

Christian Umberto aus Rosenheim ist auf die Rosenheimer Polizei nicht gut zu sprechen. 

Leider ist Polizeigewalt – auch gepaart mit Rassismus – in unserer Region nichts Ungewöhnliches. Da kann es schon mal passieren, dass einem ein schlecht gelaunter Polizist ein paar „Watschn“ gibt. Ebenso, dass man dann plötzlich auf irgendeinem Feld aus dem Streifenwagen wieder rausgeworfen wird und zu Fuß wieder nach Hause muss. Ansonsten müssten sie ja auf der Wache erklären, warum sie einen grundlos mitgenommen haben. So ist es halt einfach nie passiert.

Speziell die Rosenheimer Polizei hat sich ja in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Da gibt es bekennende Rechtsextreme, die öffentlich den Hitlergruß zeigen; Drogen, die plötzlich aus der Asservatenkammer verschwinden; da wird auch mal eine ganze Familie grundlos zuhause verprügelt; ein Teenager, der auf der Wache grün und blau geschlagen wird; usw. Die Beispiele sind schier endlos. 

Selbstverständlich ist das nicht vergleichbar mit den USA, dort ist das noch viel extremer und der Rassismus nach wie vor tief in der Geschichte verwurzelt – geschürt und angefeuert vom aktuellen Präsidenten. Das hat aber sicherlich auch etwas damit zu tun, dass da schon jedes Kind frei eine Schusswaffe kaufen kann und damit insgesamt mehr Aggression seitens der Polizei vorhanden ist. Allein schon aus Selbstschutzzwecken.

Das Gewaltpotential der Rosenheimer Polizei ist aber dennoch immens hoch und an die Öffentlichkeit kommen nur die wenigsten Fälle, weil es meist auch einfach an Beweisen fehlt und sich Polizisten immer gegenseitig decken, auch wenn sie dafür vor Gericht lügen müssen. Solange es in Deutschland keine Stelle gibt, an die sich Betroffene von Polizeigewalt wenden können und die das das unabhängig (!) von der Polizei aufklärt, ist hier auch keine Änderung in Sicht.

Dies wird für Deutschland bereits seit Jahrzehnten von vielen Stellen gefordert – unter anderem auch von Amnesty International – scheiterte aber bis dato daran, dass die Polizei dies jedes Mal abblockt. Die Gründe hierfür sind naheliegend: Wenn die Polizei ihre Fälle von Polizeigewalt nicht mehr selber aufklärt, würden viel mehr davon ans Tageslicht kommen und eine Chance auf echte Aufklärung erhalten. Wie bekannt ist, führen nur rund zwei Prozent  aller Fälle von Polizeigewalt in Deutschland überhaupt zu einer Anklage. Eine Verurteilung findet so gut wie nie statt. Polizisten sind immer zu zweit und decken sich gegenseitig, ein Opfer ist meist allein und hat damit schon verloren.

Anm. der Red.: Auf Anfrage von rosenheim24.de wollte sich die Polizei zu den Vorwürfen nicht äußern.

Umfrage: Sind polizeiliche Gewalt und Rassismus auch in der Region ein Problem?

Rassismus und polizeiliche Gewalt: Schickt uns eure Leserbriefe

Die Themen Rassismus und Polizeigewalt beschäftigen die Bevölkerung. Erzählt uns, was euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Polizeigewalt/Rassismus" im Betreff). Bitte sendet uns neben euren Zeilen auch unbedingt euren Namen und euren Wohnort, auch ein Foto von euch könnt ihr gerne mitschicken. Wir veröffentlichen eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

jg

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