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Maskenpflicht im Kreis Rosenheim: So reagieren Bürger, Supermärkte und ÖPNV

Maskenpflicht im Landkreis Rosenheim: Das sagen Supermärkte und Kunden und der ÖPNV
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Seit 22. April gilt im Landkreis Rosenheim eine Maskenpflicht in allen Geschäften und dem ÖPNV

Landkreis Rosenheim - Seit dem 22. April gilt im Landkreis Rosenheim eine Maskenpflicht in Geschäften und dem ÖPNV. Das gaben Stadt und Landkreis am Dienstag bekannt. rosenheim24.de hat mit Marktbetreibern, Mitarbeitern und Kunden gesprochen, wie sie die Maskenpflicht finden.

Mittwoch, 22. April, gilt in Stadt und Landkreis Rosenheim für alle Besuche von Geschäften sowie für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs eine Maskenpflicht. Die beiden Kommunalbehörden machen damit von einer Ermächtigung Gebrauch, die der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Montagvormittag für sogenannte "Corona-Hotspots" angekündigt hatte. Das verkündete die Stadt Rosenheim am Dienstagmittag.

Wenig Vorbereitungszeit für Märkte und ÖPNV

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Monika Prechtl, Personalleiterin der vier Prechtl-Märkte in Bad Aibling, Bad Feilnbach, Brannenburg und Raubling befürwortet die Maskenpflicht, hätte sich jedoch nur ein wenig mehr Vorbereitungszeit gewünscht. "Es war ja klar, dass das kommen wird. Diese schnelle Einführung in Rosenheim haben wir jetzt schon als sehr schnell empfunden. Ich bin heute Morgen selber vor dem Markt gestanden und da gab es einfach Kunden, die das noch nicht gewusst haben. Die waren einfach überrascht. Das ist gestern Mittag vom Landratsamt verkündet worden, heute die Umsetzung." Natürlich habe sie Verständnis dafür, dass der Landkreis jetzt schnell handeln möchte, "aber zumindest einen Tag mehr Vorlauf wäre gut gewesen. Wir sind ein Familienunternehmen, wir können das stemmen."

Für Kunden, die deshalb noch ohne Maske kommen, stellen die Betreiber Einwegmasken - wenn die Kunden wollen gegen eine kleine Spende - zur Verfügung. Ab dem 22. April gebe es laut Monika Prechtl wieder vor jedem Markt Security-Personal, die die Masken dann ausgeben. "Aber eben nur an die Kunden, die keine Maske dabei haben", so Monika Prechtl. Grundsätzlich befürworte sie die Maskenpflicht sehr. "Unsere Mitarbeiter arbeiten ja schon seit 23. März mit Masken."

Supermärkte und öffentliche Verkehrsmittel dürfen nicht mehr ohne Gesichtsmaske betreten werden

"Unmöglich für Busfahrer Maskenpflicht zu kontrollieren"

Auch Ingmar Töppel, Geschäftsführer des Stadtverkehr Rosenheim, wurde von der vorzeitigen Einführung der Maskenpflicht in Rosenheim überrascht. Im Gespräch mit rosenheim24.de erklärt er, dass er von den Verantwortlichen gar nicht informiert wurde. "Das sind jetzt einfach die Spielregeln, die kann ich nicht kommentieren", so Töppel. Man brauche die Masken, weil man die 1,5 Meter Mindestabstand im vollen Verkehr nicht darstellen könne. "Aktuell fahren laut einer Zählung von gestern maximal 16 Personen im Bus mit." 

Laut dem Geschäftsführer tragen derzeit etwa 90 Prozent der Fahrgäste bereits eine Maske. Es sei aber schlichtweg für den Busfahrer unmöglich, das zu kontrollieren, da die Gäste hinten einsteigen und der Fahrer den Straßenverkehr im Blick haben müsse und nicht den Fahrgastraum. "Daher liegt es jetzt primär im Verantwortungsbereich des Fahrgastes. Ab nächster Woche gibt es dafür auch einen Bußgeldkatalog." Töppel warte aber selber auf Anweisung, wie man hier jetzt verfahren solle. 

"Am Mittwoch ist vom Ministerium angekündigt worden, dass es eine konkretisierende Weisung zur Maskenpflicht geben soll. Dass Rosenheim gemeint hat, wir sind jetzt noch schlauer und machen ganz schnell eine Allgemeinverfügung und sind heute schon aktiv, ist ja gut und schön. Die passt aber nicht mit dem zusammen, was das Ministerium bisher abgesondert hat." Da seien die Fahrer von der Maskenpflicht ausgenommen, was den Hintergrund habe, dass man durch das Tragen einer Maske seine ausgeatmete Luft immer wieder einatme und dadurch einen geringeren Sauerstoffgehalt habe. "Da befürchtet man Konzentrationsschwächen, deshalb war der Fahrer eigentlich ausgenommen." Töppel habe es seiner Fahrern freigestellt, ob sie eine Maske tragen möchten oder nicht.

Meinungen in der Bevölkerung gespalten

rosenheim24.de hat sich auch in der Bevölkerung umgehört, wie sie über die Maskenpflicht denkt. Eine Bäckereifachverkäuferin aus Bad Aibling hat eine klare Meinung zur Maskenpflicht: "Ich finde die Maskenpflicht ganz, ganz schlimm, weil ich beim Bäcker mit Maske arbeiten muss. Es ist unglaublich heiß, die Leute verstehen mich nicht, ich verstehe die Kunden nicht. Auch wenn man eine Brille trägt ist es schwierig, weil die immer beschlägt. Aber man darf auch nicht jammern, Chirurgen z.B. arbeiten ja immer so. Vielleicht gewöhnt man sich ja dran." 

Eine Supermarktkundin aus Rosenheim meint: "Ich arbeite seit Beginn in der Kinder- und Jugendhilfe im ambulanten Familiendienst täglich mit Mundschutz. Dieser schützt die Familien die ich besuche, mich eher nicht. Von daher ist es momentan im Einkauf und in den öffentlichen Verkehrsmitteln schön, nun auch eigenen Schutz zu erfahren. Andererseits sehe ich es auch kritisch, da der Schutz nur bis zu zwei Stunden gegeben ist, dann müsste der Mundschutz bei 60 Grad gewaschen werden."

Umfrage:

"Eine Frechheit, dass man gezwungen wird, sich etwas ins Gesicht zu hängen"

Eine Friseurin aus Kolbermoor findet: "Im Prinzip finde ich es in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen nicht schlecht. Klar ist es kein 100-prozentiger Schutz und man kann das ein bisschen eindämmen. Ich verstehe es nur nicht, warum man das nicht von Anfang an gemacht hat, wenn man zum Einkaufen geht. Zum arbeiten wird es echt schlimm. Es ist warm, man bekommt fast keine Luft drunter, das wird sicher schwierig."  

Eine andere Kolbermoorerin hat die Meinung, dass es zum arbeiten ganz furchtbar sei, eine Maske tragen zu müssen. "Da sieht man die Mimik und Gestik nicht und das ist in vielen Berufen wichtig. Ich finde es wirklich eine Frechheit, dass man gezwungen wird sich etwas ins Gesicht zu hängen, vor allem wenn man weder krank ist noch gefährdet ist. Ich finde es gut wenn das Leute mit Lungenerkrankungen und alte Leute machen die sich schützen sollen, aber ich finde es einen Wahnsinn, dass es ein Gesetz gibt solche Dinge zu tun für jemanden, der nicht gefährdet ist."

"Ich finde es gut. Bei mir in der Arbeit sind die Meisten über 60 und gehören zur Risikogruppe", sage eine Arzthelferin aus Rosenheim. "Deswegen muss ich natürlich mehr aufpassen, dass ich keinen anstecke. Wenn sich beim Einkaufen etc. keiner an den Mundschutz hält, wird das natürlich schwierig."

jb

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