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Rosenheims Landrat: „Zeit, dass Erwachsene Solidarität mit Kindern zeigen“

Neuer Lockdown, Druck auf Ungeimpfte, Schulen als Infektionstreiber? Lederer im Interview

Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU) - Archivbild.
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Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU) - Archivbild.

Stadt und Landkreis Rosenheim liegen bei der Sieben-Tage-Inzidenz noch immer im deutschlandweiten Spitzenfeld - und die Impfquote ist umso niedriger. Landrat Otto Lederer beantwortet unsere Fragen zur aktuellen Corona-Lage in der Region.

Herr Lederer, die Impfquote im Landkreis Rosenheim liegt nur bei gut 50 Prozent, warum sind wir beim Impfen so langsam?
Lederer: Das ist für eine Herdenimmunität viel zu gering. Das Impfzentrum Rosenheim und die Ärzteschaft bieten Impfungen hochengagiert und ohne bürokratische Hürden an. Es wurden durch das Impfzentrum Rosenheim bereits rund 35 Sonderimpftage in Stadt und Landkreis Rosenheim für alle Impfwilligen ab zwölf Jahren durchgeführt. Über die Gründe, warum von den Bürgerinnen und Bürgern die Impfungen weniger als im Landes- oder Bundesdurchschnitt wahrgenommen werden, lässt sich nur spekulieren. Ich appelliere eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, für die keine medizinische Kontraindikation nach wissenschaftlichen Kriterien vorliegt, eine Impfung durchführen zu lassen.
Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gefahren, wenn es weiterhin so stockt?
Wir dürfen uns nicht täuschen lassen, früher oder später werden sich alle Personen, die nicht geimpft sind oder die Infektion nicht schon durchgemacht haben, mit dem Virus infizieren. Kein Mensch kann sicher sein, dass bei ihm nicht eine schwere Verlaufsform der Infektion auftritt oder langwierige und belastende Folgesymptome durch Long-Covid verbleiben. Nach wie vor besteht ein uneingeschränkt positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Corona-Schutzimpfungen. Es ist jetzt an der Zeit, dass die Erwachsenen Solidarität mit den Kindern zeigen und ihnen ein Stück von dem zurückgeben, was sie bislang für die Gesellschaft geleistet haben.
Die Inzidenz spielt für Corona-Einschränkungen keine Rolle mehr. War das wirklich die richtige Entscheidung, wenn die Zahlen weiter so steigen und dabei das Impftempo in manchen Landkreisen, wie auch Rosenheim, so niedrig ist?
Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde durch die Bayerische Staatsregierung als Grundlage für das Inkrafttreten von Infektionsschutzmaßnahmen durch die Regelungen der Krankenhaus-Ampel abgelöst. Die Inzidenz bleibt jedoch weiter ein wichtiger Parameter, um das Infektionsgeschehen und damit die Ausbreitungsdynamik in der Region erfassen zu können. Sie ist wie eine Fieberkurve zu betrachten, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung besser beurteilen zu können. Weitere Parameter sind die Impfrate, die Ausbruchssituation in Einrichtungen, wie z.B. Heimen und Kliniken, die Bettenbelegung auf Normal- und Intensivstationen und die tägliche Zahl der Neuaufnahmen von Corona-Patienten in Krankenhäusern. Die Gesamtbetrachtung aller Parameter ist für uns im Landratsamt weiterhin wichtig, um die Corona-Lage vor Ort bestmöglich beurteilen zu können. 
Mit welchen Mitteln sollte man Druck auf Ungeimpfte machen? Oder ist Druck per se verkehrt?
Ich halte es für problematisch, Druck auf Ungeimpfte auszuüben. Es geht vielmehr darum, den Personen, die durch eine Impfung maßgeblich dazu beigetragen haben, die Pandemie zu besiegen, genauso wie den Genesenen, ihre verfassungsmäßigen Rechte wiederzugeben.
Laut DIVI-Intensivregister des RKI sind nur rund zehn Prozent der Intensivbetten in Stadt und Landkreis Rosenheim frei. Hat man Möglichkeiten, die Zahl auszuweiten?
Rund 19 Prozent der Intensivbetten sind laut „IVENA eHealth“ mit Covid-19-Patienten belegt. Auch das unterstreicht die stark angespannte Situation. Die landesweite Krankenhaus-Ampel bildet die regionale Situation nur unzureichend ab. Die Anzahl der Intensivbetten im Landkreis Rosenheim, sowie in ganz Bayern, wird nicht zuletzt durch die Anzahl des zuständigen Fachpersonals, um die Patienten zu betreuen, begrenzt. Ohne qualifiziertes Fachpersonal ist eine Erhöhung der Intensivbettenkapazität nicht realisierbar
Welche Haupttreiber des Corona-Ausbruchsgeschehens gibt es momentan? Sind es noch immer Urlaubsrückkehrer oder eher private Feiern?
Derzeit besteht ein Ausbruchsgeschehen aufgrund einer Geburtstagsfeier mit 6 Indexfällen in einer Gemeinde. Ansonsten spielen private Ausbrüche keine wesentliche Rolle im Infektionsgeschehen. Nachdem zu Ferienbeginn die Hauptursachen der Ansteckungen in Stadt und Landkreis Rosenheim Reiserückkehrer zusammen mit familiären Übertragungen waren, herrscht mittlerweile ein diffuses Ausbreitungsgeschehen vor.
Wäre ein neuerlicher Lockdown über den Winter denkbar? Das befürchten ja vor allem auch Eltern, wie können Sie diese beruhigen? 
Ein neuerlicher Lockdown muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert werden. Unser Bestreben ist es auch, den Präsenzunterricht an Schulen, solange es aus Infektionsschutzsicht vertretbar ist, zu gewährleisten.
Sind die Schulen wirklich die Infektionstreiber oder sind die Pooltests, die jetzt durchgeführt werden, die Lösung für offene Schulen?
Schulen sind nach wie vor keine Infektionstreiber der Pandemie. Wir haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass zwar Fälle im Schulsetting durch die regelmäßigen Testungen aufgedeckt werden, dass es aber – aufgrund der bisherigen Maskenpflicht an Schulen – kaum zu Übertragungen im Klassenverband gekommen ist.

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