Im Gespräch mit einem ehemals Infizierten

Probleme auch nach Corona: „Du willst schnaufen, aber du kriegst nichts in die Lunge rein.“

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Für manche ehemals Corona-Infizierte geht der beschwerliche Weg auch nach der Genesung weiter. Manche erzählen noch lange nach der Krankheit von stark eingeschränkter Leistungsfähigkeit.

Landkreis Rosenheim - Mehrere Monate Kurzatmigkeit, Zerschlagenheitsgefühl und fehlende Leistungsfähigkeit in allen Lebenslagen. Für einige ehemals positiv auf COVID-19 getestete Menschen enden die Beschwerden nicht nach dem typischen 14-tägigen Krankheitsverlauf. So erging es Alex M. aus dem Landkreis Rosenheim:

Alex M. ist 27 Jahre alt, Teamleiter im Einkauf und lebt im Kreis Rosenheim. Ein junger, sportlicher und vor allem gesunder Mann. Am Donnerstag, den 12. März, geht er noch mit seinen Freunden feiern. „Wegen diesem Corona macht sowieso alles bald dicht,“ denkt er sich. Als er am Montag nach dem Wochenende in die Arbeit geht, treten die ersten Symptome auf.

Bestimmt „dieses komische Corona“

Schnell merkt Alex, dass er dringend Ruhe braucht. Ganz klar: die Grippe hat ihn erwischt, so glaubt er. Nach einem kurzen Gespräch mit seinem Chef sagt er noch scherzhaft, dass er ja wahrscheinlich „dieses komische Corona“ hat. Zu diesem Zeitpunkt weiß er aber auch noch nicht, dass er Kontakt mit Infizierten hatte. Die Krankheit nimmt zunächst unerkannt ihren Lauf.

Es ist der 16. März als Alex seine Arbeit mit Husten und Erschöpfungsgefühl verlässt. Eigentlich will er am nächsten Morgen schon wieder zurück zum Job, doch nach wenigen Stunden merkt er, dass das wohl nichts wird. „Ich habe das so noch nie miterlebt,“ schildert er im Gespräch. Er spricht von massiven Hustenanfällen, starkem Fieber und Durchfall. Ihm ist schnell klar: „Das ist deutlich anders als die Grippe.“

Am folgenden Dienstag geht es Alex alles andere als gut. Auch die nächsten Tage wirft ihn das Fieber von knapp 40°C zwischen Hitzewallung in Schüttelfrost hin und her. Die trockenen Hustenanfälle lassen ihn nicht schlafen. Ein Test wird trotz aller Symptome nicht angeordnet. Heute findet Alex das bedenklich.

Alex hatte keinen Kontakt zu Infizierten in Rosenheim. Oder doch?

Als das Wochenende des 21. und 22. März kommt, spürt Alex, dass das Fieber wieder sinkt. Die Symptome werden an dem Wochenende deutlich leichter, erzählt er. Sein Zustand bessert sich langsam und es wirkt, als hätte die unangenehme Krankheit bald ein Ende.

Jetzt erst erfährt er, dass er vielleicht doch Kontakt zu Corona-Infizierten hatte - bislang reichten die Symptome allein nicht für einen Test aus - doch mit der neuen Erkenntnis und nach einem weiteren Gespräch mit seinem Chef am Montag, den 24. März, steht fest, dass er schnellstmöglich getestet werden muss. Der Test wird direkt am folgenden Dienstag gemacht. Das Ergebnis: in Alex Körper wütet das neuartige Corona-Virus.

Ein Alltag in der Quarantäne ist zu diesem Zeitpunkt größtenteils wieder zu bewältigen. Doch der staubtrockene Husten lässt ihn weiterhin nicht schlafen. Deshalb ist er auch in diesem Zeitraum noch erschöpft und kraftlos. Kleinste Arbeiten nehmen ihm das Letzte seiner Energie. An Arbeit ist nicht zu denken. Erst als der Arzt ihm starken Hustenblocker verschreibt, kann er wieder richtig schlafen und sich halbwegs erholen.

Beim Versuch zu joggen bricht Alex zusammen: „Ich habe Sternchen gesehen“

"Es hat ein bisschen blutig geschmeckt", sagt Alex über den Husten, der ihn bis in den April hinein begleitet hat. Als dieser dann endlich weg ist, wagt sich Alex ans Spazierengehen. Erst fünf Minuten, dann zehn Minuten bis hin zu einer Dreiviertelstunde. Nun ist es für ihn Zeit, endlich wieder Sport zu machen.

Der erste vorsichtige Versuch erweist sich als fatal: „Ich habe Sternchen gesehen.“ Nach nicht mal 200 Metern langsamen Laufens bricht Alex zusammen. Sein Körper hat die Notbremse gezogen. Er beschreibt das Gefühl: „Du willst schnaufen, aber du kriegst nichts in die Lunge rein.“ Schockiert von diesem Erlebnis will Alex einen Lungen-Scan machen lassen. Dieser soll Klarheit bringen.

Doch Alex wird enttäuscht. Seine Lunge weist zwar Vernarbungen auf, jedoch so geringfügig, dass sich seine Beschwerden damit nicht erklären lassen. Der Arzt meint, dass es sich hier nicht um außergewöhnliche Beschädigungen handelt. Sie könnten so auch von früheren Erkrankungen kommen und sind nicht Schuld an seinem Zustand. Es ist bislang unklar, was das Virus mit Alex Körper gemacht hat.

Bis heute hat sich Alex nicht vollständig erholt

Beim Gespräch mit rosenheim24.de hat sich seine Kondition nur sehr spärlich erholt und wirklich Joggen kann Alex immer noch nicht. Beim Treppensteigen oder anderen moderaten körperlichen Anstrengungen, die sonst eine Kleinigkeit für den sportlichen Mann waren, macht seine Lunge dicht. Wieso das so ist, konnte ihm bis jetzt niemand vollständig erklären. Klar ist für ihn: Es begann mit der Corona-Infektion, wenn er bei Belastung Luft holt sticht die Lunge und er merkt: „Da ist irgendwas.“

Solche Vorfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung sind nicht häufig, aber sie treten immer wieder aus verschiedenen Gründen auf. Das sagt auch Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim. Im Gespräch mit rosenheim24.de erzählt Ihler von den unterschiedlichen Verläufen einer Corona-Erkrankung und wie oft sie mit solcher Heftigkeit auftreten.

mda

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