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rosenheim24.de hat nachgefragt

Hätten Corona-Ausbrüche in Asylunterkünften vermieden werden können?

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Immer wieder kam es - wie hier in einer Asyl-Unterkunft in der Rosenheimer Oberaustraße - zu lokalen Ausbrüchen des Corona-Virus.

Landkreis Rosenheim - rosenheim24.de hat beim Landratsamt Rosenheim nachgefragt, wie es sich lokale Corona-Ausbrüche im Landkreis erklärt - und was passiert, wenn die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten wird.

Wie unsere Redaktion aufgrund vieler Zuschriften weiß, treiben die Bürger im Landkreis Rosenheim nach wie vor Ängste und Sorgen um. Vor allem die Fallzahlen im Rosenheim - sowie das Management der Krise - sind Thema. Ebenso beschäftigt unsere Leser, wie der Landkreis auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet ist.

rosenheim24.de hat direkt beim Landratsamt nachgefragt, um die drängendsten Fragen zu beantworten, und ein Gespräch mit Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamts, geführt. Aufgrund des Umfangs wird das Interview in zwei Teilen veröffentlicht (den 1. Teil hier nachlesen). 

rosenheim24.de: Wie viele Corona-Tests wurden bislang im Landkreis pro 100.000 Einwohner durchgeführt? Wird nach wie vor getestet? Wie viele Corona-Tests pro Tag werden durchgeführt? Nach welchem Muster werden diese Tests durchgeführt?

Krug: Zur Gesamtzahl der durchgeführten Tests im Bereich von Stadt und Landkreis Rosenheim liegen uns keine Informationen vor, da sie nicht zentral über das Rosenheimer Gesundheitsamt oder das Landratsamt gesteuert wurden. Es gab Testungen auf dem Gelände des Rosenheimer Gesundheitsamtes und Testungen, die von Mitarbeitern des Rosenheimer Gesundheitsamt zum Beispiel in Asylbewerberunterkünften oder Alten- und Pflegeheimen durchgeführt wurden. Weitere Tests wurden durch niedergelassene Ärzte in einem Zelt auf der Loretowiese durchgeführt sowie in Praxen verschiedener Hausärzte. Auch die Kassenärztliche Vereinigung hat mit mobilen Teams Coronatests durchgeführt. Die Proben wurden in verschiedenen Laboren untersucht. Sofern diese Tests nicht vom Rosenheimer Gesundheitsamt oder deren Mitarbeitern durchgeführt wurden, sind wir über die Testergebnisse nur dann informierte worden, sobald diese positiv waren, um hier die notwendigen Schritte einzuleiten. Eine Gesamtzahl aller von verschiedenen Auftraggebern durchgeführten Tests liegt uns nicht vor. Natürlich werden nach wie vor Testungen durchgeführt, sollte es einen begründeten Verdacht auf eine Infektion geben oder im Falle eines engen Kontaktes einer Person zu einem Erkrankten. Außerdem testen wir anlassbezogen in Asylbewerberunterkünften oder Pflegeeinrichtungen Das war auch ein Grund für die hohen Fallzahlen in der Vergangenheit, da bei diesen Testungen auch positive Befunde ans Licht kamen von asymptomatischen Personen, die sonst wahrscheinlich unentdeckt geblieben wären.

rosenheim24.de: Leider kam es im Zuge der Krise immer wieder zu lokalen Ausbrüchen des Virus. Besonders betroffen waren davon Altenheime und Asyl-Unterkünfte. Wurden hier möglicherweise Fehler bei der Form der Unterbringung gemacht? Welche Schlüsse sind hier für die Zukunft zu ziehen? Hätten nach den ersten Fällen dieser lokalen Ausbrüche zumindest weitere Fälle vermieden werden können?

Krug: Corona-Infektionen gab es nicht nur in Asylbewerberheimen und Altenpflegeeinrichtungen. Wir hatten auch größere Ausbrüche nach Familienfeiern oder anderen Treffen. In allen Fällen wurde, für die positiv auf das Corona-Virus getesteten Personen eine 14-tägige Quarantäne verhängt. In Asylbewerberheimen wurden betroffene Personen, wenn möglich isoliert oder in anderen Unterkünften untergebracht, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Außerdem wurden alle anderen Bewohner der Einrichtung regelmäßig getestet. Auch hier gab es positive Befunde bei Bewohnern, die keine Symptome hatten. Um eine weitere Verbreitung der ansteckenden Krankheit und daher eine Gefährdung der Allgemeinheit zu verhindern, war die zeitweise Einrichtung einer Quarantäne der ganzen Einrichtung bzw. die Reglementierung des Zu- und Ausgangs erforderlich. Die Bewohner wurden ausführlich informiert, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen können und mit ausreichend Flüssigseife und Mund-Nasen-Schutz ausgestattet. Die medizinische Versorgung der Bewohner war gewährleistet. Zudem wurden Sie mit allen notwendigen Dingen des Lebens versorgt. Für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf wurden – soweit sie bekannt waren – gesonderte Maßnahmen veranlasst. Ein ähnliches Vorgehen, gab es auch in den betroffenen Alten- und Pflegeeinrichtungen. Positiv auf das Corona-Virus getestete Bewohner wurden nach Möglichkeit in Einzelzimmern untergebracht oder es wurden Quarantänestationen innerhalb der Einrichtung eingerichtet. Infizierte Mitarbeiter wurden in häusliche Quarantäne geschickt. In einem Fall wurde ein Altenpflegeheim evakuiert, da nicht mehr genug Pflegepersonal zur Verfügung stand, um die Bewohner zu versorgen. Wenn es medizinisch nötig war, wurden vereinzelt Bewohner von Pflegeeinrichtungen in Krankenhäuser verlegt. Außerdem wurden die Alten- und Pflegeheime, wenn nötig, personell unterstützt. In den Einrichtungen wurde alles getan, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Es gab in jeder Einrichtung einen Pandemiebeauftragten. Gerade zu den Hochzeiten der Pandemie fehlte es an ausreichend Schutzausrüstung. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt Rosenheim war hier mit Hochdruck beschäftigt, Material zu besorgen und vorrangig Krankenhäuser und auch Pflegeeinrichtungen mit der dringend benötigten Schutzausrüstung zu versorgen. Dies hat sehr gut funktioniert, sodass alle anderen Einrichtungen ihren Betrieb aufrechterhalten konnten.

rosenheim24.de: In der „Allgemeinverfügung“ des Landratsamts Rosenheim vom 15. April heißt es, dass die Quarantäne bei positiv getesteten Personen und Verdachtsfällen mündlich ausgesprochen wird. Gibt es keine schriftliche Anordnung mehr?

Krug: Die Allgemeinverfügung ist die schriftliche Anordnung. Sie gilt für einen bestimmbaren Personenkreis und damit für eine Vielzahl von Fällen, wenn deren objektive Voraussetzungen vorliegen. Die Betroffenen werden zusätzlich kontaktiert und die Quarantäneanordnung mündlich ausgesprochen. Dabei wird u.a. auf die Geltung der Allgemeinverfügung verwiesen. Schriftliche Anordnungen im Einzelfall werden nicht mehr erstellt. Diese sind durch Inkrafttreten der Allgemeinverfügung obsolet geworden. Die Betroffenen erhalten im Nachgang eine schriftliche Quarantänebescheinigung. Diese dient u.a. als Nachweis für den Arbeitgeber, damit dieser gegebenenfalls Entschädigungsansprüche nach dem Infektionsschutzgesetz geltend machen kann.

rosenheim24.de: Wie wird kontrolliert, ob diese Anordnung eingehalten wird?

Krug: Eine Kontrolle oder lückenlose Überwachung, ob jede einzelne Person die Quarantäne einhält, ist nicht möglich. Ein Verstoß gegen die Quarantäne-Auflagen des Gesundheitsamtes kann schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen. Die Nichteinhaltung der Corona-Quarantäne und der damit verbundenen Auflagen kann strafrechtlich geahndet werden. Es sind Geldbußen bis zu 25.000 Euro sowie Freiheitsstrafen möglich. Bei Nichteinhaltung der Quarantäne kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verhängt werden. Sollte durch die Nichteinhaltung der Quarantäne eine andere Person infiziert und damit der Krankheitserreger verbreitet werden, ist die Verhängung von Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren möglich. Die Grundlage dafür ist im Infektionsschutzgesetz zu finden. Zusätzlich zu den rechtlichen Konsequenzen für die eigene Person sollte man auch die Konsequenzen für die Mitmenschen bedenken. Durch einen Verstoß gegen die Quarantäne-Auflagen könnten Mitmenschen mit dem Coronavirus infiziert werden und unter Umständen schwere Krankheitsverläufe erleben.

rosenheim24.de: Was geschieht, wenn die Grenze von 35 für die 7-Tage-Inzidenz wieder überschritten wird?

Krug: In dem Fall muss das Gesundheitsamt überprüfen, warum der Signalwert von 35 Fällen pro 100.000 Einwohnern überschritten wurde. Gemäß ministerieller Regelung kann es bei einem lokalisierten und klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen, zum Beispiel bei einem Ausbruch in einer Einrichtung adäquat sein, Beschränkungsmaßnahmen, wie z.B. eine Quarantäne, nur für diese Einrichtung anzuordnen. In jedem Fall ist es wichtig, die Infektionsketten sofort durch geeignete Maßnahmen zu unterbrechen. Das ist aber jeweils eine Einzelfallentscheidung. Im Moment liegen sowohl der Landkreis Rosenheim als auch die Stadt Rosenheim, weit unter dem Signalwert.

rosenheim24.de: Gibt es hierzu feste Pläne? Warum werden diese nicht veröffentlicht?

Krug: Es gibt keine festen Pläne, weil es sich jeweils um eine Einzelfallentscheidung der Experten am Gesundheitsamt handelt und die Maßnahmen immer von der möglichen Infektionsquelle und dem Ausbruchsszenario abhängen.

rosenheim24.de: Wie stellt man sich in zukünftigen Pandemiefällen Shutdowns vor? Kann oder soll es einen so starken Eingriff in das öffentliche Leben je wieder geben?

Krug: Diese Entscheidungen liegen nicht in der Befugnis des Rosenheimer Gesundheitsamtes oder des Landratsamtes. Die Vorgaben kommen von den zuständigen Ministerien.

rosenheim24.de: Wenn man eine Zwischenbilanz über den Umgang mit der Corona-Krise im Landkreis Rosenheim ziehen würde - wie sähe diese aus? Welche Lehren hat man insgesamt gezogen, welche Erkenntnisse für die Zukunft wurden gewonnen?

Krug: Im Moment sind wir noch mit der Bekämpfung der Pandemie beschäftigt. Es ist noch zu früh für ausführliche Rückblicke und Zwischenbilanzen. Eine Umstellung des Meldesystems auf eine durchgängig elektronische Form würde helfen. Zudem muss lageabhängig der schnelle personelle Aufwuchs am Gesundheitsamt sichergestellt sein. Wir sind sicherlich aufgrund der bisherigen Erfahrungen auf eine zweite mögliche Welle gut vorbereitet. Gerade zu Hochzeiten der Pandemie war es kaum möglich Schutzausrüstung zu bekommen. Für eine mögliche zweite Welle hält der Landkreis nun Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel vor, um bei Engpässen Einrichtungen unterstützen und versorgen zu können.

dp

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