Otto Lederers Ziele als neuer Landrat im Kreis Rosenheim 

Vom ÖPNV zum Brenner-Nordzulauf: "Das Beste für unsere Region erreichen" 

Otto Lederer sprach in der konstituierenden Sitzung am Montag, 22. Juni, über seine Ziele als neuer Landrat im Kreis Rosenheim. 
+
Otto Lederer sprach in der konstituierenden Sitzung am Montag, 22. Juni, über seine Ziele als neuer Landrat im Kreis Rosenheim. 

Rosenheim - ÖPNV, Bildung, Brenner-Nordzulauf und allen voran die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie. In der konstituierenden Sitzung positionierte sich der neue Landrat Otto Lederer (CSU) zu seinen Zielen für den Kreis Rosenheim. 

Corona hat so ziemlich alles durcheinandergewirbelt - das macht sich auch im Rosenheimer Landratsamt bemerkbar: Mundschutz-Pflicht, Kontrollen am Eingang, Desinfektionsspender in den Gängen und Sitzplätze mit Abstand bei der Pressekonferenz zur konstituierenden Sitzung mit dem neu gewählten Landrat. "Seit 4. Mai läuft die Arbeit wieder im Landratsamt - unter strengen Auflagen." Mit diesen Worten leitete Lederer die Sitzung am Montagvormittag ein und sprach zunächst allen Helfern und Unterstützern in der Krise seinen Dank aus bevor er zu den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns überleitete. 

Wegen Corona: Zurückrudern bei geplanten Investitionen

"Die Auswirkungen des Virus ist für die nächsten Haushalts-Jahre prägend. Die Mehrausgaben, die Corona verursacht hat, befinden sich in Millionenhöhe. Hier stellt sich noch die Frage, ob der Bund einspringt oder wir das aus eigener Kraft schultern müssen. Die Lage 2020 ist zwar unerfreulich aber beherrschbar", erklärte Ledererer und unterstrich, zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne man noch nicht abschließend beurteilen. Er ist sich aber sicher: Die schwierigen Jahre kommen erst nach 2020: "Der Haushalt 2021 wird sich problematischer gestalten. Hier sehen wir ein großes Spannungsfeld und ich möchte gemeinsam mit den Kommunen einen Lösungsweg finden, der für alle gangbar ist." 

Da in den vergangenen Haushalts-Jahren gut gewirtschaftet und darauf geachtet wurde schuldenfrei zu bleiben sowie Rücklagen zu bilden scheut sich Lederer nicht davor, eine Nettoneuverschuldung in Betracht zu ziehen, wenn es diese Notsituation erfordere: "Hier kann man sich ruhig auch mal antizyklisch verhalten und einzelnen Branchen in der regionalen Wirtschaft verstärkt unter die Arme greifen." Auch geplante Investitionen könnten zurückgestellt werden, darunter überwiegend Hoch- und Tiefbauarbeiten. "Großprojekte wie der Klinik-Neubau in Wasserburg oder die Baustelle an der FOS/BOS Rosenheim laufen freilich unverändert weiter im Zeitplan. Dafür werden Fassadenreparaturen an Bestandsgebäuden wie beispielsweise am Landratsamt zurückstecken." 

Landkreis Rosenheim zur Bildungsregion machen 

Corona aber habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig Digitalisierung und multimedialer Fortschritt sei: "Speziell im Landratsamt Rosenheim werden wir verstärkt auf unserer ab Juli neuen Homepage Informationen bereithalten. Beibehalten und auf andere Bereich ausdehnen wollen wir die coronabedingten Terminvergaben. Gerade in der Zulassungsstelle hat sich das bewährt um lange Schlangen an den Schaltern zu vermeiden. Natürlich wird aber nicht alles digitalisiert, die Mitarbeiter bleiben weiterhin auch für die Bürger ein greifbarer Ansprechpartner", betonte Lederer. 

Otto Lederer: "Um den ÖPNV attraktiv zu gestalten brauchen wir eine gewisse Akzeptanz der Bürger." 

Bei den Bildungseinrichtungen hingegen bestehe Nachholbedarf: Hier hat Corona ans Licht gebracht, dass gerade Medienkonzepte und die Digitalisierung an Schulen noch nicht ausgereift seien. Damit die Bandbreite des Homeschooling funktioniert appellierte Lederer auch an die Eigenverantwortlichkeit in den Familien, denn die Schulen könnten nicht alles auffangen. Was die Ausstattung in den Klassenräumen angeht, möchte Lederer aufrüsten: "Wir gehen jetzt verstärkt in Ausschreibungen, um eine vollständige Ausstattung für die Landkreisschulen zu gewährleisten. Zudem wollen wir einen Glasfaseranschluss für alle Schulen. Für die rund 115.000 bayerischen Lehrkräfte gibt es laufend Fortbildungen, damit diese alle Mittel der modernen Technik ausschöpfen können." 

"Mir als Lehrer ist es eine Herzensangelegenheit, den Landkreis zu einer Bildungsregion zu machen. Ich möchte, dass jedes Kind, das wegen einer Behinderung beispielsweisen nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht, ausreichend gefördert werden kann. Kein Talent darf verloren gehen. Anknüpfpunkte auch für Schwächere zu schaffen ist wichtig, das zeigt sich bei der frühkindlichen Förderung genauso wie beim Übertritt auf eine weiterführende Schule bis hin zum Abschluss an einer Hochschule", untermalt Lederer. 

Umstieg von Auto auf Bus funktioniert nur mit der Akzeptanz der Bürger 

Ein weiteres wichtiges Thema, das der Landrat angehen möchte ist die Weiterentwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV): "Mein Ziel ist es, die Grundversorgung so attraktiv zu gestalten, dass sie womöglich den ein oder anderen zumindest zum Umstieg vom Zweitauto zu Bus oder Bahn bewegt. Aktuell verzeichnen gerade die Busanbieter massive Einnahmeausfälle, weil viele aufgrund der Angst vor Infektionen den öffentlichen Nahverkehr eher meiden. Da ist aktuell nicht der Ausbau des Netzwerks die Herausforderung sondern überhaupt den Status Quo zu halten." 

Erst wenn Corona weiter abschwächt möchte Lederer den Nahverkehrsplan angehen und die Nachbarlandkreise ins Boot holen. Hierfür läuft aktuell eine Studie, deren Ergebnis jedoch erst in fünf Jahren spruchreif sein wird. "Wir können einzelne Mittel anwenden - beispielsweise auch die personelle Aufstockung, aber um den ÖPNV attraktiv zu gestalten brauchen wir eine gewisse Akzeptanz der Bürger", akzentuierte Lederer.

Positionierung Lederers zum Brenner-Nordzulauf 

128 Schutzgebiete, die fast 30.000 Hektar Fläche umfassen: Das bedeutet jeder fünfte Quadratmeter im Landkreis Rosenheim steht unter Schutz. Gerade weil aktuell das Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf läuft, hob Lederer hervor: "Hier wollen wir in einer Sondersitzung des Kreistags am 15. Juli einen politischen Standpunkt setzen. Meine Devise lautet hier ganz klar das Beste für unsere Region erreichen und die negativen Auswirkungen dieser Planungen minimieren. Für mich heißt das die Bestandstrasse nach Neubaustandard zu lärmzusanieren, das Schienennetzwerk zu verbessern und möglichst viel der neuen Trasse unterirdisch zu bauen ohne dass mehr Grund als nötig im Raum Rosenheim in Anspruch genommen werden muss." 

Umwelt/Natur und Wirtschaft/Landwirtschaft zusammenzuführen ist Leders Prämisse: "Wenn wir Nachhaltigkeit mit dem Begriff 'enkelgerecht' ersetzen treffen wir Entscheidungen für unsere Nachfahren. Die Energiewende im Landkreis gesamtgesellschaftlich weiterzuentwickeln ist mein Ziel." Zudem denkt er über Konzepte für Radfahrer nach, nachdem Corona hier für einen Boom gesorgt hat. 

mb

Kommentare