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Lage in RoMed Kliniken eindeutig

„Pandemie der Ungeimpften“: Tatsächliche Lage in den Kliniken oder unbegründete Hetze?

Coronavirus - Covid-Station Universitätsklinikum Leipzig
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Auf der Covid-Station, einem Bereich der Operativen Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig, steht eine Physiotherapeutin am Bett einer Patientin. Auf der Intensivstation wächst seit Tagen die Zahl der Corona-Erkrankten mit schweren Verläufen, darunter immer mehr jüngere Patenten zwischen 30 und 60 Jahren.

Die Lage auf den Intensivstationen in Bayern ist angespannt. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt rasant – auch die Todesfälle haben sich vervielfacht. Planbare Operationen werden verschoben, Patientinnen und Patienten verlegt. Immer wieder ist die Rede von einer „Pandemie der Ungeimpften“ – doch wie sieht die Lage in den RoMed Klinken aus?

Rosenheim - Mediziner weisen seit Wochen angesichts der angespannten Corona-Lage auf die sich verschärfende Situation auf deutschen Intensivstationen hin. „Trauriger Tagesrekord der Covid-19-Herbstwelle: Erstmals mehr als 100 gemeldete Todesfälle auf Intensivstationen bei 179 Erstaufnahmen. Macht nachdenklich“, schrieb zum Beispiel Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am 6. November auf Twitter.

Auf die Frage, wie sich die Zuspitzung auf den Intensivstationen im Vergleich zu den früheren Wellen erklären lässt, antwortet Prof. Stefan John, Vorstandsmitglied und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Leiter des Funktionsbereichs Intensivstation am Klinikum Nürnberg: „Wir haben eine große Zahl von Ungeimpften. Das sind immer noch deutschlandweit zwischen 15 und 18 Millionen, bei denen die Infektion ungebremst ablaufen kann. Dazu haben wir mit Delta eine Variante, die infektiöser ist. Und wir haben momentan kaum Gegenmaßnahmen der Politik, es ist auch wenig Bereitschaft in der Bevölkerung sich wieder einzuschränken. Dazu kommt, dass die Geimpften keinen sicheren Schutz mehr haben. Gerade in der Situation mit enorm hoher Inzidenz sind auch die Geimpften mehr gefährdet. Dazu schieben wir seit vielen Jahren einen Personalmangel vor uns her, der sich im letzten Jahr massiv verstärkt hat. Wir haben momentan auch noch mit einer heftigen Erkältungswelle zu kämpfen, die nicht nur die Patienten, sondern auch das Personal trifft.“

„Wenn ungeimpfte Patienten kommen, ist der Unmut oft groß“

Es gebe natürlich noch „unverdrossene Kämpfer“ auf den Intensivstationen, aber „insgesamt ist nach der langen Zeit die Stimmung wirklich schlecht, vor allem beim Pflegepersonal“. Und weiter: „Es sind natürlich auch die, die am Bett stehen, die immer wieder im Vollschutz schwitzend stundenlang den Patienten betreuen müssen. Wenn dann ungeimpfte Patienten kommen, ist der Unmut oft groß, weil es eben vermeidbar gewesen wäre.“

Allein in den Romed-Kliniken befinden sich mit Stand 11. November 95 Covid-Patienten in stationärer Behandlung, verteilt auf die Standorte Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg. Davon liegen wiederum 18 Patienten auf Intensivstation, sieben beatmet. Belegungszahlen, die höher sind als zu Spitzenzeiten im vergangenen Corona-Winter, als es noch keine Impfungen gab. „Aber damals gab es einen Lockdown, deshalb wurden deutlich weniger Unfallpatienten eingeliefert“, sagt RoMed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram.

Lage in RoMed Kliniken

Seit August, als sich die vierte Welle anbahnte, waren in den RoMed Kliniken bereits über 90 Covid-Intensivpatienten in Behandlung. Etwa 90 Prozent ungeimpft, berichtet der Geschäftsführer. Und: „Wir haben jetzt deutlich mehr jüngere Patienten. Kerngesunde 40-Jährige, die Corona voll erwischt hat.“ In einem öffentlichen Statement macht Deerberg-Wittram deutlich: „Ich kann Ihnen nur sagen, sich nicht impfen zu lassen, ist kein Zeichen von Freiheit und ist auch kein Zeichen von mangelnder Freiheitsliebe. Sondern es ist ein Zeichen von Verantwortungsgefühl und Professionalität, wenn wir hier im Krankenhaus geimpft sind. Und es ist ein Zeichen von Nächstenliebe, wenn wir uns als Bürgerinnen und Bürger impfen lassen.“

Gegenüber rosenheim24.de bestätigte Elisabeth Siebeneicher, Sprecherin der RoMed Kliniken, noch einmal, dass mit Stand 11. November circa 90 Prozent der Intensivpatienten ungeimpft sind. Auf der Corona-Normalstation hingegen liege der Prozentsatz der Ungeimpften bei etwa 60 Prozent.

„Trotz einer guten Wirksamkeit der Impfung schützt die Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion. Mit steigender Inzidenz in der Bevölkerung ist deshalb zu erwarten, dass auch mehr geimpfte Personen erkranken. Außerdem ist ein Nachlassen der Impfwirkung mit der Zeit möglich, sodass Booster-Impfungen unbedingt Sinn machen“, so Siebeneicher weiter.

Wie gut schützt die Impfung?

Zudem stelle das RKI folgendes fest: Geschätzte Impfeffektivität gegen weitere Covid-19-assoziierte Endpunkte für den Zeitraum der letzten vier Wochen (39.-42. KW):

  • Schutz vor Hospitalisierung (Krankenhausaufenthalt): ca. 90 % (Alter 18-59 Jahre) bzw. ca. 85 % (Alter ≥60 Jahre)
  • Schutz vor Behandlung auf Intensivstation: ca. 94 % (Alter 18-59 Jahre) bzw. ca. 91 % (Alter ≥60 Jahre).

„Die Feststellung des RKIs deckt sich auch mit unseren Erkenntnissen. Die Verläufe geimpfter Patienten sind in der Regel nicht so schwer, wie die der Ungeimpften“, schließt Siebeneicher ab. Ein weiterer Faktor für die prekäre Lage sei die Tatsache, dass für die vier RoMed Kliniken im Kreis Rosenheim aktuell ein Drittel der Intensivbetten nicht zur Verfügung steht, weil Pflegekräfte dafür fehlen.

Auch das RKI hat in seinem aktuellen Wochenbericht wieder eine Tabelle zur Entwicklung der vergangenen vier Wochen (KW41-44) auf den deutschen Intensivstationen veröffentlicht. Dort werden unter anderem der Anteil wahrscheinlicher Impfdurchbrüche auf Intensivstation und Covid-19-Fälle mit wahrscheinlichem Impfdurchbruch, die verstorben sind, gelistet. Hier zeigt sich, dass der Anteil der Geimpften auf Intensivstationen zwar weiter zunimmt, aber weiterhin deutlich unter dem der Ungeimpften liegt.

Alter:12-17-Jährige18-59-Jährige60-Jährige und älter
Covid-19-Fälle auf Intensivstation2448870
Impfdurchbrüche auf Intensivstation058313
Anteil Impfdurchbrüche0,0%12,9%36,0%
Verstorbene Covid-19-Patienten054840
Verstorbene Covid-19-Patienten mit Impfdurchbruch010350
Anteil Impfdurchbrüche-18,5%41,7%

*In der Tabelle werden nur Personen gelistet, welche Angaben zu ihrem Impfstatus gemacht haben.

Drosten sieht „Pandemie der Ungeimpften“ nicht

Der Berliner Virologe Christian Drosten wiederum hält es für falsch, wenn derzeit von einer „Pandemie der Ungeimpften“ gesprochen wird. „Wir haben eine Pandemie, zu der alle beitragen – auch die Geimpften, wenn auch etwas weniger“, sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité. „Die Delta-Variante hat leider die Eigenschaft, sich trotz der Impfung zu verbreiten.“ Schon nach zwei, drei Monaten beginne der Verbreitungsschutz der Impfung zu sinken. „Und wir haben ganz viele Menschen gerade in den relevanten Altersgruppen, die schon im Mai oder im Juni geimpft worden sind. Die verlieren jetzt allmählich ihren Verbreitungsschutz, und sie werden immer mehr.“

Aktuell könne möglicherweise noch eine „mit großem Elan“ durchgeführte Booster-Aktion, beginnend bei den Alten, beim Eindämmen der Pandemie helfen. „Damit würde man wahrscheinlich zumindest für die Dauer des Winters den Herdenschutz gewährleisten“, so Drosten. Besser wäre es demnach noch, wenn beides gelänge: boostern und Impflücken schließen. „Aber das ist Sache der Politik“, betonte der Virologe.

Daneben blieben nicht viele Möglichkeiten. Forderungen nach mehr Tests halte er für unrealistisch, sagte Drosten. Für einen spürbaren Testeffekt brauche man wieder zehn Millionen Tests pro Woche wie im Frühjahr. „Mangels Alternativen wird man wegen der Ungeimpften wieder in kontakteinschränkende Maßnahmen gehen müssen.“ Ob das rechtlich haltbar ist, wisse er nicht. Übrig bleibe dann ein 2G-Modell, also ein Lockdown für Ungeimpfte. „Ob das noch im November die Inzidenz senkt – ich habe da meine Zweifel.“

mz

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