Edgar Müller im Gespräch

„Größte Herausforderung haben die Eltern“: Rosenheims Schulamtsleiter zum erneuten Homeschooling

Eine Schülerin nutzt die Bildungsplattform Mebis.
+
Eine Schülerin nutzt die Bildungsplattform Mebis.

Rosenheim – Der coronabedingte Lockdown geht weiter – und tiefer: Trotz Ende der Weihnachtsferien werden die Schulen am Montag, 11. Januar, nicht geöffnet. Wie sich die Schulen auf das erneute Homeschooling vorbereiten, schildert Schulamtsleiter Edgar Müller im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Von Jens Kirschner

Herr Müller, Bund und Länder haben sich auf eine neuerliche Verlängerung des Lockdowns verständigt. Damit bleiben die Schulen in Bayern trotz dem Ende der Weihnachtsferien ab Montag geschlossen. Für welche Herausforderungen sorgt dies für Sie als Staatlichem Schulamt?

Edgar Müller, Schulamtsdirektor

Edgar Müller: „Die größte Herausforderungen haben natürlich Eltern, Schülerinnen und Schüler und die Schulleitungen und Lehrkräfte vor Ort zu meistern. Die Herausforderung für das Staatliche Schulamt, welches ausschließlich für die Grund- und Mittelschulen zuständig ist, besteht darin, die Umsetzung aller Vorgaben des Kultusministeriums an den 90 Grund- und Mittelschulen in der Stadt und im Landkreis Rosenheim sicherzustellen. Da die Voraussetzungen an allen Schulen verschieden sind, sind die Maßnahmen vor Ort aber nicht alle gleich.“

Wie sieht es bei den Schulen in Ihrem Zuständigkeitsbereich konkret aus, mit welchen neuen Schwierigkeiten müssen diese jetzt umgehen?

Müller: „Alle Schulen sind auf den Distanzunterricht pädagogisch gut vorbereitet. Auch die technischen Kapazitäten wurden vor Ort und auch vom Kultusministerium erweitert. Verweisen möchte ich auch auf das Medienzentrum Rosenheim, welches dem Landratsamt angegliedert ist. Hier werden Server mit der Videokonferenzsoftware „Big Blue Button“ kostenlos für den Onlineunterricht zur Verfügung gestellt. Mittlerweile gibt es hier schon 1900 Registrierungen. Im technischen Bereich werden die Probleme vor allem darin bestehen, dass alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig auf die Onlinesysteme zugreifen. Die Anzahl der Zugriffe ist nicht das Problem, sondern die Gleichzeitigkeit. Dementsprechend sollen die Zugriffszeitpunkte auf die Systeme jetzt dezentralisiert erfolgen.“

+++ Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Wie belastend ist diese Situation für die Lehrerkollegien – sowohl im Blick auf die konkrete Unterrichtsgestaltung als auch hinsichtlich der Beziehung zu den Schülern?

Müller: „Auf die konkrete Unterrichtsgestaltung sind alle Lehrkräfte mittlerweile gut vorbereitet. Es bedeutet natürlich einen erheblichen Mehraufwand in jeglicher Hinsicht, der aber von unseren Lehrkräften gerne für Kinder und Gesellschaft geschultert wird. Natürlich kann ein Distanzunterricht den Präsensunterricht nicht ersetzen, weil vor allem der persönliche Kontakt zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern eingeschränkt ist und der Kontakt unter den Schülern gänzlich fehlt. Das ist natürlich eine große Belastung für alle. Die negativen Auswirkungen sind mittlerweile hinreichend dokumentiert.“

Lesen Sie auch:

Kultusminister Piazolo auf Bewährung? Heftige Kritik an Krisenmanagement für Schulen in Bayern

Bayern sieht für die Schüler der Stufen 1 bis 6, alle Schüler von Förderzentren sowie für Kinder mit Behinderungen eine Notbetreuung vor. Ist schon klar, wie diese umgesetzt werden soll?

Müller: „Ein Kind kann an der Notbetreuung teilnehmen, wenn dringender Betreuungsbedarf besteht, weil Erziehungsberechtigte keinen Urlaub nehmen können beziehungsweise der Arbeitgeber nicht freistellt. Gleiches gilt, wenn Eltern alleinerziehend, selbstständig beziehungsweise freiberuflich tätig sind. Der Schule muss eine kurze, formlose Begründung vorgelegt werden. Bei weiteren Fragen sollen sich die Erziehungsberechtigten bitte direkt an die Schule wenden. Das Betreuungsangebot soll nur im Notfall in Anspruch genommen werden, wenn eine Betreuung nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann.“

Lesen Sie auch:

„Keine Zeit, in der Kinder nichts lernen“ – Wasserburger Land geht in den Distanzunterricht

Ist schon absehbar, welche Kapazitäten für die Notbetreuung vorgehalten werden müssen?

Müller: „Wir müssen abwarten, inwieweit das Angebot der Notbetreuung in Anspruch genommen wird. Dementsprechend werden dann natürlich die notwendigen Kapazitäten, sofern sie zur Verfügung stehen, bereitgestellt.“

Gab es bereits Rückmeldungen von Eltern bei den Schulen Ihres Zuständigkeitsbereichs , die nun noch mehr Sorgen um die Betreuung ihrer Kinder haben?

Müller: „Nein, es gab nur vereinzelte Anfragen zur Notbetreuung.“

Wie sehen Sie der Ausfall der Faschingsferien?

Müller: „Auf der einen Seite haben die Schülerinnen und Schüler eine Woche weniger Ferien; Sie arbeiten ja auch während des Distanzunterrichts. Auf der anderen Seite ist der zusätzliche Zeitgewinn für das Unterrichten nützlich.“

Lesen Sie auch:

„Eine glatte Sechs“ – Rohrdorfer Technikexperte kritisiert Schuldigitalisierung in Bayern

Probleme gab es in jüngster Zeit ja insbesondere mit der Online-Lernplattform Mebis. Wie hat sich dies in Ihrem Zuständigkeitsbereich bemerkbar gemacht und welche Verbesserungen sind vielleicht schon in Aussicht gestellt worden?

Müller: „Die Lernplattform ist gerade in der letzten Zeit technisch enorm aufgerüstet worden. Man muss aber bedenken, dass Mebis nicht als synchrones Werkzeug – zum Beispiel für Videokonferenzen – konzipiert war. Das Problem ist nicht die Menge der Zugriffe, sondern dass alle gleichzeitig zugreifen wollen. Dementsprechend gibt es nun konkrete Hinweise des Kultusministeriums, dass die Zugriffe zeitversetzt erfolgen sollen.“

Zum Abschluss: Welche Hoffnungen und Wünsche haben Sie als Schulamtsleiter im Blick auf die nächsten Wochen?

Müller: „Ich hoffe und wünsche mir, dass alle Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte gemeinsam an einem Strang ziehen. Das Virus ist eine historische Herausforderung, die wir so nicht kennen. Nur gemeinsam schaffen wir das. Man sollte sich bewusst sein, dass die im Bildungswesen Aktiven alles Mögliche tun, damit die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte gut durch diese Zeit kommen. Es ist aus meiner Sicht nachvollziehbar, dass hier nicht immer alles reibungslos läuft und man in der Nachsicht eventuell auch Dinge dann anders gemacht hätte.“

Kommentare