US-Wahl 2020

„Schande über uns“ - so erleben US-Amerikaner aus der Region den Wahlkrimi

Landkreis - Am Dienstagabend (Ortszeit) schloss in den USA das letzte Wahllokal. Doch noch immer hat die US-Präsidentschaftswahl keine Gewinner. So erleben US Amerikaner aus der Region den Wahlkrimi.

Am 3. November 2020 wählten die USA ihren Präsidenten. Etwa 239 Millionen Menschen waren zur US-Wahl aufgerufen. Drei Tage nach dem Wahltag wird immer noch ausgezählt. Während Biden auf dem Weg ist, die Präsidentschaftswahlen für sich zu entscheiden, klagt das Trump-Lager gegen die Auszählungen in mehreren Staaten.

Präsident Donald Trump hatte über Monate angedeutet, dass er eine mögliche Wahlniederlage nicht anerkennen würde. Dabei schoss er sich vor allem auf die Briefwahl ein. Das Trump-Lager hat nun in vier Staaten geklagt. Entweder soll die Auszählung gestoppt werden oder es soll besseren Zugang für republikanische Wahlbeobachter geben. Es geht dabei um die vier Battleground States Pennsylvania, Michigan, Georgia und Nevada.

So erleben US Amerikaner in der Region und Menschen aus der Region in Amerika die US-Wahl

Pamela Shaw Gutsch

Pamela Shaw Gutsch kommt aus dem Bundesstaat Oregon und lebt jetzt in Traunstein. „In Oregon ist es sehr liberal. Ich sehe schon lange, dass es die Tendenz gibt, dass Biden gewinnt“, sagt sie gegenüber chiemgau24.de. Pamela vermutet aber, dass Trump sich noch North Carolina, Maine und Alaska holen wird und dass er definitiv Georgia, Pennsylvania, Nevada und Arizona gewinnt. Zu den angedrohten Klagen von Trump meint sie: „Ich denke das ist eine Reaktion, wie der Schwimmring von Trump, eine Reaktion irgendetwas zu retten. Wobei ich denke es geht für Trump weniger um das Regieren, sondern es ist für ihn mehr ein Parteigewinn.“ Sie ist der Meinung, dass es am Ende so klar sein wird, dass ihm Klagen eh nichts bringe. „Ich bin so stolz auf mein Land gerade, dass wir vorwärts kommen mit den Wahlen. Die haben 20 Millionen mehr Wähler wie in 2016. Das ist eine Rekordmenge an Wählern. Insofern denke ich dass, sich jetzt endlich was bewegt. Das ist jetzt vielleicht ein positiver Effekt von Trump, dass er Leute bewegt. Zwar sehr extrem, es gibt wirklich Anhänger, die gefährlich sind, aber er hat etwas bewegt.“

Pamela wünscht sich endlich eine Regierung zu haben, die auch regiert. „Es geht um die USA, die Welt und die Bürger.“ Ihrer Meinung nach wird Biden der nächste Präsident. „Ich habe nicht besonders viel geschlafen die letzten drei Tage. Es bedeutet mir sehr viel, was da drüben passiert. Es bedeutet auch viel für Deutschland. Es trifft uns weltweit. Ich sehe aber auch die Obdachlosigkeit und die Armut in meinem Land, ich sehe die Spaltung in meinem Land. Ich sehe, dass mein Land nicht mehr so locker ist, wie es früher einmal war.“ Jede Nacht wacht sie auf und schaltet den Fernseher an, um zu wissen wie es steht. „Ich bekomme mit, wie Biden versucht, es nicht als Partei zu machen, sondern als Land. Das ist so wichtig, dass wir wieder eine Einheit haben. Biden versucht zumindest, zu sagen: ‚Das ist keine Parteigewinn sondern ein Landes-Gewinn.‘ Selbst konservative Republikaner haben Biden gewählt und das finde ich sehr beeindruckend.“

„Der Präsident der Vereinigten Staaten versucht offen, eine Wahl zu stehlen“

Logan Schack aus Rosenheim findet drastischere Worte zur aktuellen Situation: „Die letzten vier Jahre waren anstrengend. Ich komme aus dem ländlichen Georgia, ein tiefroter Republikanischer Bereich. Ich bin enttäuscht, dass es für einen Politiker leicht zu sein scheint, offen Verbrechen zu begehen und keine Konsequenzen zu bekommen. Ich glaubte, dass wir durch die Wahlen 2020 zeigen können, dass dieses kriminelle Verhalten inakzeptabel ist. Es war anstrengend zu beobachten, wie Trumps Verwaltung das Rechtssystem benutzte, um sich der Verantwortung zu entziehen und zu sehen, wie die Republikanische Partei den tief verwurzelten Sinn für Gerechtigkeit so offen ablehnt.“

Logan hat die Verzögerungen beim Auszählen aufgrund der großen Anzahl von Briefwahlzetteln in diesem Jahr schon erwartet, aber er ist trotzdem noch aufgeregt. „Ich habe auch erwartet, dass jeder Kandidat gegen Trump mehr als 70% der Stimmen erhalten würde. Jetzt fühle ich mich einfach wie ein Idiot. Der Präsident der Vereinigten Staaten versucht offen, eine Wahl zu stehlen und die Hälfte der Menschen in meinem Land unterstütt das Verhalten dieses Präsidenten. Es bricht mein Herz. Schande über uns, dass wir den Grundwerten, die wir anderen vermitteln wollen, nicht gerecht werden. Schande über uns, dass dieser Mann versucht hat, die Werte zu zerstören, für die Amerika stehen sollte. Schande über uns, dass wir dies in unserem Land passieren lassen.“

„Fürchten, dass er den Hass und die Spaltung der Gesellschaft weiter vertiefen wird“

Florian P. aus Feldkirchen-Westerham und seine Frau leben aktuell in einer Vorstadt von Chicago. Schon vor der Wahl hatte diese Einflüssse auf ihr Leben in den USA: „Wir betreiben hier in Illinois, vor den Toren Chicagos ein kleines Geschäft. Derzeit haben wir nicht nur wegen Corona weniger Kundschaft, sondern auch weil unser wichtigster Marketingkanal, Facebook, für uns gerade kaum noch funktioniert. Dort werden die User gerade mit Wahlwerbung und (teilweise sehr schmutzigen) Posts mit Wahlbezug überhäuft. In der Folge nutzen viele Facebook so kurz vor der Wahl kaum noch oder gar nicht mehr.“

Sollte Trump gewinnen, wäre das für Florian und seine ein Schock. „Obwohl Trump schon 2016 trotz schlechter Umfragewerte gewonnen hat, konnten wir uns nicht vorstellen, dass sich das so wiederholt. Wir fürchten, dass er den Hass und die Spaltung, unter denen dieses Land leidet weiter vertiefen wird. Es ist traurig zu sehen, in welchem Zustand die Gesellschaft hier ist.“ Er hoffe das Joe Biden es schaffen kann, die amerikanische Gesellschaft wieder ein wenig zu beruhigen. „Die politischen Lager in den USA sind so stark verfeindet, dass Politik und Gesellschaft in weiten Teilen nur noch sehr schlecht funktionieren. Trump hat diese Gräben vertieft.“

jb

Rubriklistenbild: © Pamela Shaw Gutsch

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