Auch die Region bereitet sich vor

So läuft die Impfung im Detail ab: Nebenwirkungen und andere Infos zum RNA-Präparat von Biontech

Der 51-jährige David Farrell bekommt in einem Impfzentrum den Pfizer/BioNtech-Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Bewohner von Pflegeheimen, medizinisches Personal, alte und gesundheitlich gefährdete Menschen sollen als erste geimpft werden. Es handelt sich nach Regierungsangaben um die größte Impfkampagne in der Geschichte Großbritanniens.
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Der 51-jährige David Farrell bekommt in einem Impfzentrum den Pfizer/BioNtech-Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Bewohner von Pflegeheimen, medizinisches Personal, alte und gesundheitlich gefährdete Menschen sollen als Erste geimpft werden. Es handelt sich nach Regierungsangaben um die größte Impfkampagne in der Geschichte Großbritanniens.

Landkreise - In Großbritannien werden bereits die ersten Bürger gegen das Coronavirus geimpft. Auch in Deutschland laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. In vier Landkreisen der Region stehen die Standorte für die Impfzentren schon fest, aber wie effektiv und sicher ist der Impfstoff BNT162b2 von Pfizer und Biontech wirklich?

Der Impfstoff BNT162b2 von Pfizer und Biontech steht nun auch in Europa und Deutschland kurz vor der Zulassung - die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema will bis Ende des Monats eine Entscheidung für diesen Impfstoff fällen. Es geht um eine beispiellose Großoperation und die Hoffnung auf die entscheidende Waffe gegen die Pandemie. Während in Großbritannien schon fleißig geimpft wird, wird der Impfstart in Deutschland wohl erst kurz nach dem Jahreswechsel erfolgen.

„Wir müssen durch den Winter durchkommen, ohne darauf setzen zu können, dass wir in großem Maße schon Impfstoff zur Verfügung haben“, erläuterte Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Im ersten Quartal 2021 könne Deutschland von den Herstellern Biontech/Pfizer und Moderna wohl zusammen sieben Millionen Dosen erwarten. Vorgesehen sind aber auch zwei Impfungen in bestimmtem Abstand. Im dritten Quartal - also zum Sommer - könnten dann deutlich größere Mengen verfügbar sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass spätestens im Herbst 2021 ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung vorhanden ist.

Impfstoff-Lagerung bei minus 80 Grad

Doch wie effektiv und sicher ist der RNA-Impfstoff? Der Transport und die Lagerung des Impfstoffes ist besonders kompliziert, weil er auf minus 80 bis minus 60 Grad gekühlt werden müssen. Nur so ist er etwa sechs Monate haltbar. Der Hersteller soll die Impfdosen deshalb mit Trockeneis kühlen und an die Lagerzentren ausliefern. In Bayern sind erste spezielle Tiefkühlschränke zur Lagerung von Corona-Impfstoff verteilt worden. „Diese Woche wurden allein vier Ultratiefkühlschränke im Regierungsbezirk Oberfranken ausgeliefert“, erklärte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch in München.

Das Biontech-Präparat BNT162b2 ist ein sogenannter RNA-Impfstoff, der auf einem bislang völlig neuen Mechanismus basiert. Er enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt - in diesem Fall das Oberflächenprotein (also nicht wie häufig ein abgetötetes Virus), mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt.

Ziel: Bildung von Antikörper

Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren. Besagter Impfstoff kommt als Konzentrat in Multidosis-Fläschchen und muss nach dem Auftauen mehrfach gekippt und noch verdünnt werden. Danach muss das Präparat (0,3 ml) innerhalb von zwei Stunden einem Patienten intramuskulär verabreicht werden. Nach 21 Tagen folgt eine zweite Injektion.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

Laut eigenen Aussagen von Biontech soll der Corona-Impfstoff von den Teilnehmern der Impfstudie gut vertragen worden sein. In einer Pressemitteilung des Mainzer Unternehmens heißt es: „Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt.“ Die Nebenwirkungen seien gewöhnlich und von leichter oder mäßiger Intensität gewesen.

Dabei handelte es sich laut Beipackzettel, welcher bild.de vorliegt, um:

  • Schmerzen an der Stelle bei der Injektion (mehr als 80%)
  • Müdigkeit (mehr als 60%)
  • Kopfschmerzen (mehr als 50%)
  • Muskelschmerzen (mehr als 30%)
  • Schüttelfrost (mehr als 30%)
  • Gelenkschmerzen (mehr als 20%)
  • Fieber (mehr als 10%)

Wer wird wann und wo geimpft?

Die Reihenfolge, wer wann geimpft wird, will Spahn per Verordnung festlegen, die Richtung zeichnet sich schon ab. Nach einem Rahmen, den der Bundestag in einem Gesetz abgesteckt hat, legte die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) einen Entwurf für eine genauere Empfehlung vor. Länder und Experten können dazu noch Stellung nehmen. Als Erste sollten demnach Ältere über 80, Pflegeheimbewohner und Personal mit höchstem Infektionsrisiko in Kliniken und Altenheimen zum Zug kommen, rund 8,6 Millionen Menschen.

In den Ländern werden Zentren eingerichtet, die Impfungen in einer Region für die ersten Monate bündeln sollen. Es werden jeweils eigene Konzepte, die von der An- und Abfahrt bis zur Gestaltung der Räume reichen, eingesetzt. Um Warteschlangen und Gedrängel zu vermeiden, sollen Termine generell vorab online oder per Telefon gebucht werden können.

Die Impfung samt Beratung soll für alle Bürger kostenlos sein. In der ersten Phase mit noch relativ wenig verfügbaren Dosen muss man aber - nach dann geltender Impf-Reihenfolge - seine „Anspruchsberechtigung“ nachweisen. Beim Alter soll das einfach mit Personalausweis oder Pass gehen, wie ein Verordnungsentwurf des Bundes vorsieht. Bei Personal im Gesundheitswesen, in der Pflege und der „kritischen Infrastruktur“ wie der Polizei sollen es Arbeitgeber-Bescheinigungen tun. Wenn Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen an die Reihe kommen, sollen sie ein ärztliches Attest vorlegen müssen.

Übersicht: Impfzentren in der Region

Bund und Länder peilen derzeit an, mit wichtigen Vorbereitungen bis Mitte Dezember startklar zu sein. Das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim ist zum Beispiel laut der Stadt Rosenheim, wie von der Bayerischen Staatregierung gewünscht, ab Dienstag, 15. Dezember, einsatzbereit.

„Für die Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim ist das Impfzentrum in der Inntalhalle ein Symbol der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie und die Rückkehr in einen möglichst normalen Alltag“, erklärten Landrat Otto Lederer und Oberbürgermeister Andreas März.

Ebenfalls im Kreis Altötting steht der Ort für ein Impfzentrum fest. Das Kreishallenbad in Neuötting ist bereits Corona-Teststation und wird aktuell um das Impfzentrum erweitert und soll zum 15. Dezember startklar sein. „Das Zentrum wird im Schwimmbereich des Hallenbads untergebracht, räumlich getrennt von der Teststation“, erklärte Markus Huber vom Landratsamt Altötting.

Der Landkreis Mühldorf arbeitet auch auf Hochtouren am Aufbau eines Impfzentrums in der Kreisstadt. Landrat Max Heimerl äußerte sich zum geplanten Impfzentrum im Landkreis nun via Video-Botschaft auf Facebook: „Unser Ziel ist es, dass das Zentrum zum 15. Dezember in Betrieb gehen kann. Aufgebaut wird es in den leerstehenden Räumen des ehemaligen DM-Markts neben dem Burger King in Mühldorf.“

Das Covid-19-Impfzentrum für den Landkreis Traunstein wird auf dem Gelände der Containeranlage am Aubergtunnel in Altenmarkt errichtet. „Wir haben bereits vor drei Wochen konkrete Pläne zur Umsetzung und zum Standort gefasst. Jetzt sind wir einsatzbereit für jeden, der sich impfen lassen will. Neben dem Impfzentrum werden wir mobile Teams aufstellen, die beispielsweise Impfungen in Pflegeheimen durchführen können“, erklärte Landrat Siegfried Walch.

Im Berchtesgadener Land soll das Impfzentrum in der Gemeinde Ainring im Ortsteil Mitterfelden entstehen. Die Planungen zur Umsetzung laufen dort im Moment auf Hochtouren. Weitere Informationen zu dem Impfzentrum will das Landratsamt in Kürze bekanntgeben.

mz

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