Landratsamt Rosenheim äußert sich

Trinkwasser im Landkreis häufig verunreinigt - gibt es Grund zur Sorge?

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Landkreis Rosenheim - In der jüngsten Zeit häufen sich Meldungen aus der Region, dass Trinkwasser gechlort wird oder abgekocht werden muss. Warum kommt es derzeit zu diesen gehäuften Vorfällen? Muss man sich Sorgen machen? Wir haben beim Landratsamt nachgefragt.

Aktuell liest man immer wieder von Meldungen, dass das Trinkwasser in verschiedenen Gemeinden im Landkreis Rosenheim gechlort oder abgekocht werden muss. Jüngst war das in Feldkirchen-Westerham der Fall. Dort war die Chlorung des Trinkwassernetzes laut Landratsamt Rosenheim aber eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der Hochbehälter Aschbach weist bauliche Mängel auf, wodurch Oberflächenwasser und damit auch Bakterien von außen in das Trinkwassernetz gelangen können. Aktuell laufen hier Sanierungsmaßnahmen

Warum kommt es zu diesen gehäuften Vorfällen?

Neben Feldkirchen-Westerham gab es aber auch Meldungen aus Bad Aibling vom November 2017, aus Wasserburg, Soyen oder Eiselfing vom September 2017. Doch was sind die Gründe, warum es in der jüngsten Zeit zu gehäuften Vorfällen dieser Art kommt? Wir haben beim Rosenheimer Landratsamt nachgefragt:

"Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten eine erhöhte Zahl an Gemeinden, in denen bei Routinekontrollen coliforme Bakterien im Trinkwassernetz festgestellt wurden. Allerdings ist dies kein Phänomen, welches es nur in der Region Rosenheim gibt. Dies wurde auch in anderen Landkreisen in Bayern festgestellt", teilte uns eine Sprecherin des Landratsamtes mit.

"Untersuchungen an Quellen und Brunnen unauffällig"

Laut Landratsamt gebe es über die Hintergründe keine gesicherten Erkenntnisse. Allerdings seien die coliformen Bakterien bis auf eine Ausnahme nur im Leitungsnetz gefunden worden. "Die Untersuchungen der Brunnen und Quellen waren jeweils unauffällig. Bakterien wachsen bei einer höheren Umgebungstemperatur besser, so dass sich ein vorhandener Biofilm in den Leitungen besser vermehren und zu einem häufigeren Nachweis von coliformen Bakterien im Trinkwasser führen kann. Die klimatischen Verhältnisse in diesem Jahr könnten ein Grund dafür gewesen sein", heißt es von Seiten des Landratsamtes weiter.

Heißer Sommer ein möglicher Grund?

"Durch den heißen und trockenen Sommer kann es zusätzlich im Boden zu Rissbildung gekommen sein. Im Oktober hatten wir im Landkreis Rosenheim einen heftigen Sturm mit Starkregen, bei dem mehrere Bäume umstürzten." Es wäre laut Landratsamt also denkbar, dass durch die Verletzung der oberen Bodenschichten und dem anschließenden Starkregen Bakterien ins Trinkwasser haben gelangen können. "Das sind allerdings nur Vermutungen und keine gesicherten Erkenntnisse. Zweifelsfrei wird sich diese Frage nicht klären lassen."

Kein Grund zur Sorge

Es sei aber keine höhere Vorsicht geboten, denn die Qualität des Trinkwassers werde regelmäßig von den Wasserversorgern vor Ort kontrolliert und vom Gesundheitsamt Rosenheim überwacht.

Das Landratsamt informiert weiter: "Bei coliformen Bakterien handelt es sich um Bakterien, die in der Regel keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit bei gesunden, nicht abwehrgeschwächten Personen bedeuten. Jedoch stellen sie eine unerwünschte Belastung des Trinkwassers dar, die unabhängig von der Herkunft ein Hinweis auf einen nicht bestimmungsgemäßen Zustand sind. Sollte es dennoch Hinweise auf eine fäkale Verunreinigung geben, wird die Anordnung eines Abkochgebots bis zum Erreichen einer ausreichenden Konzentration des Desinfektionsmittels (in der Regel Chlor) erforderlich. In allen anderen Fällen können Spülen oder eine alleinige Desinfektion des Netzes meist mittels Chlor ausreichend sein."

Keine Krankheitsfälle bekannt

Auf die Frage, ob es bereits Krankheitsfälle auf Grund der Verunreinigungen gegeben habe, teilt das Landratsamt mit: "Da wie beschrieben coliforme Bakterien in der Regel bei gesunden Personen keine Krankheiten verursachen und auch keine Meldepflicht besteht, sind uns hierzu keine Krankheitsfälle bekannt."

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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