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„Der Inn darf nicht unterschätzt werden“

Nachgehakt beim Verbund: Können Kraftwerke helfen, Hochwasser zu entzerren?

Hochwasser Innstauwerk Wasserburg am Inn
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Das Stauwehr in Wasserburg am Inn: Kann der Betrieb von Kraftwerken zur Bewältigung von Hochwasser beitragen? Diese Frage beantwortet der Verbund als zuständiger Betreiber.

Die Region wurde zuletzt immer wieder von Starkregenereignissen mit anschließendem Hochwasser heimgesucht. Besonders kritisch ist die Lage beim Inn, dessen Pegel rapide ansteigen kann, der Fluss tritt an vielen Stellen regelmäßig über die Ufer. rosenheim24.de hat sich beim Verbund erkundigt, wie Schleusenöffnungen funktionieren und ob die Art und Weise eines Kraftwerks-Betriebs möglicherweise Abhilfe bei steigenden Pegeln schaffen könnte.

Landkreise - „Der Verbund als Betreiber der Kraftwerke hält sich beim Kraftwerksbetrieb an die zwingenden Vorgaben und behördlichen Bescheide“, erklärt Sprecher Wolfgang Syrowatka und vergleicht die Situation mit mit der in einem Flugzeugcockpit, in dem Checklisten und vorgesehene Prozeduren abgearbeitet werden.

Bei Hochwasser: Großteil der Wassermengen wird über Wehranlage abgeführt

Darin sei auch geregelt, wann und in welchem Umfang Wasserstände oberhalb eines Kraftwerkes abzusenken und welche Pegelstände zu halten seien. „In der Regel ist dazu eine teilweise oder vollständige Abfuhr von Wasser über die Wehre erforderlich. Darauf sind die Wehranlagen ausgelegt. Zyklen für Wehröffnungen sind darin nicht vorgesehen oder betrieblich umsetzbar. Rein aus Kontinuitätsgründen muss das Wasser, das im Oberwasser einer Stauanlage ankommt, auch direkt weitergeleitet werden“, schildert Syrowatka.

Bis zum Ausbaudurchfluss des Kraftwerkes erfolge das normalerweise über die Turbinen zur Stromerzeugung. „Überschüssiges Wasser, das nicht in den Turbinen abgearbeitet werden kann, fließt über die Wehre. Im Hochwasserfall wird dann ein Großteil der Wassermengen über die angeschlossene Wehranlage abgeführt.

Kein zusätzlicher Strom durch Hochwasser

Syrowatka räumt in diesem Zusammenhang mit einem häufig in öffentlichen Diskussionen dargestellten Missverständnis auf: „Ein Hochwasser bringt keine zusätzliche Stromerzeugung.“

Durch das Ansteigen des Wasserstandes unterhalb des Kraftwerks gehe sogar Fallhöhe verloren, die Erzeugung bis zum vollständigen Erliegen der Stromerzeugung könne abnehmen. Die Physik sei dahingehend „gnadenlos“ und eröffne auch dem Verbund keine Möglichkeit, hier zugunsten der Stromerzeugung zu optimieren.

Wie funktioniert der Arbeitsablauf beim Verbund?

Da es grenzüberschreitend in jedem Land für jedes Kraftwerk Vorgaben gebe, sei auch die Abstimmung des Kraftwerksbetriebs sichergestellt, fährt Syrowatka fort: „Innerhalb des Unternehmens erfolgt selbstverständlich eine Abstimmung auf kurzen Wegen. Auch der Austausch mit anderen Kraftwerksbetreibern steht auf der Tagesordnung. Die Stauanlagen, sprich Kraftwerk und Wehr selbst, werden über zentrale Leitwarten unterstützt und von Betriebspersonal vor Ort gesteuert.“

Inwieweit fällt der Flussverlauf des Inns überhaupt in den Zuständigkeitsbereich des Verbunds?

Der Inn entspringt im Schweizer Engadin, durchfließt Teile Österreichs und führt über Bayern im Inntal über die Kreise Rosenheim und Mühldorf am Inn bis hinauf nach Passau, wo er in die Donau mündet. Der Flussverlauf als solcher generell gehört zum öffentlichen Wassergut und wird von den Wasserwirtschaftsämtern verwaltet. Die Verbund-Kraftwerke, so erklärt es Syrowatka, beginnend mit Oberaudorf-Ebbs bis Passau-Ingling, treffen Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft sowie Unterhaltsverpflichtungen.

„In der Regel bedeutet dies, dass der Kraftwerksbetreiber für die Stauanlagen (Kraftwerke und Wehre) und die damit einhergehenden Rückstaubereiche (Dämme und Deiche) sowie für die durch den Kraftwerksbetrieb beeinflussten Abschnitte der Haupt- und Seitengewässer verantwortlich ist. Unbeeinflusste nicht rückgestaute Fließstrecken wie die freie Fließstrecke des natürlichen Inns im Bereich des Innkanals zwischen Jettenbach und Töging verbleiben im Unterhalts- und Aufgabenbereich der Wasserwirtschaftsverwaltung“, so die Erläuterung.

„Der Inn darf nicht unterschätzt werden“

„Ausweichflächen“, also mögliche Überflutungsflächen fallen indes nicht in die Zuständigkeit und den Handlungsspielraum des Verbunds. Sie stellen vielmehr eine „hoheitliche Aufgabe“ dar - wie beispielsweise Flutpolderdiskussionen. Der Inn erzähle eine rund 200-jährige Geschichte der Veränderung durch den Menschen: „Landgewinnung, der Wunsch nach definierten Grenzen, Schiffbarkeit, Hochwasserschutz - all dies waren Anlässe für menschliche Eingriffe, Verbauung und Begradigung. In dieser veränderten Flusslandschaft wurden Stauanlagen mit Kraftwerken errichtet - mitunter auch, um negativen Folgen der Verbauung entgegenzuwirken.“

„Der Inn“, und mit diesen Worten schließt der Verbund-Sprecher seine Erläuterungen, „ist unabhängig von den Kraftwerken ein Fluss alpinen Ursprungs mit entsprechender Abflusscharakteristik. Der Inn darf nicht unterschätzt werden. Die Betriebsweise der Kraftwerke kann - wenn überhaupt - nur in sehr, sehr engem Rahmen zur Bewältigung von Hochwasser beitragen.“

mb

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