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Nachgefragt bei Behörden und Forschern

Phänomen Bauernhof-Verkaufsautomat: So vielfältig ist das Angebot inzwischen

Spargel aus dem Automat oder gleich ein „Regiomat“. Inzwischen gibt es viele Varianten von Automaten zur Direktvermarktung auf Bauernhöfen. (Archivbilder)
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Spargel aus dem Automat oder gleich ein „Regiomat“. Inzwischen gibt es viele Varianten von Automaten zur Direktvermarktung auf Bauernhöfen. (Archivbilder)

Vielen von euch mögen schon die immer mehr werdenden Angebote an Verkaufsautomaten auf Bauernhöfen in unserer Region aufgefallen sein. Wir haben uns nun erkundigt, was dort inzwischen alles geboten ist, welche Herausforderungen solche Angebote für die Landwirte mit sich bringen und wie viele es eigentlich gibt.

Landkreise Alttöting/BGL/Mühldorf/Rosenheim/Traunstein – „Tatsache ist, dass die Verkaufsautomaten immer mehr werden. Wie viele Automaten es gibt, wissen wir nicht. Viele, die in dieser Form ihre Produkte direkt vermarkten, übersehen, dass sie die Verkaufsautomaten im Landratsamt anmelden müssen. Das steht im Artikel 6 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene“, berichtet Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim, „Wenn die Lebensmittelüberwacher des Landratsamtes im Rahmen ihrer Touren Verkaufsautomaten feststellen, machen sie die Betreiber auf diese Verpflichtung aufmerksam. Wichtig ist zudem, dass die Verkaufsautomaten Bedingungen erfüllen müssen. Der interessierte Verbraucher muss in der Lage sein, Pflichtangaben wie Mindesthaltbarkeitsdatum oder die Zutatenliste lesen zu können, ohne den Automaten öffnen zu müssen. Der Betreiber muss beachten, ob die verkaufte Ware gekühlt werden muss, oder ob ein Automat ohne Kühlung reicht. Fleisch und Eier beispielsweise müssen im Automaten gekühlt werden.“

„Zwar gelten Warenautomaten als ‚bauliche Anlagen‘ und unterliegen daher grundsätzlich den baurechtlichen Bestimmungen. Allerdings lässt die Bayerische Bauordnung eine verfahrensfreie Errichtung solcher Warenautomaten als selbständige Bauvorhaben zu. Damit können sie ohne ein Baugenehmigungsverfahren aufgestellt werden, sofern sie nicht Bestandteil eines größeren, insgesamt genehmigungspflichtigen Vorhabens sind (Art. 57 Abs. 1 Nr. 12 Buchst. b BayBO). Jedoch gilt die Verfahrensfreiheit nur für baurechtliche Vorschriften. Im Einzelfall können weitere öffentlich-rechtliche Vorschriften, wie beispielsweise das Straßenverkehrsrecht bei Aufstellung in Straßennähe, zu beachten sein“, so wiederum Heidi Manger vom Landratsamt Berchtesgadener Land.

Verkaufsautomaten auf Bauernhöfen der Region: Was steckt dahinter? - Behörden wissen nur teilweise über Ausmaß bescheid

„Nach § 14 Abs. 3 GewO ist grundsätzlich jene Person dazu verpflichtet, eine Gewerbeanzeige zu erstatten, welche die Aufstellung von Automaten jeder Art als selbstständiges Gewerbe betreibt. Voraussetzung dafür ist, dass überhaupt ein Gewerbe im Sinne der GewO betrieben wird. § 6 GewO bestimmt dabei, welche Wirtschaftszweige nicht den gewerberechtlichen Regelungen unterliegen. Dabei ist zu beachten, dass § 6 GewO keine abschließende Aufzählung enthält. Unter anderem findet die GewO auch auf die sogenannte ‚Urproduktion‘, die sich mit der Gewinnung roher Naturerzeugnisse befasst, keine Anwendung. Neben der reinen Produktgewinnung ist aber auch die verkehrsübliche Verarbeitung zum Zwecke des Verkaufs unter dem Begriff ‚Urproduktion‘ einzuordnen. Darunter fällt zum Beispiel die Verarbeitung von Obst und Gemüse zu Saft“, fährt Manger fort.

„Es ist daher davon auszugehen, dass die Direktvermarktung von Produkten via Warenautomaten durch die landwirtschaftlichen Betriebe selbst unter den Begriff der ‚Urproduktion‘ fällt, wodurch die gesetzlichen Regelungen der GewO nicht anzuwenden sind. Eine Gewerbeanmeldung hat in diesen Fällen folglich nicht zu erfolgen“, so Manger weiter, „Gesetzt den Fall, es handele sich nicht um eine ‚Urproduktion‘ und die gewerberechtlichen Regelungen wären anwendbar, wäre der Betrieb eines Warenautomaten vorliegend aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls nicht anzeigepflichtig nach § 14 GewO. Von der Regelung des § 14 Abs. 3 GewO sind nämlich Gewerbebetriebe ausgenommen, die den Verkaufsautomaten in räumlichen und sachlichen Zusammenhang mit ihrem Gewerbebetrieb aufstellen. Diese Ausnahmeregelung würde in der Regel auch für landwirtschaftliche Betriebe gelten, die ihre Produkte direkt über einen Verkaufsautomaten vermarkten.“

Boom seit etwa 2017/2018

Alle Landratsämter stimmen darin überein, dass ab etwa 2017/2018 herum die Aufstellung solcher Automaten in der Region allmählich Fahrt aufnahm. Doch wie viele genau es gibt, das können die Behörden nur grob schätzen. An dieser Stelle kommt ein Forschungsprojekt des Instituts für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ins Spiel. Dieses will verschiedene Aspekte der Direktvermarktung über Verkaufsautomaten untersuchen. Im Rahmen dessen sollen, unter anderem, qualitative Befragungen von landwirtschaftlichen Betrieben mit und ohne aktive Automatenvermarktung Einblicke in die Chancen und Risiken der smarten, flexiblen und kontaktlosen Direktvermarktung geben. Im Rahmen des Projektes sollen außerdem anhand einer Internetrecherche aktuelle Zahlen zum Umfang des landwirtschaftlichen Vendings in Bayern erhoben werden.

Wir sind gerade dabei, die Zahlen zusammenzutragen und dabei bei weitem noch nicht fertig. Wir hoffen, dass bis Ende des Jahres Zahlen auf dem Tisch liegen“, berichtet Projektsprecherin Anna Wimmer. Sie bestätigt, dass der Ursprung offenbar vor allem Milchautomaten waren. „Soweit wir das bisher sagen können, habe da schlicht Höfe, die eh schon Milch beziehungsweise Rohmilch verkauft hatten, auf Automaten umgestellt beziehungsweise diese als Ergänzung des Angebots genutzt. Teilweise lag es dann nahe, das Angebot gleich noch auf verwandte Produkte, wie Joghurt, Quark, Käse und so weiter auszuweiten.“ Neben den Automaten gäbe es noch viele andere, teils schon vorher bestehende Spielarten, wie Dorfladen-Boxen oder Container zur Selbstbedienung.

Forscher: Chancen und Herausforderungen für Landwirte

„Inzwischen werden alle möglichen Dinge verkauft“, fährt Wimmer fort und zitiert eine Liste, der bisher erfassten Produktarten: „Saisonale Produkte wie Erd- oder Heidelbeeren und Spargel. Honig und daraus hergestellte Kosmetikartikel vom Imker. Essige und Öle. Getränke, wie vor allem Fruchtsäfte. Aber auch Fleisch- und Getreideprodukte. Und das sind nur die häufigsten Dinge! Daneben haben wir auch schon von Eisautomaten oder dem Verkauf selbstgemachter Schokolade gehört. Oder auch selbst hergestellten Konserven wie etwa Chilis und Eintöpfe. Die Leute sind da teils enorm kreativ!“

Bei der Annahme dieser Angebote zeige sich ein zweiteiliges Bild. „Nach allem, was wir bisher gehört haben, wird das beispielsweise von Pendlern und Schichtarbeitern begeistert angenommen und viel nachts genutzt. Auch Sonn- und Feiertagen beziehungsweise dem Wochenende berichten einige der Befragten eine erhöhte Nachfrage. So beispielsweise für Fleisch und Grillgut jetzt im Sommer und Herbst“, fährt Wimmer fort. „Aber es gibt auch Herausforderungen. Zum einen natürlich die Einhaltung der Vorschriften und ordentliche Wartung, Buchhaltung und so weiter. Vor allem aber haben wir von Bioanbietern gehört, dass sich die aktuelle Kaufunlust beziehungsweise finanzielle Vorsicht der Menschen auch hier auswirkt.“

hs

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