Die Erfahrungen unserer Leser

Medizinstudent aus Rosenheim hatte Corona: „Es ist nicht wie eine ‚normale‘ Grippe“

Wie ist es eigentlich, wenn man an Corona erkrankt ist? Unser Leser Nico Hanny teilt seine persönlichen Erfahrungen.
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Wie ist es eigentlich, wenn man an Corona erkrankt ist? Unser Leser Nico Hanny teilt seine persönlichen Erfahrungen.

Landkreis - Täglich liest man von steigenden Corona-Zahlen und neuen Fällen in unserer Region. Dennoch kennen viele Menschen niemanden, der direkt betroffen war oder ist. Wir möchten die Geschichten derer aufgreifen, die Corona hatten oder noch erkrankt sind. Ihr habt uns Eure Erfahrungen geschickt.

Seit Anfang des Jahres gibt es kaum ein anderes Thema also Corona. 705.687 Deutsche sind bislang an Covid-19 erkrankt, 11.767 starben leider (Stand: 11. November, 0 Uhr, Quelle: RKI). Seit Montag, 2. November, befindet sich Deutschland wieder im Lockdown. Auch hier in der Region steigen die Zahlen seit Monaten wieder, das Berchtesgadener Land ging am 20. Oktober als erster Landkreis Deutschlands wieder in den Lockdown Light. Und trotzdem kennen viele Leute niemanden, der Corona hatte oder hat.

Berichten nach kann die Erkrankung sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen bemerken von der Infektion gar nichts, obwohl sie bereits im gehobenen Alter sind. Andere landen im Koma, obwohl sie keine Vorerkrankungen haben. Eine einzige Erfahrung der Krankheit gibt es nicht.

Wir wollen Eure Geschichten erzählen und haben Euch nach Euren Erfahrungen mit dem Virus gefragt.

Das sind die Erfahrungen unserer Leser mit dem Corona-Virus:

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Anonym

Ich bin nun die vierte Woche zu Hause, weil ich einfach nicht auf die Beine komme. Angefangen hat es mit solchen Kopfschmerzen, so was hatte ich noch nie. Zudem hatte ich Gliederschmerzen, ich konnte mich kaum bewegen. Der Hals fühlte sich an, als wäre die Haut weg oder der Rachen offen. Schlapp, Schüttelfrost, kein Fieber bzw. hab’s nicht gemessen - war eh schon egal. Ob ich was geschmeckt habe? Keine Ahnung, ich konnte eh nichts essen.

Ich hatte auch drei Tage Durchfall. Meine Stimme ist bis jetzt nicht in Ordnung. Ich muss meiner Ärztin ein großes Lob aussprechen, denn ich wurde von ihr gut überwacht, sie kam zu mir nach Hause. Ich bekam ein Pulsoximeter und musste drei Mal am Tag die Sauerstoffsättigung, Fieber und den Puls messen, in eine App eintragen und sie hat es abgerufen. Sie sagte, ab 90 Sauerstoffsättigung geht es ins Krankenhaus, ich war bei 92. Jetzt fällt mir noch jede Anstrengung schwer, der Husten ist geblieben und ich hoffe, es wird bald besser. War am Freitag erneut beim Testen und ich bin noch positiv. Diese Krankheit braucht sich keiner wünschen und als „Grippe“ geht sie nicht durch.

Nico Hanny aus Rosenheim

Unser Leser Nico Hanny teilt seine persönlichen Erfahrungen mit dem Corona-Virus.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Leserbrief schreiben bzw. meine Corona-Infektion öffentlich machen soll. Zuerst kam ich mir dumm vor, mich als Medizinstudent mit Corona angesteckt zu haben. Aber ich habe nichts falsch gemacht, mich an die Regeln gehalten und auf einer kleinen Hochzeit außerhalb Rosenheims ist es dann passiert. Niemand hatte Symptome und ein Gast musste drei Tage später aufgrund seines Arbeitgebers einen Test machen, welcher überraschend positiv ausfiel. Daraufhin habe ich mich testen lassen und auch ein positives Ergebnis erhalten.

Zuerst hatte ich nur leichte Halsschmerzen und Husten, aber dann kam vollständiger Geschmacks- und Geruchsverlust hinzu. Fieber hatte ich nicht, aber eine Art leichte Atemnot, vor allem am Abend. Ich denke, hier spielt die Psychosomatik auch mit hinein, wenn man weiß, dass es Atemnot verursachen kann, wird man darauf sensibilisiert und die Schwelle, es wahrzunehmen, sinkt. Aber sie war da und es war unangenehm!

Ich bin 29 Jahre alt und mache viel Sport und nach etwa 1,5 Wochen war ich wieder symptomfrei. Manchmal bekomme ich noch das Gefühl der leichten Atemnot, aber ansonsten geht es mir sehr gut. Die Infektion war in der vorlesungsfreien Zeit und ich konnte auch von zu Hause arbeiten, daher hatte sie keine großen Auswirkungen. Geholfen hat mir, dass ich in meiner Quarantänezeit nicht alleine war und mein Umfeld sich oft nach meinem Gesundheitszustand erkundigt hat.

Schockierend fand ich, dass ich auf Instagram auch eine Nachricht bekommen habe, dass ich sicher eine Grippe und nicht Corona habe, weil die Tests es nicht messen könnten, was natürlich nicht stimmt. Diese Art ‚Nachrichten‘ kommen leider von Menschen, welche immer noch dafür sorgen, dass Corona verharmlost und nicht ernst genommen wird. Ich kann hiermit aus eigener Erfahrung sagen, es ist nicht wie eine „normale“ Grippe! Man sollte deshalb keine Panik verbreiten, aber die Lage doch ernst nehmen.

Sepp

Meine Erfahrung mit Corona ist, dass ich mich sowie meine zwei Angestellten im Mai habe testen lassen. Soweit so gut, dachte ich, wir sind ja alle nicht krank und dann hat man auch eine Bestätigung, dass man es definitiv nicht hat. Der große Schock kam dann fünf Tage später: Sowohl ich, als auch meine Bedienung wurden positiv auf Corona getestet. Ich musste meinen Betrieb dann erst einmal für insgesamt drei Wochen schließen. In den zwei weiteren Tests wurde dann festgestellt, dass wir doch negativ waren.

Diese ganze Gaudi hat mich etwa 5.500 Euro Umsatz gekostet und auch danach sanken die Gästezahlen, da wir ja Corona hatten. Wenn man sich jetzt dann noch die ganzen Nachrichten von den falsch-positiven Fußballern ansieht und von Laboren, bei denen von 60 positiven Ergebnissen nur zwei richtig waren, fühle ich mich von der Regierung und den ganzen Sachen schon etwas verschaukelt

Die Reichen werden reicher, Arbeitnehmer bekommen wenigstens noch etwas, wenn sie nicht arbeitslos wurden, aber wir Selbständigen bleiben komplett auf der Strecke und können schauen, wo wir bleiben. Ich sehe auch keinen Grund für den erneuten Lockdown, es wird Winter und es ganz normal, dass die Grippe wieder anfängt. Aber die Tausenden Existenzen, die zerstört werden, werden sehenden Auges hingenommen.

Vanessa Soares

Ich hab mir nie wirklich viele Gedanken bezüglich Corona gemacht und ehrlich gesagt auch immer gesagt, dass ich davor keine Angst habe. Vor zwei Wochen bekam ich dann heftig Fieber. Ein paar Tage später kam die schlechte Nachricht, dass ich mich wohl bei einer Kundin angesteckt haben muss. Ich hatte zehn Tage hohes Fieber, der Krankenwagen hat mich abholen müssen und ich war drei Tage lang im Krankenhaus! Ich bin 32 Jahre alt und bekomme eigentlich nicht mal eine Erkältung.

Von hohem Fieber über unerträgliche Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Husten, Ohrenschmerzen, extreme Übelkeit bis hin zum Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn war alles dabei. Aber als ich kaum noch Luft bekommen habe und die Lunge extrem wehgetan hat, wurde mir ganz anders. Jetzt, nach 14 Tagen, wird es langsam besser, die Kraft fehlt aber natürlich noch. Soll sich jeder selber eine Meinung bilden, aber mir ist es in meinem Leben noch nie so schlecht gegangen. Leider habe ich auch meine ganze Familie angesteckt, deren Verlauf war jedoch nicht ganz so schlimm. Passt auf euch alle auf und bleibt gesund!

Wie ist es eigentlich, wenn man an Corona erkrankt ist? Wir möchten Eure Geschichten lesen!

Erkrankt an Corona - Wie habt Ihr das erlebt?

  • Wie hast Du von deiner Erkrankung erfahren? War das rein zufällig, oder hattest Du deutliche Symptome?
  • Wie hat dein soziales Umfeld auf deine Covid-19-Erkrankung reagiert?
  • Welche Konsequenzen hatte die Erkrankung für die Arbeit?
  • Wie stark bist Du erkrankt? Musstest Du ins Krankenhaus?
  • Welche Herausforderungen musstest Du in deiner Quarantänezeit bewältigen?
  • Was hat dich belastet und was hat Dir geholfen in dieser schweren Zeit?

Wenn Ihr von Euren Erfahrungen berichten möchtet, schickt uns einen Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Meine Erfahrung mit Corona“ im Betreff). Wir sind gespannt auf Eure Geschichten und Erfahrungen. Neben Euren Zeilen könnt Ihr uns auch ein Foto von Euch mitschicken. Wir veröffentlichen eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

jg

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