Leukämie: Typisierungsaktion für junge Mama

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Einen Tag nach der Geburt ihrer Tochter Marie erfuhr Astrid Reinecke, dass sie Leukämie hat. Derzeit ist sie im Krankenhaus, ihr Mann Andreas kümmert sich um die Tochter. Am 6. August wird zu einer Typisierungsaktion aufgerufen.

Bruckmühl - Astrid Reinecke wurde fast zeitgleich die Welt geschenkt und der Boden unter den Füßen weggerissen. Nur einen Tag nach Geburt ihrer Tochter erhielt sie die Diagnose Leukämie.

Seither ist sie in einem Münchner Krankenhaus, ihre Tochter kann sie nur wenige Stunden pro Tag sehen. Freunde rufen nun zu einer Typisierungsaktion für die 31-Jährige am 6. August auf, die von Bundesministerin Ilse Aigner sowie Bruckmühls Bürgermeister Franz Heinritzi unterstützt wird.

Während der Schwangerschaft bereiteten nur niedrige Eisenwerte bei Astrid Reinecke Sorgen. "Das ist aber bei werdenden Müttern nichts Ungewöhnliches", so Ehemann Andreas Reinecke gegenüber unserer Zeitung. Da sich die Werte nicht stabilisierten, empfahl der Frauenarzt, sicherheitshalber im Rosenheimer Krankenhaus zu entbinden. In Rosenheim kam dann - eine Woche früher als geplant - am 19. Mai Tochter Marie auf die Welt.

"Unser Glück schien perfekt", erinnerte sich Reinecke. Doch tags darauf die Hiobsbotschaft: Astrid hat Leukämie. Unverzüglich wurde sie in ein Münchner Krankenhaus gebracht, dort wurde sofort mit der Chemotherapie begonnen.

"Mit einem Schlag hat sich unser ganzes Leben verändert", so Reinecke. Eigentlich sollte seine Frau in Elternzeit gehen. "Jetzt bin ich derjenige, was Gott sei Dank durch meinen Arbeitgeber mit großem Verständnis kurzfristig ermöglicht werden konnte", so Reinecke.

Seither hat Tochter Marie das Heft im heimischen Haushalt in der Hand. "Sie ist sehr rücksichtsvoll, schläft nachts nahezu durch", so der Vater. Marie sei pünktlich wie ein Wecker morgens um 8.15 zum Frühstücken wach. Neben Fläschchen geben und Windeln wechseln geht es zum Laufen mit Kinderwagen an die frische Luft. Dann sind der Haushalt und die Organisation der Typisierungsaktion an der Reihe.

"Nachmittags fahren wir dann nach München zur Mama", schildert der 41-Jährige. Astrid Reinecke verbringt dann einige Stunden mit ihrer Tochter. Die Familie genießt diese gemeinsamen Stunden. Das Abendfläschchen gibt die Mutter der Tocher selbst. "Marie zuliebe stecken wir den Kopf nicht in den Sand und kämpfen", so das Credo der Reineckes.

Sie wollen nicht aufgeben und hoffen, dass eine der weltweiten Typisierungen den richtigen Stammzellenspender für Astrid beschert. Eine Aktion davon ist am 6. August in Bruckmühl.

Unter dem Motto "Helfen Sie Astrid und vielen anderen" rufen Nachbarn und Freunde zum Blutspenden auf. Anhand dieser Proben könne dann festgestellt werden, ob die Stammzellen des jeweiligen kompatibel für die notwendige Transplantation sind. Die Spender werden in einer weltweiten Datenbank aufgelistet.

"Das heißt, dass beispielsweise durch unsere Aktion einem Patienten in den USA geholfen werden kann und uns vielleicht durch einen dortigen Spender, wenn bei der August-Aktion in Bruckmühl keine passenden Stammzellen für meine Frau dabei sind", erläuterte Reinecke das Verfahren.

Mit einer kleinen Tat lässt sich Großes bewirken, so appelliert Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, an die Landkreis-Bürger, sich an der Aktion zu beteiligen. Die Feldkirchen-Westerhamerin unterstützt die Typisierung in der Nachbargemeinde: "Wir schätzen unsere Heimat in Bayern als Ort der verlässlichen Nachbarschaft und gelebten Solidarität. Füllen wir diese Worte aufs Neue mit Leben", so Aigners Aufruf.

Ihren Worten schließt sich Bruckmühls Bürgermeister Franz Heinritzi an: "Wir können jetzt gemeinsam Nächstenliebe an unsere Mitbürger weitergeben, um einer jungen Familie zu helfen." Dies beinhalte sowohl Blutspenden, als auch Geldspenden - die Aktion muss sich selbst tragen. Heinritzi beschloss deshalb, für Rathaus-Mitarbeiter, die sich an der Aktion beteiligen, die Kosten für die Ersttypisierung in Höhe von 40 Euro zu übernehmen.

Durch die Übertragung von Stammzellen eines geeigneten Spenders ist Leukämie bei 50 bis 70 Prozent aller Patienten nach Angaben der Stiftung "Aktion Kochenmarkspende Bayern" heilbar.

Silvia Mischi (Mangfall-Bote)

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