Schulhaus: "Mangelbau" bereitet weitere Sorgen

Stephanskirchen - Nachdem nun der schlechte Zustand der Stahlbetonrippendecken am grünen Schulhaus in Schloßberg aufgefallen ist, sind die Arbeiten hier komplett eingestellt worden.

Kein kraftschlüssiger Verbund zwischen Beton und Baustahl, Bewehrungsstähle, die bereits korrodieren, eine Betonqualität, die selbst in den 50er-Jahren nicht den gesetzlichen Anforderungen Stand gehalten hätte: Diese Kröten musste ein entsetzter Bauausschuss bei einer Besichtigung vor Ort schlucken. Der "äußerst schlechte Ausführungszustand" der Betondecken im Erd- und ersten Obergeschoss erfordert nun eine zusätzliche Sanierung.

Wie umfangreich sie ausfallen wird und wie viel der Mehraufwand zusätzlich kostet, all dies steht noch nicht fest. Denn bisher konnten die Decken nur partiell geöffnet werden, jetzt müssen alle betroffenen Flächen auf ihren Zustand hin erst einmal intensiv untersucht werden. Diese Maßnahme kann jedoch erst in der nächsten Woche beginnen. Denn zuerst müssen die dritten und vierten Klassen aus- und an die Otfried-Preußler-Schule Stephanskirchen umziehen. Die ersten und zweiten Klassen bleiben vor Ort: Sie werden im gelben Schulhaus unterrichtet.

"Hab ichs doch gleich gesagt!" Mit dieser Reaktion habe er bereits gerechnet, gab Bürgermeister Rainer Auer im Bauausschuss zu. "Das müssen wir aushalten", zeigte sich Auer gewillt, die Kritik an der Vorgehensweise rund um die Modernisierung wegzustecken. Zweiter Bürgermeister Jürgen Richter, CSU, gehörte ebenso wie CSU-Fraktionssprecher Dr. Rolf-Jürgen Löffler zu denjenigen Ratsmitgliedern, die stets vor Überraschungen beim Bauwerk aus den 50er-Jahren gewarnt und auch die Frage nach einem Abriss mit Neubau in den Raum gestellt hatten. "Vielleicht sollten wir trotz der bereits investierten Mittel noch einmal einen Schritt zurückgehen", wagte Richter einen Vorstoß Richtung Abriss.

Doch die Mehrheit im Gremium lehnte diesen radikalen Schritt ab. Architekt Wimmer zählte außerdem die Gründe dafür auf, warum eine Sanierung im Bestand - trotz der nun entstehenden Mehrarbeiten und Mehrkosten - immer noch besser sei als ein Abriss mit Neubau. Im grünen Schulhaus befinde sich nach Wimmers Informationen die Heizzentrale für alle öffentlichen Gebäude des Areals.

Würde das Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fallen, müsste die Kommune für viel Geld eine mobile Heizzentrale als Übergangslösung erstellen. Wimmer erinnerte außerdem an den hohen logistischen Aufwand, der auf die Unterrichtsorganisation zukäme, würde das grüne Schulhaus entfernt und neu errichtet. Bei einem Schulhausneubau würden außerdem nur Klassenzimmer gefördert, die heute weitaus kleiner seien als die großzügigen Räume im Bestand.

Die Kosten eines Neubaus würden außerdem, so der Bürgermeister, mit sieben Millionen Euro etwa dem finanziellen Aufwand des Rathausneubaus entsprechen. Derzeit ist die Sanierung - noch - mit 2,13 Millionen Euro angepeilt. Diese Summe wird jedoch nicht ausreichen angesichts der nun notwendigen Mehrarbeiten.

Sorgen bereitet dem Ausschuss auch die Tatsache, dass der geplante Verbindungsgang über der Aula, der den Neubau der Kinderarche barrierefrei mit der Grundschule verbinden soll, in Frage steht. Hier gibt es statische Probleme, bedauerte der Bürgermeister. Karl Mair, CSU, sprach dem Gremium aus dem Herzen, als er auf eine Lösung für den Gang beharrte. Mair forderte außerdem ein transparentes Krisenmanagement rund um die hürdenreiche Grundschulsanierung ein.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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