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Mateusz rollt in ein neues Leben

OVB
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Kann endlich wieder sitzen und schmerzfrei atmen: Mateusz Zatylny in seinem neuen Spezialrollstuhl, der mit Spenden der Leser der OVB-Heimatzeitungen finanziert wurde.

Vogtareuth - Rund 22 000 Euro hat der neue Elektrowagen von Mateusz Zatylny (23) gekostet. Aber dafür braucht er weder ein Kennzeichen noch einen Führerschein.

Bei dem Gefährt handelt es sich um einen ganz speziellen Rollstuhl, ein Unikat - genau auf die Körpermaße und Bedürfnisse des jungen Mannes aus Polen zugeschnitten. Denn Mateusz leidet an einer seltenen Krankheit. Der Rollstuhl, finanziert mit den Spenden der OVB-Leser, markiert für ihn den Start in ein neues, besseres Leben.

Wer Mateusz im Frühjahr gesehen hat, als es mehr als schlecht um ihn stand, der kann es kaum glauben: Der junge Mann, der nun mit seinem Elektro-Rollstuhl auf der Station G der Schön-Kliniken Vogtareuth herumflitzt und selbstbewusst in die Kamera lächelt, scheint mit dem Patienten von damals nichts mehr zu tun zu haben und ein neuer Mensch geworden zu sein.

Auf der Station G befindet sich die Wirbelsäulenchirurgie. Es ist genau der richtige Moment, um einen der außergewöhnlichsten Patienten, den man dort je hatte, zu entlassen. Mateusz kehrt jetzt nach Polen zurück.

Es ist das glückliche Ende eines langen Leidensweges, gleichzeitig der Beginn einer neuen Geschichte. Von dem hochintelligenten Superhirn aus Zabrze, dessen Körper leider nicht so gut funktioniert wie der Kopf, wird man nämlich noch viel lesen und hören - da sind sich in Vogtareuth alle sicher.

Denn für Mateusz geht es jetzt so richtig los, zunächst in Polen mit einem Chemie-Studium, danach rollt er mit seinem Rollstuhl vermutlich durch die Hörsäle von Schweizer Unis. Das Stipendium für den Biotechnologie-Studiengang in Zürich hat er jedenfalls schon in der Tasche.

Daran war Anfang des Jahres, als der 23-Jährige nach Vogtareuth gekommen ist, nicht einmal im Traum zu denken. Damals hing sein Leben am seidenen Faden (wir berichteten). Was Mateusz nun in Oberbayern widerfahren ist, empfindet er als kleines Wunder. Schließlich gibt es weltweit nur wenige Häuser, die Patienten wie ihm helfen können. Zusammen mit Mutter Mariola hatte er es überall in Europa probiert - aber niemand wollte oder konnte den 23-Jährigen operieren.

Deshalb hatte er mehrere Jahre auf den Eingriff warten müssen. So lange, bis er nicht einmal mehr sitzen konnte, nur noch liegen. So lange, bis er kaum noch Luft bekam, jeder Atemzug zur Qual wurde. So lange, bis die Schön-Kliniken in Vogtareuth seinen langen Leidensweg beendeten.

Als Frühchen in der 27. Schwangerschaftswoche geboren, konnte Mateusz als Kind noch mit Krücken laufen. Dann verkrümmten sich Wirbelsäule und Wirbel immer mehr, die Lähmungen und Bewegungsstörungen an Armen und Beinen nahmen ebenfalls zu. Zuletzt war sein Körper derart aus den Fugen geraten, dass die Knochen gegen Bauchdecke, Lunge und andere Organe drückten. Das war nicht nur schmerzhaft, sondern lebensbedrohlich.

Eingriff dauerte Stunden

In Vogtareuth kam Mateusz endlich unters Messer - ein hochkomplizierter Eingriff, der stundenlange Millimeterarbeit erforderte. Das verformte Skelett wurde - je nach "Problemzone" - gelockert, begradigt, verschoben, versteift. Metallstäbe und Schrauben wurden eingesetzt.

Nun ist das Martyrium, ans Bett gefesselt zu sein, vorbei - und mit jedem Tag geht es dem Mathe- und Sprachen-Genie besser. "Danke. Sie haben mein Leben gerettet", ruft er nicht nur den Ärzten, Therapeuten, Betreuern und Pflegern zu - sondern auch den OVB-Lesern. "Ich habe meinen Rollstuhl - tausend Dank an alle, die Geld gespendet haben", jubelt Mateusz.

Genau 22 155 Euro sind zusammengekommen. Dabei muss man wissen, dass nicht ein einziger Cent der stattlichen Summe investiert wurde, um das Sondermodell mit überflüssigem Luxus oder Schnickschnack auszustatten. Maßgebend waren allein Funktionalität und therapeutische Wirkung. Schließlich soll der Spezialrollstuhl dafür sorgen, dass die Vogtareuther OP-Erfolge nachhaltige Wirkung haben und die Anatomie wieder zur Einheit wird.

Dank der vielen Spenden reichte das Geld sogar, um auch noch eine transportable Rampe anzuschaffen, die Mateusz braucht, um Hindernisse wie die Stufen vor seiner Haustür zu überwinden. Die größten Beträge steuerten die OVB-Medienhaus-Stiftung (3000 Euro), der Alfons-Döser-Stiftungsverein (2000 Euro) und die Auerbräu GmbH (800 Euro) bei. Hinzu kam das Engagement vieler weiterer Helfer, um Mateusz mit einem monatelangen Aufenthalt in Vogtareuth die Chance zu eröffnen, die er verdient hat. So übernahmen die Schön-Kliniken die Kosten fürs Essen, Pflegebett, Medikamente und Physiotherapie, der Verein Silberstreifen überließ der Familie bis zur Abreise kostenlos eine Wohnung. Denn die polnische Krankenversicherung übernahm nur die OP-Kosten.

red/Oberbayerisches Volksblatt

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