Nur ein Mausklick bis zum Grauen

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Über die Gefahren für Kinder im Internet klärte Fahnder Rainer Richard interessierte Eltern im Rahmen eines Vortrags auf.

Kolbermoor - "Als der Mensch keine natürlichen Feinde mehr hatte, erfand er den Computer, dann das Internet und dann die sozialen Netzwerke." Diese Redewendung spricht vielen Eltern aus der Seele.

Um ihnen Tipps im Umgang ihrer Kinder mit dem Internet zu geben, organisierte der Elternbeirat der Pauline-Thoma-Mittelschule zusammen mit der Hanns-Seidel-Stiftung einen Vortrag zum Thema "Multimedia ohne Grenzen? - Oder nur ein Mausklick bis zum Grauen?". Der Referent ist ein Experte: Rainer Richard, Internetfahnder des Polizeipräsidiums München.

Egal ob Alkoholkonsum, Filme, Computerspiele oder Internet, laut Rainer Richard hat Deutschland das beste Jugendschutzgesetz weltweit. Trotz all der gesetzlichen Regelungen komme es aber häufig vor, dass Kinder unfreiwillig Opfer des Internets würden. "Einige suchen gezielt nach verbotenen Inhalten, andere stolpern einfach über sie."

"Dass auch in Deutschland Themen wie Pornografie und Gewalt für Kinder zugänglich sind, liegt daran, dass das Internet keine nationalen Grenzen hat", erklärte Richard. Er meint damit, dass der Jugendschutz in anderen Ländern wie den USA, den Niederlanden oder Spanien nicht so ausgeprägt sei wie in Deutschland und sich die Kinder auf diesen Seiten die verbotenen Inhalte ohne großen Aufwand ansehen könnten. "Die EU macht sich Gedanken, wie viel eine Gurke gekrümmt sein darf, aber nicht darum, wie der Jugendschutz im Internet verbessert werden kann", kritisiert er. Dadurch seien viele Schüler in der Lage, illegale Videos herunterzuladen und in der Schule zu verbreiten.

Besonders das Zusammenspiel von Internet und Handy sei ein Grund für die große Beliebtheit und rasche Verbreitung solcher Videos. Richard: "Viele Kinder speichern pornografische oder gewaltverherrlichende Videos auf ihren Handys. Sie können die Filme dann schon frühmorgens ihren Mitschülern zeigen und haben dadurch den ersten Kracher am Morgen. Mit Bluetooth sind diese dann schnell im Freundeskreis verbreitet."

Der Internetfahnder berichtete von einem Fall, bei dem Schüler sich solche Videos auf dem Handy angesehen hatten und dabei ertappt wurden. Auf die Frage, warum sie so etwas täten, antwortete einer von ihnen: "Weigern Sie sich mal, solche Videos anzusehen. Dann ist man sofort bei den anderen unten durch."

Eine weitere Gefahr: Dass Kinder unbeabsichtigt Videos downloaden, die nicht für Kinder und Jugendliche freigegeben sind. So passiere es oft, dass sie sich Lieder ihrer Lieblingskünstler herunterladen wollen, aber plötzlich ein Video mit pornografischem Inhalt auf dem Rechner hätten. Hier gab Internetfahnder Richard den Eltern Tipps zur Vermeidung: "Die Kinder sollen bei LiveStreams von Radiosendern ihre Lieder mitschneiden. Das hat den Vorteil, dass es im Gegensatz zum kostenlosen Herunterladen nicht illegal ist und sie an keine verbotenen Inhalte herankommen." Er riet den Eltern, auch bei sozialen Netzwerken wie Lokalisten oder Facebook, ihren Schützlingen keine freie Hand zu lassen. Oftmals komme es in solchen Netzwerken zu sexuellen Belästigungen von Minderjährigen. Deshalb riet er: "Es dürfen nicht zu viele persönliche Informationen angegeben werden. Außerdem sollen keine freizügigen Fotos hochgeladen werden." Denn, so Richard, niemand wisse genau, was Dritte mit solchen Bildern vorhätten. Und weiter: "Klären Sie ihre Kinder auf, dass es solche Täter im Internet gibt und machen Sie ihnen klar, dass die Chatpartner immer Fremde sind. Falls es trotzdem einmal zur sexuellen Belästigung kommen sollte, sagen Sie ihren Kindern, dass es trotz allem keine Konsequenzen für sie hat. Informieren Sie sofort die Polizei. Viele Kinder schämen sich nämlich zuzugeben, dass sie belästigt worden sind und haben Angst, nicht mehr im Internet surfen zu dürfen. Es trifft die Mädchen und Jungen aber keine Schuld."

Eine weitere Gefahr, die das Massenmedium Internet mit sich bringe, sei das sogenannte Cybermobbing. Es handele sich hier um eine ausgeweitete Form des Mobbings. "Das Problem hierbei ist, dass Kinder nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause per Chat und Internet von Fremden oder Mitschülern gemobbt werden können.", klärte Richard die Eltern auf. Bis zu 30 Prozent der 14- bis 15-Jährigen seien schon einmal Opfer davon geworden. Hier sei es sehr wichtig, den Opfern zu glauben, sie zu ermutigen und durchaus professionelle Hilfe anzunehmen. Zudem sollte man die Kinder von Vergeltung abhalten, denn dies verschlimmere die Situation nur.

Generell riet Rainer Richard den Eltern zu einer verantwortungsvollen Medienerziehung der Kinder. Sie sollten sich zusammen mit ihren Kindern zum gemeinsamen Internetsurfen setzen und mit ihnen offen über die Gefahren des Internets sprechen. Vor allem sogenannte Filtersoftware sei sehr ratsam. Dadurch wären die Erziehungsberechtigten in der Lage, genau zu kontrollieren, wann und wo sich ihre Schützlinge im Internet aufhalten. Dennoch gäbe es durchaus sehr gute Internetadressen für Kinder, wie zum Beispiel "blindekuh.de". Auf der Seite "www.schau-hin.info" sind Richard zufolge zudem die 100 besten Internetadressen für Kinder aufgeführt.

bok/Mangfall-Bote

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