Bussi Schorschi: Pferdehalter als Leidtragende?

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Sie zeigen sich kämpferisch: Gerhard und Patricia Stadler sowie Daniela Ittlinger (von links) wehren sich gegen die von der Gemeinde gewünschte Aufgabe des Dressurplatzes und den Abriss des kleinen Hühnerstalles.

Schechen - Seit 30 Jahren werden am Steinbrückweg in Pfaffenhofen Pferde gehalten. Dafür fehlt aber ein nötiger Bauantrag. Die Mieter fühlen sich als "Watschnbaum".

Seit 30 Jahren werden auf einem Grundstück am Steinbrückweg in Pfaffenhofen Pferde gehalten, jetzt sollen ein kleiner Reitplatz und ein ehemaliger Hühnerstall wieder entfernt werden, da ein Bauantrag hierfür fehlt. Während die Mieter - Eigentümer des Grundstücks ist Georg Weiß junior alias "Bussi-Schorschi" - auf die Barrikaden gehen, weisen Gemeinde und Landratsamt die Zuständigkeit von sich.


 "Wir fühlen uns wegen des Streits zwischen unserem Vermieter und dem Bürgermeister vor den Karren gespannt", sagen die Familien Stadler und Ittlinger aus Pfaffenhofen. Sie haben von Weiß ein Wohnhaus mit Wiese, Stall und Weide angemietet. Die private Zweckgemeinschaft nutzen inzwischen auch umliegende Familien mit insgesamt 15 Kindern, um ihren Nachwuchs ohne teure Reitstunden sattelfest zu machen. "Es gab noch nie eine einzige Beschwerde von Anwohnern. Im Gegenteil. Jeder schaut gerne bei uns vorbei, denn wir haben Pferden, die teilweise ein schweres Schicksal hinter sich haben, wieder eine neue Heimat gegeben", erzählt Patricia Stadler.

Die liebevolle Pflege spiegelt sich auch im Charakter der Pferde wider. So unterstützen die Stadlers beispielsweise als Reiter bereits seit Jahren das historische Stadtspiel in Rosenheim und stehen auch bei Festzügen zur Verfügung. Seit drei Jahren ist ein hier beheimatetes Pferd beim traditionellen Martinszug des Kindergartens Pfaffenhofen zur Freude der Kinder dabei. Auch bei umliegenden Leonhardiritten reiten die Pfaffenhofener gerne mit.


"Es war sogar ein Gewerbe angemeldet"

Dass im Steinbrückweg in Pfaffenhofen Pferde gehalten werden, ist für Anlieger sowie die Gemeinde nichts Neues. "Als wir hergezogen sind, haben wir bei der Gemeinde sogar ein Gewerbe angemeldet und dieses auch genehmigt bekommen, weil wir einen kommerziellen Reitstall aufziehen wollten. Doch das hat sich nicht rentiert", erzählt Gerhard Stadler. Umso unverständlicher sei jetzt die Tatsache, dass sich der Gemeinderat vor Kurzem gegen die Pferdehaltung und die "Errichtung eines Dressurplatzes mit Anbau" ausgesprochen habe (wir berichteten). Der Grund für die Ablehnung: Weiß habe ursprünglich für beide Änderungen keinen Bauantrag eingereicht, und das durchgeführte Vorhaben widerspreche dem gültigen Bebauungsplan.

Nachträglicher Bauantrag abgelehnt

Der nachträglich eingereichte Bauantrag wurde vom Gemeinderat abgelehnt, und gegen den Bebauungsplan hat Weiß eine Normenkontrollklage beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München erhoben. "Wir sind doch der Watschnbaum für die Streitigkeiten von Weiß und Holzmeier. Vor dem Bau des Event-Stadls in Wurzach hat sich die Gemeinde auch nicht für uns interessiert", beklagen die Stadlers. Wie berichtet, gibt es wegen der Nutzung des Stadls heftigen Streit zwischen dem "BussiSchorschi" und der Gemeinde, der jüngst auch das Verwaltungsgericht beschäftigte.

Die von der Gemeinde als Dressurplatz bezeichnete Fläche sei auch nicht komplett neu angelegt, sondern nur mit Sand aufgeschüttet worden. "Früher hatte der Platz einen Kiesboden und war voller Matsch und Dreck. Jetzt ist das eine saubere Geschichte", meinen Daniela und Rainer Ittlinger.

Die Zweckgemeinschaft habe an Weiß 2000 Euro für den Platz gezahlt. Die Familien waren der Meinung, Weiß habe hierfür einen genehmigten Bauantrag. Bei dem Anbau handle es sich um einen ehemaligen Hühnerstall, wie die Betroffenen betonen: "Den haben wir geschenkt bekommen und mit viel Eigeninitiative hier aufgebaut."

Inzwischen hat der Vermieter seinen Bauantrag ohne Angaben von Gründen wieder zurückgezogen, wie Bürgermeister Holzmeier gegenüber dem OVB berichtete. Laut dem Gemeindeoberhaupt sei das Thema jetzt Sache des Landratsamtes als Bauaufsichtsbehörde. Mehr wollte Holzmeier dazu nicht sagen.

Warum er den Bauantrag zurückgezogen hat, dafür nennt Weiß einen einfachen Grund: "Das war eine reine Kostenfrage. Wenn ich vom Landratsamt einen Ablehnungsbescheid bekomme, wird es teuer." Der Juniorchef appelliert an Holzmeier, "fair zu bleiben und die armen Mieter nicht für eigene Zwecke zu missbrauchen". In Schechen gäbe es viele Hobbyzüchter und viele nicht genehmigte Ställe.

"Wir müssen unter dem Streit leiden"

Ein klärendes Gespräch zwischen Bürgermeister und den Mietern sei ergebnislos verlaufen, wie die beiden Ehepaare anführen: "Wir müssen unter dem Streit zwischen Holzmeier und Weiß leiden. Nur weil wir dessen Mieter sind, gibt es keinen Schritt des Entgegenkommens", beklagte sich Gerhard Stadler über das Verhalten des Bürgermeisters.

Der 50-Jährige und alle anderen Pferdeliebhaber werden für ihre Tiere und deren artgerechte Haltung weiter kämpfen: "Wir werden auf keinen Fall alles wieder abreißen." Wie es mit der Angelegenheit im Steinbrückweg dann weitergeht, vermag auch das Landratsamt nicht klar zu sagen: "Ohne die Zustimmung der Gemeinde geht gar nichts", so Pressesprecher Michael Fischer auf Anfrage. "Und das Landratsamt sieht keine Notwendigkeit, sich über die Entscheidung der Gemeinde hinwegzusetzen."

Daniela Lindl/Oberbayerisches Volksblatt

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