Mobile Orthopädie... was ist denn das?

Rosenheim - Viele Patienten mussten füher zum Orthopädie-Techniker gefahren werden, weil beispielsweise das Kunstbein nicht richtig saß. Diese Menschen sind selten alleine in der Lage, zum Orthopädie-Mechaniker zu kommen.

Josef Dobler, geboren am 05.11.1967 in Rosenheim, Sohn einer ganz normalen Familie, mit zwei Schwestern aufgewachsen hat 1984 seine Mittlere Reife auf der Knabenrealschule in Rosenheim gemacht. Aus finanziellen Gründen hat er auf das Abitur verzichtet und sich 1984 für eine Handwerkerlehre entschieden. Da er mit seiner sozial eingestellten Art immer schon anderen Menschen helfen wollte, aber auch handwerklich begabt ist, hat er in München an einem Praktikumstag in einem orthopädietechnischen Betrieb in den Beruf reinschnuppern können.

Mobile Orthopädie... was ist denn das?

Es hat ihm so gut gefallen und er war so begeistert von den Möglichkeiten, anderen Menschen helfen zu können, dass er in Rosenheim in einem Betrieb, an dem er in seiner Schulzeit immer vorbei gegangen ist, nach gefragt und für 1984 auch sofort einen Ausbildungsplatz zum Orthopädie- Mechaniker erhalten hat. Er war mit soviel Ehrgeiz dabei, dass er 1987 seine Ausbildung verkürzt und mit einem herausragendem Zeugnis beenden konnte.

Nach seiner Ausbildung wurde er übernommen und er arbeitete für etwa ein Jahr im Angestelltenverhältnis als Reha-Techniker, bis er seinen Zivildienst 1989 für 20 Monate antreten musste. Durch die dort erlebten diversen Erlebnisse bestärkt darin, etwas aufziehen zu wollen, was es in der Form noch nicht gab – eine mobile Orthopädie-Werkstatt. Genau aus dem Grund, weil er Mitleid mit den Leuten hatte, die immer auf andere angewiesen waren. Sie mussten zum Orthopädie-Techniker gefahren werden, weil bei dem einen das Kunstbein nicht richtig saß, oder bei dem anderen mit der Technik im Kunstbein etwas nicht stimmte. Diese Menschen sind selten alleine in der Lage, zum Orthopädie-Mechaniker zu kommen.

Meist sind es auch ältere Menschen, bei denen einfach nur das Bein abgemessen werden muss, damit Ihnen die Kompressionsstrümpfe maßgerecht gefertigt werden können. Auch für solche Fälle ist Josef Dobler heute unterwegs. Aber von der Idee alleine kann man nicht leben, also sparte sich Josef Dobler jeden Pfennig. Er erstrebte nach seinem Zivildienst den Meisterbrief und hat die Meisterprüfung mit einem Notendurchschnitt von 1,46 bestanden. Dafür erhielt er sogar 1994 eine Anerkennungsurkunde der Stadt München, überreicht durch den damaligen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl.

Auch mit dem Meisterbief arbeitete Josef Dobler als Angestellter Orthopädie-Mechaniker, aber immer im Hinterkopf hängend seine Idee, so etwas mobil aufzuziehen. Anfang 2009 platzte dann der Knoten, seine gesamten Ersparnisse und mit Hilfe der finanziellen Unterstützung seiner Eltern konnte er seinen Traum plötzlich verwirklichen. Er mietete sich kleine Räumlichkeiten in Großkarolinenfeld an und organisierte sich einen Großraumtransporter, den er zur mobilen Werkstatt umbaute; zu seiner kleinen festen Werkstatt, die er in der Garage stehen hatte. Seit dem Frühjahr/Sommer 2009 darf er „praktizieren“, da er wegen der erteilten Zulassungen, die eingeholt werden mussten, erst einmal wieder ausgebremst wurde, denn ohne passendene Zulassungen darf man in Deutschland nicht arbeiten. Und leicht wurde es Josef Dobler weiß Gott nicht gemacht. Mittlerweile ist er stolz auf sein „Baby“ und präsentiert sich mit seiner Idee gerne. Auch denkt er in dieser kurzen Zeit gerne an zwei aussergewöhnliche Fälle zurück.

In dem einen Fall hatte er einen oberschenkelamputierten Patienten, der durch seine schwere Wundheilungsstörung an die Grenzen der klassischen Orthopädie-Technik geriet. Josef Dobler feilte solange an einem extravaganten Oberschenkelkunstbein, da er sich nicht damit zufrieden geben wollte, dem Mann nicht helfen zu können. Er fertigte in Zusammenarbeit mit dem damals behandelnden Arzt eine Protese mit einer überforsichtigen Anziehtechnik für den Patienten an, damit die Wunde nicht noch mehr sprapaziert wurde und trotz bzw. auch gerade wegen der Beinprotese heilen konnte. Zwar ging das langsam und mühselig vorran, aber der Patient war agil und konnte sich wieder frei bewegen, ohne auf andere angewiesen zu sein.

Der zweite Fall, der ihn bis Heute sehr bewegt, war eine Dame, mittleren Alters, die u.a. unter schwerster Diabetes litt und auch ihre Blutwäschen alleine zu Hause durchgeführt hat. Durch diese Diabetes kam es bei ihr zu einer Beinamputation. Auch dieser Stumpf hatte extrem starke Wundheilungsstörung und auch bei ihr wollte Josef Dobler nicht kapitulieren und feilte ebenso ehrgeizig bei ihr an einem Unterschenkelkunstbein, das nicht nur maßgerecht an ihrem Stumpf passte, sondern womit sie sich auch frei bewegen konnte und sich noch lange nicht „zum alten Eisen“ fühlen musste.

Diese Dame hat sich etwa ein Jahr später bei Josef Dobler gemeldet und sich bedankt. Sie erzählte ihm, dass sie so extrem das Laufen mit der Beinprotese geübt und sich dann an eine Wanderung gewagt hat. Sie ist von Großkarolinenfeld bis nach Altötting gewandert MIT EINER BEINPROTHESE. Damit ist für Josef Dobler klar, dass sich für den richtigen Beruf entschieden und eigentlich alles richtig gemacht hat.

Trotz anfänglicher Skepsis der Kliniken und einiger Patienten hat Josef Dobler Biss gezeigt und überzeugt, was alles möglich ist, wenn man an sich glaubt. Sein Großraumtransporter ist sogar so ausgestattet, sollte er überregional unterwegs sein, dass er darin auch übernachten kann. In seinem Freundeskreis und in der Off-Road-Szene, die sein Hobby ausfüllt, wird er von allen liebevoll der „Orthosepp“ genannt. Der Kampf ums Überleben ist noch nicht vorbei, aber er gibt nicht auf, weil seine Idee in Deutschland einzigartig ist und er sich wohl fühlt, wenn er wieder einem Patienten mehr Mobilität ermöglichen kann.

Pressemitteilung Danny´s mobiles Fotostudio

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