Neuer Kiosk belebt Bahnhofsbereich

Großkarolinenfeld – Optisch macht der Bahnhof Großkarolinenfeld immer noch nicht viel her. Schon lange können die Fahrkarten nur noch an den Automaten gelöst werden.

Zumindest ein klein wenig aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist der Bahnhof Großkarolinenfeld. Lange Zeit standen die Pendler vor allem im Winter morgens frierend auf dem Bahnsteig. Es gab weder einen warmen Aufenthaltsort noch eine Einkaufsmöglichkeit. Das ist seit kurzem anders: Die frühere Wartehalle wird wieder aufgeschlossen und ein kleiner Kioskbetrieb hat seine Pforten geöffnet.

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Sowohl die frühere Wartehalle als auch der Verkaufsraum waren ebenfalls lange Zeit verwaist und verschlossen. 2010 war es der Gemeinde gelungen, der Deutschen Bahn AG den Bahnhof abzukaufen. Wie berichtet, beschloss der Gemeinderat daraufhin vor einiger Zeit, die ehemalige Wartehalle wieder provisorisch herzurichten, bei Bedarf regelmäßig zu heizen und für Bahnreisende zu öffnen.

"Jeden Tag habe ich mich aufs Neue geärgert, wenn ich im Winter bei eisigen Temperaturen noch länger als sonst auf meinen Zug warten musste, der wieder mal Verspätung hatte", berichtet ein Großkarolinenfelder. Der 54-Jährige pendelt täglich nach München in die Arbeit. Groß war die Freude nicht nur bei ihm, sondern bei zahlreichen anderen Pendlern, als zum Winterende - auch auf Anregungen aus der Bürgerversammlung hin - die frühere Wartehalle wieder geheizt und geöffnet wurde.

Das Warten "versüßt" wird den Reisenden seit Juli zusätzlich durch einen Bahnhof-Kiosk. Akdogan Cafer eröffnete im Bahnhofsgebäude einen kleinen Kaffee-Shop, der keine Wünsche offen lässt. Morgens kann man hier mit einem Frühstück in den Tag starten, Tageszeitung und Zigaretten kaufen oder sich seine Brotzeit für die Arbeit mitnehmen.

Da Akdogan Cafer einen eigenen Backofen besitzt, gibt es tagsüber und selbst nach Feierabend noch frische Backwaren. Kaffee zum Mitnehmen wird ebenso im neuen Kiosk-Bahnhof angeboten wie etwa Eis, belegte Semmeln und Getränke. "Ich stehe täglich um 4 Uhr auf, damit ich bereits ab 5 Uhr morgens frische Ware anbieten kann", erzählt der 48-jährige Kioskbetreiber, der von seiner Frau und seinen Söhnen im Laden mit unterstützt wird.

Cafer würde sich noch mehr Zulauf wünschen, denn derzeit trage sich der Kiosk finanziell gesehen noch nicht. Ungünstigerweise richte die Bahn auch noch aufgrund von Baumaßnahmen einen Schienenersatzverkehr an einigen Bahnhöfen ein. Der Großkarolinenfelder Bahnhof ist in der Zeit vom 31. Juli bis 8. August sowie vom 18. bis 23. August von den Bahnarbeiten betroffen. Die Pendler müssen in diesen Zeiträumen auf Ersatzbusse umsteigen, wie der Bürgermeister erläutert. Umso mehr hofft der Kioskbetreiber auf Stammkunden, die ihm auch während dieser Anfangsschwierigkeiten die Treue halten.

Die Renovierung des alten Bahnhofgebäudes war eine Gemeinschaftsaktion von Kioskbetreiber und Gemeinde, wie Bürgermeister Bernd Fessler erzählte. Akdogan Cafer habe bei der Renovierung selbst mit angepackt. Der Rathauschef freut sich über das Engagement des Kioskbetreibers und darüber, dass der Großkarolinenfelder Bahnhof belebt wird.

Laut Fessler werde der Bahnhofsbereich im Rahmen des geplanten Ausbaus der Bahnhofstraße Zug um Zug saniert. Allerdings sei das Vorhaben, das auch ein "Park & Ride"-Konzept beinhalte, abhängig von der finanziellen Gesamtsituation der Gemeinde.

dli/Oberbayerisches Volksblatt

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