Neues Heim als Ziel

Barbara Angermaier erhofft sich viel von der Unterschriftenaktion. Fotos radlhammer

Kolbermoor - Die desolate Lage des Tierheims liegt an Geldmangel und dem veralteten Gebäude. Mit dem Projekt "Pro neues Tierheim" will Barbara Angermaier zumindest eine bauliche Veränderung herbeiführen.

Es ist ein Sommerabend im Juli, als eine Mitarbeiterin des Tierheims eine traurige Entdeckung macht: Ein kleiner Cocker-Spaniel steht am Zaun angeleint. Mutterseelenallein, verlassen von seiner Familie. Ins Tierheim abgeschoben. Das erschreckende Einzelschicksal dieses Hundes - im Tierheim Rosenheim ist es trauriger Alltag. Bis an die Grenzen des Möglichen mit abgegebenen Tieren gefüllt, beherbergt die Einrichtung mittlerweile 31 Hunde und über 80 Katzen, unzählige Kleintiere wie Hasen, Meerschweinchen und Chinchillas, auch Ponys, Ziegen, Schweine, Hühner und Krähen, ja sogar einen Waschbären.

Die neue Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim Barbara Angermaier will nun für Abhilfe sorgen und bei der Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabi Bauer und beim Landrat Josef Neiderhell mit einer Unterschriftenaktion für ein neues Tierheim Rosenheim kämpfen. Denn nicht nur die hoffnungslose Überfüllung macht den Mitarbeitern des Tierheims Sorgen: Das alte Gebäude in Kolbermoor erfüllt einfach nicht mehr die Standards, die für eine tiergerechte Haltung so dringend erforderlich wären. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Von "vorsintflutlichen Zuständen" spricht gar Heimleiterin Johanna Halisch. Baufällig sei es, mit zu dünnen Wänden und ungenügend gedämmt.

Das Hundehaus - bis auf den letzten Platz besetzt - besteht aus einzelnen Zwingern mit Gitterstäben; eine längst überholte Form der Haltung. Die Hunde sind in ihrer Unterbringung damit überfordert, ihr kleines Territorium, den Zwinger, zu verteidigen - und das mit permanentem Sichtkontakt zu den anderen Hunden von nebenan und gegenüber. Lautstarkes Gebell ist die Folge. Dieses Problem führt aber unmittelbar zum nächsten: Für alte Hunde oder Welpen sind die Aufregung und der Stress in diesem Hundehaus nicht zumutbar. Wohin also mit ihnen? Die Außenzwinger wären eine Möglichkeit, jedoch wurden diese vom Ordnungsamt mit strengen Auflagen versehen, weil Anwohner wegen Lärmbelästigung Beschwerde einreichten. Letztendlich musste für ältere Hunde oder gar Welpen, die noch mitten im Sozialisierungsprozess stehen, ein Platz im Büro oder im Hof gefunden werden, wo sie in Körbchen und auf Sofas einen ruhigen Platz haben und so nicht selten auch Schmuseeinheiten von vorbeilaufenden Tierpflegern ergattern. Denn gerade diese Hunde sind auf menschlichen Kontakt am dringendsten angewiesen.

Bei den Katzen ist die Haltesituation zwar entspannter, das Problem liegt hier aber andernorts: Ungeimpfte Katzen, die sich mit Krankheiten wie etwa dem für die Tiere so gefährlichen Katzenschnupfen infizieren, gibt es im Landkreis überaus zahlreich. Die Folge: Manche Katzen stecken sich an und leiden grausam und oft wochenlang unter der schweren Krankheit, ohne dass die Besitzer etwas dagegen unternehmen. Die schwer kranken Tiere werden schließlich ins Tierheim abgeschoben, das dann die hohen Behandlungskosten tragen muss. Im Fall der Katzenkinder Flori und Berti musste jeweils ein Auge amputiert werden - eine Folge des Katzenschnupfens, dem sie ungeimpft ausgesetzt waren. Barbara Angermaier sieht das als grobe Tierquälerei, spricht diesbezüglich sogar von einer Tierschutzkatastrophe im Landkreis.

Das Tierheim mit seinen vier Ganztagskräften und zwei Lehrlingen hat bei dieser hohen Anzahl von Tieren mit einer chronischen Unterbesetzung zu kämpfen: "Ohne die Ehrenamtlichen können wir hier gar nicht existieren", meint die neue Vorsitzende Barbara Angermaier.

Für die Mitarbeiter des Tierheims ist die Sache klar: Egal, mit welchen Zuständen sie hier täglich zu ringen haben, das Tier kommt an erster Stelle.

Die desolate Lage des Tierheims liegt an Geldmangel und dem veralteten Gebäude. Mit dem Projekt "Pro neues Tierheim" will Barbara Angermaier zumindest eine bauliche Veränderung herbeiführen. Gesucht wird ein neues Heim oder ein ganzes Baugrundstück. Am besten einen Platz ohne direkte Nachbarn, aber dennoch mit guter Verkehrsanbindung; und das ist schwer zu finden.

Bis zum 15. August läuft die Unterschriftensammlung "Pro neues Tierheim", deren Listen in vielen Tierpraxen oder auch Geschäften ausliegen. Schnell und einfach geht dies auch über Internet, wo die Petition unter www.heuwusler.de für einen Ausdruck bereit steht.

Aber auch andere Hilfe ist jederzeit willkommen: als Gassi-Geher beispielsweise, von denen es mittlerweile etwa 30 im ehrenamtlichen Dienst gibt und die auch samstags gerne mal zupacken und sämtliche im Heim anfallende Arbeiten beherzt in Angriff nehmen.

Für diese "Samstags-Aktionen" sind jederzeit auch handwerklich begabte Personen eingeladen, die leichte Arbeiten am Haus übernehmen können. Tierpatenschaften sind bereits ab fünf Euro monatlich möglich, auch Pflegefamilien, die sich einem Tier bis zu seiner endgültigen Vermittlung annehmen, werden immer wieder gesucht.

Finanzielle Unterstützung, erreicht das Tierheim über das Spendenkonto bei der Sparkasse Rosenheim, Kontonummer 8797. rr/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Land

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT