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Noch keine Bußgelder verhängt

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Die blaue Farbe der Zunge ist eines der namensgebenden Leitsymptome der Blauzungenkrankheit. Bei dieser Kuh ist sichtlich alles in Ordnung, während der Impfzwang weiter für Diskussionen unter den Bauern sorgt.

Rosenheim Landkreis - Bereits am 19. Juni ist das Zeitfenster für die Impfung von Rindern gegen die Blauzungenkrankheit geschlossen worden. Noch sind im Landkreis Rosenheim jedoch keine Bußgelder gegen Landwirte, die sich dem deutschlandweiten Impfzwang widersetzt haben, ausgesprochen worden.

Denn das Veterinäramt erwartet nicht vor Mitte August eine abschließende Auswertung der Tierarztabrechnungen.

"Bei uns gehen noch laufend Meldungen von durchgeführten Impfungen ein", berichtet der Leiter des staatlichen Veterinäramtes, Dr. Werner Hamp. "Wir haben die Landwirte aufgeklärt wie die Weltmeister, doch es gibt nach wie vor standhafte Gegner", bedauert er. Wie hoch der Durchimpfungsgrad im Landkreis ist, kann Hamp noch nicht einschätzen. Derzeit erstelle das Veterinäramt eine Datenbank. Erst wenn keine Rückläufe von Abrechnungen der Tierärzte mehr zu verzeichnen seien, stehe fest, wer sich weiterhin der Impfung verweigere. Die Gegner, bayernweit zusammengeschlossen in der Interessengemeinschaft "gesundes Tier" (IGG Tier), erwartet im Landkreis Rosenheim eine gemäßigte Reaktion auf ihre Verweigerung. Landrat Josef Neiderhell hat nach Angaben der Pressestelle des Landratsamtes ein Bußgeld angeordnet, dass mit 250 Euro pro Betrieb an der untersten Grenze der bei einem Treffen der oberbayerischen Landräte zu diesem Thema vereinbarten Summe liege.

Wie berichtet, ist die Höhe des Bußgeldes dem Ermessen der jeweiligen Kreisverwaltung überlassen worden. Bei der Ahndung von Verstößen gegen die Impfpflicht hat die Behörde auf diese Weise den "schwarzen Peter" zugeschoben bekommen. Dies hat in anderen Landkreisen zum Teil zu überreaktionen geführt: Hohe Bußgelder im vierstelligen Bereich bis zu Zwangsmaßnahmen sorgten für Schlagzeilen. Das Rosenheimer Landratsamt kann angesichts rechtsgültiger Bundesverordnungen nicht auf die Einleitung von Bußgeldverfahren verzichten, zeigte sich jedoch gesprächsbereit: Landrat Josef Neiderhell hatte die Kritiker der Impfung vor Ende der Frist am 19. Juni zu einem Gespräch geladen.

2008 sind nach Angaben von Hamp auch im Landkreis drei Fälle der anzeigenpflichtigen Tierseuche aufgetreten, 2009 jedoch bisher noch keine - Zahlen, die Anlass zu unterschiedlichen Interpretationen liefern. Der Leiter des Veterinäramtes sieht in der Tatsache, dass es heuer noch keinen Fall gegeben hat, einen Beweis für die Wirkung der Impfungen, die IGG Tier ein Symbol für eine Impfung, die in keiner Relation zum Auftreten der Krankheit stehe, da nicht von einer Epidemie die Rede sein könne.

Der Virus wird nach Angaben des Veterinäramtes über eine Stechmücke übertragen. Die Folgen reichen von leichten Krankheitssymptomen wie Entzündungen bis zum qualvollen Tod, bei dem die blaue Zunge auftritt. Erkrankte Tiere müssen nicht wie bei der Maul- und Klauenseuche getötet werden, teilt Hamp mit. Sie würden stattdessen je nach Stadium und Schwere der Erkrankung behandelt und erst dann eingeschläfert, wenn keine Behandlungserfolge mehr möglich seien.

Große Schäden löst die Krankheit, die alle Wiederkäuer betreffen kann, nach Angaben des Veterinäramtes aber bei Schafen aus, weshalb hier die Impfbereitschaft unter den Züchtern hoch ist. Bei den Rinderhaltern formierte sich jedoch auch im Landkreis Widerstand. Unterschiedliche Ansichten herrschen zur Frage, ob die Impfung Tiere vor dem Virus schützt oder der Impfstoff die Gesundheit von Kühen gefährdet.

"Wer nicht impft und ein krankes Tier beklagt, muss sich damit auseinandersetzen, dass er dies hätte verhindern können", so Hamp. Die IGG Tier sieht vom Impfstoff, der erst kürzlich zugelassen worden sei, jedoch Gefahren für die Tiere ausgehen. Missbildungen, Fehl- und Totgeburten bei Kälbern bringen die Impfgegner damit in Verbindung. Hamp weist jedoch darauf hin, dass im Landkreis noch kein Impfschaden anerkannt worden sei. Ein Musterprozess eines Landwirtes aus Ebersberg gegen die angeordnete Impfung ist im Mai vor dem Verwaltungsgericht München gescheitert.

Heike Duczek/Oberbayerisches Volksblatt

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