Im engen Kontakt mit tobender Gischt

Weltklasse-Kanute und Filmfestival-Organisator: Olaf Obsommer bei einer "Trockenübung" im Kuko.

Flintsbach/Rosenheim - Olaf Obsommer hat seine große Leidenschaft zum Beruf gemacht: Das Paddeln. Andere lässt er in seinen Filmen wie beim 14. Rosenheimer Kajakfilmfestival daran teilhaben.

Der 39-Jährige aus Flintsbach ist einer der ganz wenigen professionellen Filmemacher der Kajakszene. Es gibt kaum noch ein Gewässer auf der Welt, das er nicht befahren hat. Seine Filmaufnahmen gelten als spektakulär und werden auch immer wieder im Fernsehen gezeigt. Einige seiner Filme waren jetzt auch beim 14. Rosenheimer Kajakfilmfestival im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim zu bewundern.

Viele Szenen, die beim Kajak-Filmfestival gezeigt wurden, wirkten fast schon unrealistisch. Fahrten auf tobenden Gewässern, wilde Ritte auf Wasserfällen und Stürze aus luftiger Höhe: Und das alles in Booten, die im Vergleich zu den Naturgewalten wie "Nuss-Schalen" wirken.

Die Zuschauer, viele davon selbst Kajakfahrer, bejubelten die Filmbeiträge und staunten angesichts der teilweise ganz schön brenzligen Situationen.

Kajak-Ass und Festival-Organisator Olaf Obsommer aus Flintsbach blieb aber ganz ruhig. Für ihn sind Fahrten auf wilden Fluten eigentlich schon "ganz normal". Dabei sei das, was man auf der Filmleinwand sehe, meistens gar nicht so gefährlich: "So ein Sturz in einem Wasserfall sieht spektakulär aus. Ist aber für einen professionellen Wildwasserfahrer meistens gut beherrschbar. Dagegen gibt es aber Dinge, die fallen auf den ersten Blick überhaupt nicht auf. Sie können aber schnell zu einem lebensbedrohlichen Unfall führen."

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Ungefährlich ist die Arbeit von Olaf Obsommer und den Kajakfahrern, die er bei ihren Fahrten filmt, nicht. Erst kürzlich wäre ein Franzose beinahe vor laufender Kamera verunglückt.

Obsommer kennt das Risiko, kann sich aber trotzdem keinen schöneren Beruf vorstellen. Dabei geht es ihm mittlerweile nicht mehr nur um den Sport alleine, sondern um die Einblicke in Gegenden überall auf der Welt, die sonst kaum ein Mensch jemals zu sehen bekommt.

Gedreht hat er schon fast überall: Auf den Galapagos-Inseln ebenso wie auf Grönland oder in den tiefsten Dschungeln.

Etwa drei bis vier Monate im Jahr ist er unterwegs. Besonders gefallen ihm auf seinen Reisen die nahen Kontakte mit Menschen und Tieren. In Erinnerung bleiben ihm dabei Momente wie auf dem afrikanischen Fluss "Shire". "Krokodile und Nilpferde kamen da gefährlich nahe", erinnert sich der Kajak-Experte.

Obsommer entdeckt an sich auch eine Gemeinsamkeit mit Extrem-Bergsteigern: "Die hoffen auf eine Erstbesteigung, ich auf eine Erstbefahrung." Dieses Ziel lasse sich aber immer seltener verwirklichen und sei meistens mit enormen Strapazen verbunden.

Diese werden jedoch von Extremsportlern wie Obsommer gerne in Kauf genommen: "Einmal habe ich drei Tage lang mein Kanu quer durch die Wildnis gezogen, um überhaupt an einen Fluss zu kommen. Das war schon hart." Die Bilder, die dabei entstanden, trösteten den Flintsbacher aber schnell über die körperlichen Anstrengungen hinweg.

Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Für dieses Jahr hat der Weltklasse-Kanute und Filmer schon wieder einige Gewässer auf der Welt angepeilt. Und wenn er nicht gerade auf Reisen ist, führt er bei Filmvorträgen wie dem Kajakfilmfestival in Rosenheim stolz vor, was er dabei so alles erlebt hat.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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