Olympia-Aus: Chance für Westtangente

+
Der Verlauf der geplanten Westtangente.

Rosenheim - Trauer in München, Hoffnung in Rosenheim: Nach dem Olympia-Aus für München, könnten die Mittel für die Westtangente schneller fließen.

Service:

Dossier Westtangente

So hofft zumindest die Politik in der Region. 63 Millionen Euro soll der Bau der elf Kilometer langen Umfahrung kosten. Wann der Bund das Geld bereit stellt, ist noch völlig offen.

Zehntausende von Autos und Lkws quälen sich täglich auf der B15 durch Rosenheim und seine Anliegergemeinden. Die lärm- und abgasgeplagten Bürger wollen sich das nicht länger gefallen lassen. Die Initiative "B15 raus aus Pfaffenhofen" fordert per Petition in Land- und Bundestag, Pfaffenhofen mindestens in den Nachtstunden für den Schwerlastverkehr zu sperren, Rosenheimer Bürger haben das Verwaltungsgericht angerufen, weil sie von Lärm und Abgasen die Nase buchstäblich voll haben. Auch die Wirtschaft in der Region fordert vehement eine Entzerrung der Verkehrsströme.

Juristisch sind die Voraussetzungen für den Baubeginn geschaffen. Doch trotz Rechtssicherheit wollte sich bislang niemand auf einen Termin festlegen lassen. Es fehlten schlicht die finanziellen Mittel. Doch durch die Olympia-Entscheidung ist eine neue Situation entstanden. Für München und Garmisch-Partenkirchen geplante Infrastrukturprojekte stehen wieder auf der Kippe. Rückt damit der Baubeginn für die Westumfahrung in greifbare Nähe?

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig sieht ihren Parteifreund, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, in der Pflicht: "Sowohl vom Bund als auch vom Freistaat werden wir jetzt zeitnahe Entscheidungen einfordern." Zeitnah bedeute: in den nächsten Wochen. "Wir werden jetzt das Bundesverkehrsministerium beim Wort nehmen", kündigt Ludwig an.

Nichts geht mehr am Brückenberg in Rosenheim: Nur einer der neuralgischen Punkte auf dem Weg der B15 durch Rosenheim.

"Die Zeit der Ausreden ist vorbei," sagt SPD-Kollegin Angelika Graf mit Adresse an Ramsauer. Aus den Äußerungen des Bundesverkehrsministeriums sei der Eindruck entstanden, die Olympischen Spiele würden die Mittel für Projekte in der Region Rosenheim blockieren, so Graf, die von einem Investitionsstau spricht. Ramsauer müsse nun, wie versprochen, rasch das Geld freigeben. Die SPD-Bundestagsabgeordnete kritisiert aber auch die Landsregierung: "Bisher fehlt ein klares Bekenntnis der Staatsregierung, dass die Westtangente für sie die höchste Priorität hat."

Auf eine schnellere Realisierung der Westumgehung hofft auch der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell. "Wir brauchen diese Straße. Die Verhältnisse sind unzumutbar." Er sieht den Ball nun ebenfalls bei der großen Politik: "Es muss entschieden werden, wann mit dem Bau begonnen wird." Neiderhell befürchtet allerdings, dass es für 2012 schon zu spät ist. Doch selbst wenn 2013 die Bagger anrollen würden: Angesichts einer Bauzeit von mindestens vier bis fünf Jahren werde es frühestens ab 2018 eine Entlastung geben.

Nicht ganz so optimistisch nach der Olympia-Entscheidung ist Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer: "Ramsauer hatte versichert, aus seinem Haus würden keine Mittel in das Projekt Olympia fließen." Man wisse nicht, wie die Bundesregierung die Ausgaben finanziert hätte. Aber es sei durchaus denkbar, dass nun für den einen oder anderen Straßenbau, auch in der Region, Mittel freiwerden. "Eigentlich hieß es, dass bis 2013 alle Gelder gebunden sind. Mag schon sein, dass es nun doch ein bisschen schneller geht", so Bauer.

Erleichtert ist man über die Olympia-Entscheidung auch bei der Bürgerinitiative "B15 raus aus Rosenheim": "So bedauerlich die Entscheidung für München ist, für unser Anliegen ist ein großer Stein aus dem Weg geräumt", so Sprecher Lothar Thaler - auch wenn eine große Portion Skepsis bleibt: "Bundesverkehrsminister Ramsauer hat jetzt halt eine Ausrede weniger, warum er die Westumgehung nicht bauen will." In einem ist sich Thaler aber mit den Politikern in der Region einig: Eine Verkehrsentlastung ist so schnell wie möglich notwendig: "Der Baubeginn muss gleichzeitig an beiden Enden erfolgen", so lautet eine Kernforderung der Initiative.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Aus unserem Video-Archiv:

Kommentare