Umgehungs-Offensive in Vogtareuth

Vogtareuth - Die schriftliche Begründung für das Urteil, das die Planfeststellung für die Ortsumgehung Vogtareuth vorerst aufgehoben hat, liegt noch immer nicht vor.

Jetzt geht der Gemeinderat deshalb mit Vorschlägen für eine Verkehrsberuhigung im Ortskern in die Offensive.

Lesen Sie hier den Originalbericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

"Müssen zeigen, dass es uns ernst ist"

Vogtareuth - Die Notwendigkeit, aktiv zu werden, zeigte sich den Mitgliedern des Gemeinderates bei einem Ortstermin: Vom Dorfeingang bis zum Ausgang gingen die Fraktionen die Ortsdurchfahrt ab und erlebten an einem Freitagnachmittag die Belastungen des Verkehrs als Fußgänger: "Es ist der Wahnsinn", brachte Elisabeth Stadlhuber (ÜWG) Lärm und Abgase, Rasereien und Gefahren auf den Punkt.

Harald Grella von der Bürgerliste hatte deshalb beantragt, mit eigenen kommunalen Vorschlägen für eine Verkehrsberuhigung aktiv zu werden - als Übergangslösung, weil die Frage, ob die Umgehungsstraße überhaupt kommt und wenn ja, wann, noch immer völlig offen ist. Grella vertrat stets den Standpunkt: Aufzeigen, was möglich sein kann, ein weiteres Nein der Genehmigungsbehörden durch sinnvolle Maßnahmenkataloge verhindern, Druck erzeugen.

Zweiter Bürgermeister Johann Bauer (CSU) stellte nun die Ergebnisse der Ortsbesichtigung vor, die an die übergeordneten Genehmigungsstellen - Straßenbauamt, Landratsamt als Untere Verkehrsbehörde sowie Polizei - weitergegeben werden. Der Zebrastreifen soll durch eine Druckampel mit Blinklichtern das Überqueren der Ortsdurchfahrt erleichtern und mehr Aufmerksamkeit erhalten. Außerdem soll durch das Stoppen des Verkehrs der Fluss gehemmt werden. Vor der Bäckerei soll ein weiterer Fußgängerüberweg aufgezeichnet werden. Am nördlichen Ortseingang soll die Beschränkung auf Tempo 70 nicht wieder aufgehoben, sondern durchgezogen werden bis zum Ortsschild, damit viel früher der Fuß vom Gas genommen wird. An den Fußgängerüberwegen soll eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer pro Stunde erfolgen. Vor dem Frisörgeschäft sollen die Parkplätze neu geordnet werden, sodass die Autos nicht mehr auf dem Gehweg stehen. Grundsätzlich soll dieser besser gekennzeichnet sowie abgeschrägt werden, damit Rollstühle und Kinderwagen ihn sicherer nutzen können.

Maßnahmen wie die Ordnung der Parkplätze vor dem Frisör kann die Gemeinde selber durchführen, für alle weiteren Vorschläge benötigt sie die Zustimmung übergeordneter Behörden, weil es sich bei der Ortsdurchfahrt um eine Staatsstraße handelt. Deutlich wurde im Rat, dass dieser ablehnende Bescheide nicht mehr akzeptieren wird. "Wir müssen zeigen, dass es uns ernst ist, die Dringlichkeit der Maßnahmen beweisen", appellierte Josef Stadlhuber (Aktiv für unsere Gemeinde, AfG). Einstimmig beschloss das Gremium deshalb, den Maßnahmenkatalog zu beantragen.

Bürgermeister Matthias Maier zeigte außerdem einen weiteren Weg auf: Er plädierte für die Einführung einer kommunalen Verkehrsüberwachung. Auf Probe könnte die Gemeinde Mitglied werden im Zweckverband Oberland mit Sitz in Bad Tölz, der im Auftrag der Kommune an neuralgischen Stellen im Ort wie an der Ortsdurchfahrt blitze. Solche Radarfallen wünscht er sich auch für einen weiteren Punkt im Ort, auf dem Rasereien an der Tagesordnung sind: für die Krankenhausstraße. "Ich bin überzeugt, dass eine kommunale Verkehrsüberwachung ein probates Mittel ist, die Autofahrer zu überzeugen, den Fuß vom Gas zu nehmen", betonte Maier angesichts der erhobenen Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen, die sogar in die Gemeindekasse fließen würden.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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