"Regionale Identität erhalten"

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Stephanskirchen (ovb) - Mit bunten Bändern und Blumen prächtig geschmückt zogen gestern mehr als 200 Pferde samt ihren Reitern beim Leonhardiritt in Leonhardspfunzen an über 2000 Schaulustigen vorbei.

Höhepunkt der Traditionsveranstaltung war der kirchliche Segen für die Vierbeiner durch Kaplan Ludwig Westermeier. Für viele Pferdebesitzer aus Stadt- und Landkreis klingelte gestern trotz Zeitumstellung der Wecker schon sehr früh. Ein Großteil stand bereits um 5 Uhr morgens auf, um die Pferde auf den Leonhardiritt vorzubereiten. "Die Tiere sollen schließlich besonders schön aussehen", erzählte Kerstin Furch aus Pang. Sie war mit ihrem Pferd schon oft beim Leonhardiritt in Leonhardspfunzen dabei. Doch auf die eigene Teilnahme verzichtete sie diesmal zu Gunsten von Johanna und Anna-Lena. Die beiden vierjährigen Mädchen wollten einmal selbst mitmachen, mit Mini-Kutsche und Pony Momo. Das Tier war mit Blumen und Bändern festlich geschmückt worden. Außerdem stand ausgiebiges Waschen und Striegeln auf dem Programm, bevor die Fahrt nach Leonhardspfunzen beginnen konnte.

Vom Pony bis zum Kaltblut

 Routiniert bewältigte Momo den dreimaligen Weg an Kaplan Ludwig Westermeier vorbei, genau wie alle anderen kleinen und großen Rösser auch. Für die meisten war es bei weitem nicht das erste Mal, dass sie an einer derartigen Großveranstaltung teilnahmen.

Mit dabei waren diesmal sogar einige kleine Esel, so etwa Donald. Der kam zusammen mit seiner Besitzerin Rea Triyandafilidis aus Dorfen angereist. "Wir nehmen an fast allen Leonhardiritten teil", erzählte diese. Donald würde solche Auftritte sehr genießen: "Esel sind neugierig und lieben es, von allen bewundert zu werden." Der Leonhardiritt in Leonhardspfunzen ist der größte im Landkreis und hat eine lange Tradition. Aufzeichnungen über diese Veranstaltung finden sich schon in Schriften aus dem Jahr 1436. "Der Segen für die Tiere war den Menschen damals wichtig", erzählte Kaplan Ludwig Westermeier beim Feldgottesdienst, der dem Umzug vorausging. Mit Pferden hätte es in früheren Zeiten oft schwere Unfälle gegeben. Deshalb habe man nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Reittier Gottes Schutz erbeten. Auch heute ist der Segen vielen Pferdefreunden noch außerordentlich wichtig. "Für mich und mein Tier ist der Leonhardiritt der schönste Tag im Jahr", meinte etwa Elisabeth Barder aus Zaisering. Seit vielen Jahren schon beteiligt sie sich an dieser Veranstaltung. Immer mit dabei das Kaltblut Fritzi. "Es ist wichtig, Brauchtum zu erhalten", so die Meinung der 25-Jährigen.

"Ein Gegengewicht zur Globalisierung"

 Für die Erhaltung alter Bräuche plädierte auch Günther Weidlich, Vorsitzender des Leonhardivereins Leonhardspfunzen in seiner Rede: "Brauchtum ist das Gegengewicht zur Globalisierung", meinte er und forderte die "Erhaltung der regionalen Identität".

Den Leonhardiritt bezeichnete Weidlich als Fest für alle Sinne. Wie recht er mit diesen Worten hatte, zeigte sich beim Umritt am Fuße der Wallfahrtskirche. Trachtler, geschmückte Pferde und Gespanne gaben ein farbenprächtiges Bild ab. Tausende von Schaulustigen staunten dabei besonders über die unterschiedlichsten Pferderassen, die es da zu sehen gab. Die Bandbreite reichte von Mini-Ponys, die gerade einmal die Größe eines Schäferhundes hatten, bis zu schweren und stolzen Kaltblütern. Nach dem offiziellen Teil ruhten sich die Vierbeiner auf der Wiese aus. Viele Reiter und Besucher gingen zum gemütlichen Teil über mit Brotzeit in der Bosch'nhalle und beim Boadwirt. Musikalisch begleitet wurde das Fest von der Musikkapelle "Am Was'n".

wu

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