Acht Meter hohe Betonwand droht an der A8

Rohrdorf/Frasdorf - Dass der Ausbau der Autobahn zwischen Rosenheim und Landesgrenze notwendig ist, darüber sind sich Gemeinden, örtliche Bürgerinitiativen und Politiker einig. Sie haben sich nun vor Ort getroffen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es darüber, wie vorgeschriebener Lärmschutz erreicht werden kann. Die bisherige Planung sieht eine acht Meter hohe Betonmauer vor, die Achenmühle und Frasdorf durchschneiden soll.

Die A8 zwischen Rosenheim und Landesgrenze ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Europas. Im Schnitt passieren täglich 57.000 Fahrzeuge die Strecke, in Hochzeiten sind es sogar 80.000. Nun soll die Autobahn mit ihren überlasteten vier Fahrspuren ohne Standstreifen auf sechs Spuren plus Standstreifen ausgebaut werden.

Wohl am stärksten vom Ausbau betroffen sind Achenmühle und Frasdorf. Während die A8 in Achenmühle unmittelbar am Ort vorüberführt, wird Frasdorf von der Autobahn sogar durchschnitten. Die Fahrbahn von den Ortskernen wegzuverlegen, ist aufgrund der engen Tallage unmöglich.

Streit gibt es darüber, wie gesetzlich vorgeschriebener Lärmschutz erreicht werden kann. Laut bisheriger Planung ist für beide Ortsbereiche vorgesehen, die Fahrbahn mit Flüsterasphalt zu belegen sowie links und rechts der A8 bis zu neun Meter hohe Betonwände zu errichten.

Für beide Orte eine Horrorvorstellung. "Wir wollen Lärmschutz, der mit Landschaftsschutz im Einklang steht", sagt Rohrdorfs Bürgermeister Christian Praxl. Ins gleiche Horn stößt seine Frasdorfer Kollegin Marianne Steindlmüller: "Wir fordern eine Einhausung der Autobahn." Ein solches Bauwerk wäre 4,5 Meter hoch und ließe sich begrünen. Alternative wären zwei 2,2 Kilometer lange und acht Meter hohe Betonwände auf einer vier Meter hohen Böschung durch den Ort. In einer Tourismusregion wie dem Chiemgau müsse Landschaftsschutz einen besonderen Stellenwert genießen, sagt Marianne Steindlmüller: "Wir leben seit 70 Jahren mit der Autobahn und akzeptieren sie. Aber jetzt wollen wir eine optimale Lösung."

Einen Eindruck verschafften sich gestern der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Klaus Lippold, und sein Ausschusskollege, der Passauer Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer. Angestoßen hatte den Ortstermin die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Raab (CSU). Sie forderte für diesen Autobahnabschnitt eine flexible Lösung: "Die A8 führt hier nicht durch platte Landschaft, sondern in enger Hanglage durch eine dicht besiedelte Tourismusregion. Hier kann man nicht nur auf die Einhaltung bloßer Dezibelzahlen verweisen."

Klaus Lippold bestätigte, dass es sich um eine besondere Situation handele: "Die beiden Orte befinden sich an einer der meist befahrenen Autobahnen, die darüber hinaus noch ein hohes Lkw-Aufkommen hat. Hier muss man andere Maßstäbe anlegen." Er sieht das Verfahren durch die enge Beteiligung der Gemeinden und Bürgerinitiativen in den Planungsgruppen auf einem guten Weg und will diesen Prozess unterstützen. "Eines aber ist klar: Der Druck auf die Politik muss auf allen Ebenen aufrecht erhalten werden", sagt Klaus Lippold.

Hoffnungen auf eine Grünbrücke haben zumindest bei der Bürgerinitiative in Achenmühle neuen Auftrieb bekommen. Offenbar haben die Planer massive Probleme mit der geologischen Struktur der Hänge nördlich der A8, die für den Ausbau zum Teil abgetragen werden müssen. Wie Josef Schmid, Vorstandssprecher der Initiative "A8 - Rohrdorf-Achenmühle" berichtete, könne der Hang durch Mauern nicht ausreichend abgestützt werden. Die Planer setzten deshalb auf eine flache Böschung, für die aber gewaltige Erdmassen im Hang bewegt werden müssten. Angesichts des damit verbundenen Aufwands hofft Josef Schmid, dass eine Grünbrücke, für die deutlich weniger Eingriffe in die Landschaft notwendig sind, in greifbare Nähe rückt: "Das wäre eine Traumvorstellung."

ku/Oberbayerisches Volksblatt

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(red-ro24/ck)

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