Raststätte Samerberg: Von den Plänen überrollt

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Nicht nur an der Raststätte Samerberg-Süd könnten bald mehr Parkplätze für Lkw und Pkw entstehen; die Erweiterung von Samerberg-Nord soll folgen. Die Anwohner befürchten eine Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Rohrdorf - In Rohrdorf formiert sich Widerstand gegen den Ausbau der Raststätte Samerberg. Anwohner befürchten mehr Lärm, mehr Dreck - und einen Anstieg der Kriminalität.

Mit dem Ausbau verschiedener Raststätten will die Autobahndirektion Südbayern dem Mangel an Lkw-Stellplätzen an der A8 entgegensteuern. So läuft für die Erweiterung der Tank- und Rastanlage Samerberg-Süd auf Rohrdorfer Gemeindeflur bereits das Planfeststellungsverfahren; Samerberg-Nord soll in absehbarer Zeit folgen. Bei den Anwohnern regt sich jedoch Widerstand gegen das Vorhaben. Sie befürchten vor allem mehr Lärm, mehr Dreck - und einen Anstieg der Kriminalität.

Von derzeit zwölf auf 60 will der Bund die vorhandenen Lkw-Stellplätze an der Raststätte in Fahrtrichtung Salzburg aufstocken; und anstatt bisher 24 könnten dort künftig 99 Pkw parken. Darüber hinaus sieht das 4,3-Millionen-Euro-Projekt Abstellmöglichkeiten für acht Busse sowie einen Bereich für Großraumtransporter vor.

Unterdessen fühlen sich die Anlieger, deren Häuser zum Teil kaum mehr als 200 Meter von Autobahn und Rastanlage entfernt liegen, von dem Verfahren buchstäblich überrollt. "Der Großteil der Bürger hatte keine Ahnung, dass bereits konkrete Planungen vorliegen", brachten Veronika Lumpe und Josef Höpfl den Informationsstand vor wenigen Tagen auf den Punkt. Um die Frist für die Anhörung zu wahren, haben Anwohner nun mit Hochdruck ihre Einwände gegen das Projekt formuliert, denen sich bei einer Unterschriftensammlung insgesamt 100 Betroffene angeschlossen haben. Einer der Hauptkritikpunkte ist dabei der Lärmschutz.

"Für uns ist nicht ersichtlich, warum diese Parkraumvergrößerung so nahe an ein bereits belastetes Wohngebiet herangeführt wird", beziehen die Verfasser des dreiseitigen Schreibens an die Regierung von Oberbayern Stellung gegen die vorliegende Planung; sie sehen "weitere unzumutbare Belastungen unserer Lebensräume" auf sich zukommen.

Die Vergrößerung des Parkplatzes bis zur Bahnhofstraße und bis zur jetzigen Betriebszufahrtstraße löse zwar keinen Anspruch auf Lärmschutz aus, wie Nadine Lewandowski, die Sprecherin der Autobahn-Direktion, erklärt. Jedoch werde im Süden der erweiterten Anlage ein drei Meter hoher Gestaltungswall aufgeschüttet. Dieser erscheint den Anliegern allerdings weder für einen ausreichenden Sicht- noch als Lärmschutz hoch genug. Als weitere "Schwachstelle" erachten die Anwohner die neue, weiter westlich gelegene Betriebszufahrt mit Rolltor. Diese ließe sich ebenso gut auf Höhe des Bauhofs direkt von der Bahnhofstraße aus verwirklichen.

Zudem werde die für die Anwohner so wichtige Lärmschutzwand an der Einfahrt zur Rastanlage erst später, im Zuge des sechsstreifigen Autobahnausbaus, errichtet. Ein Einwand, den auch Rohrdorfs Bürgermeister Christian Praxl durchaus nachvollziehen kann. Insgesamt stimme die Planung für den Raststättenausbau, die ordnungsgemäß an den Ortstafeln publik gemacht worden sei, mit der Darstellung im neuen Flächennutzungsplan überein; der Gemeinderat hat im laufenden Planfeststellungsverfahren als Träger öffentlicher Belange mehrheitlich keine Bedenken gegen die Vergrößerung der Anlage vorgebracht.

Für verlässliche Aussagen über die tatsächlich vorhandenen, aber bislang nur rein rechnerisch ermittelten Lärmimmissionen im Siedlungsgebiet fordern die besorgten Bürger nun außerdem Lärmmessungen an repräsentativen Stellen. Auch sei nicht auszuschließen, dass die Lärmprognose für das Jahr 2025 auf mittlerweile veralteten Daten beruhe.

Um gemeinsam mit den Anliegern möglichst viele offene Punkte, beispielsweise die zusätzliche Belastung durch Abgase und Feinstaub sowie der befürchtete Anstieg der Kriminalität, zu klären, will Bürgermeister Praxl nun Vertreter der Autobahndirektion für eine Informationsveranstaltung in Rohrdorf gewinnen.

Marisa Pilger (Oberbayerisches Volksblatt)

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