Polizisten und eigene Mama abgezockt

Rosenheim/München - Abenteuerliche 60 Prozent jährliche Rendite - "bombensicher und garantiert": Mit diesen leeren Versprechen köderten zwei Anlageberater ihre Opfer, darunter fünf Polizisten, ein Arzt und die eigene Mama!

Vor allem Verwandte und Bekannte vertrauten den Männern aus Rosenheim (37) und Bruckmühl (49) viel Geld an. Besonders pikant: Einer der fünf Polizisten - er hatte 16.000 Euro investiert - soll die "Anlageberater" vor Razzien gewarnt haben, als die Ermittlungen anliefen. Der suspendierte Polizist (39) hat nun selbst in Rosenheim ein Verfahren am Hals (wir berichteten).

Zwei Jahre lang hielten die Betrüger ihre Bekannten hin, doch das Schneeballsystem ging natürlich nicht auf. Gestern wurde der 37-Jährige am Landgericht München II zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Sein Kompagnon muss zwei Monate länger sitzen.

Betrogene Mutter: Drei Jahre kein Wort mehr mit dem Sohn

Weil Akten verschwunden sind, blieb die genaue Zahl der Opfer unklar. Nachgewiesen werden konnte der Betrug in 27 Fällen. Darunter war auch die Mutter des 37-Jährigen. Sie wartete gestern früh vergeblich auf ihre Vernehmung. Das Landgericht hatte am Vortag entschieden, auf alle Zeugen zu verzichten. Da war die Mutter schon mit ihrem Lebensgefährten von Dortmund auf dem Weg nach München. So konnte das Gericht sie nicht mehr rechtzeitig abladen.

Drei Jahre lang sprach sie mit ihrem Sohn kein Wort. Wieviel Geld er ihr für seine krummen Touren aus der Tasche gezogen hatte, wollte sie nicht sagen. Beim Anblick ihres Sohnes brach sie mehrfach in Tränen aus. Seine psychische Instabilität und eine Bluterkrankung hatten ihn offenbar schwer verändert. Er würdigte sie keines Blickes. Nachdem sie ihm drei Jahre die kalte Schulter gezeigt hatte, wollte er nicht mehr mit ihr sprechen.

Durch ihr Geständnisse ersparten die Angeklagten ihren früheren Kunden Vernehmungen, die vielleicht für sie hätten peinlich werden können. Denn: Jedem Anleger hätte ein hohes Mitverschulden vor Augen geführt werden müssen, sagte Verteidiger Harald Baumgärtl aus Bernau in seinem Plädoyer.

Leichtes Spiel mit "hirnlosen" Opfern

So sah es auch Vorsitzender Richter Martin Rieder: "Wenn einem 60 Prozent Rendite versprochen werden und das Hirn völlig ausgeschaltet wird, dann kann man nur von einem leichten Spiel für die Angeklagten sprechen." Die hatten zwischen Januar und April 2006 ihren Mandanten 628.000 Euro abgenommen. Da einige auch etwas vom vermeintlichen Gewinn sahen, blieb letztendlich ein Schaden von 300.000 Euro. Ob der jemals wieder gut gemacht werden kann, ist mehr als fraglich.

Der 49-Jährige gab zwar an, wieder seine alte Firma aufgebaut zu haben und momentan mit Versicherungen zu makeln. Doch die Haftstrafe wird ihn wieder zurückwerfen. Der Jüngere hingegen befinden sich wegen seiner Erkrankungen stationär in einem Münchner Krankenhaus. Die zwei Makler betrieben eine Firma mit Sitz in Kolbermoor. Ihren Bekannten boten sie Beteiligungen an einem Unternehmen in den USA an. Diese investierten Summen zwischen 5000 und 100.000 Euro.

wal/ls/Oberbayerisches Volksblatt

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