"Private Schulen benachteiligt"

+
Die Pädagogik der Waldorf- und Montessori-Schulen hält mittlerweile auch in die staatlichen Schulen Einzug. Trotzdem sollen die Zuschüsse für private Schulen jetzt gekürzt werden. Unser Bild entstand an der Waldorfschule in Rosenheim.

Rosenheim/Landkreis - Sorgen um ihre Zukunft machen sich die Montessori-Schule in Rohrdorf und die Waldorfschulen in Rosenheim und Prien. Man soll weniger Zuschüsse erhalten.

Ab August diesen Jahres sollen Privatschulen weniger staatliche Zuschüsse erhalten. Die Betreiber können diesen geplanten Beschluss nicht nachvollziehen und befürchten, gegenüber den staatlichen Schulen ins Hintertreffen zu geraten.


Die Staatsregierung will 6,8 Millionen Euro einsparen, indem sie die Zuschüsse für private Volksschulen kürzt. Geplant ist derzeit, das Geld für die Schülerbeförderung von 100 auf 80 Prozent zu senken. Außerdem sollen die Baukostenzuschüsse von 80 auf 70 Prozent reduziert und eine Sachkostenpauschale eingeführt werden. Betroffen von diesen Sparmaßnahmen wären vor allem die genehmigten Ersatzschulen.

Mit Aktionen, Unterschriftensammlungen und Gesprächen versuchen die Betreiber der privaten Schulen die geplanten Kürzungen noch zu verhindern. Mit heftigen Protesten reagieren auch die Montessori-Schule in Rohrdorf und die Waldorfschulen in Rosenheim und Prien.


"Dieses Vorhaben ist überhaupt nicht nachvollziehbar", stellt Susanne Zeisig, Geschäftsführerin der Waldorfschule in Rosenheim fest.

Über 300 Buben und Mädchen aus der Stadt Rosenheim und dem Landkreis werden in dieser Waldorfschule unterrichtet. Die geplanten Kürzungen bestürzen nicht nur die Betreiber, sondern auch viele Eltern. "Die privaten Schulen werden damit massiv benachteiligt. Mir kommt es vor, als wolle die Regierung diese Schulen gezielt eindämmen", mutmaßt ein Vater. Warum man den Rotstift nur bei privaten Schulen ansetze, sei nicht nachvollziehbar: "Die Einsparungen machen nur 0,75 Prozent des derzeitigen Haushalts des Kultusministeriums aus. Das ist sehr gering. Der Schaden, der damit angerichtet wird, ist aber immens hoch."

Wird der Plan des Kultusministeriums tatsächlich umgesetzt, müssen im Fall der Waldorfschule Rosenheim die Eltern mit Kürzungen der Schülerbeförderung im Grundschulbereich rechnen.

Zu scheitern droht außerdem der für die Zukunft geplante Bau einer eigenen Turnhalle wegen der Kürzung der Baukostenzuschüsse. "Unter dem Strich fehlen uns dafür dann 180.000 Euro", rechnet Susanne Zeisig vor. Mangels Geldnot sei es schon jetzt kaum mehr möglich, neue Waldorfschulen in Bayern zu bauen. Dieses Problem würde sich in Zukunft verstärken.

Die Sparmaßnahmen würden letztendlich immer die Eltern treffen. "Wenn die Zuschüsse immer geringer ausfallen, muss das Schulgeld irgendwann zwingend erhöht werden", erklärt der Geschäftsführer der Priener Waldorfschule, die derzeit 577 Kinder und Jugendliche besuchen.

Speziell in Prien steht aber nach den Worten von Pröbstl eine Schulgelderhöhung derzeit noch nicht im Raum: "Unsere Schule ist voll ausgebaut und damit belasten uns die Sparmaßnahmen zum Glück weniger als die Schulen, die sich noch im Aufbau befinden."

Anders sieht es in der Montessori-Schule in Rohrdorf aus. "Die Kürzungen betreffen uns sehr stark", rechnet sich Geschäftsführer Robert Wiesmeier aus. Mit einer einheitlichen Pauschale könnte er sich ebenso wie auch Dr. Albert Pröbstl durchaus anfreunden.

Der derzeitige Plan der Regierung führe jedoch zu einer "deutlichen Schieflage". "Es ist eben ein Unterschied, ob ein Träger monatlich seine Miete zahlen muss oder ein Gebäude mit staatlichen Zuschüssen gekauft oder gebaut hat. Eine Rolle spielt es auch, ob sich eine Schule auf dem Land oder in der Stadt befindet. Das alles wird nach derzeitigem Stand nicht berücksichtigt", kritisiert Wiesmeier.

Um die Regierung doch noch zum Umdenken zu bewegen, hat die Montessori-Schule in Rohrdorf schon einige Aktionen durchgeführt. Außerdem wurden zahlreiche Gespräche mit Politikern geführt. Ob das was gebracht hat, bleibt abzuwarten. Die endgültige Entscheidung soll im März fallen.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Kommentare