Ein profilierter Außenpolitiker

Bonn/Rosenheim - Elf Jahre lang saß er für die Region im Bundestag, am Samstag ist Hans Graf Huyn nach schwerer Krankheit in Südtirol gestorben. Er wurde 81 Jahre alt.

Hans Graf Huyn.

Als Sohn eines deutschen Diplomaten wurde Huyn 1930 in Warschau geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften, Philosophie und Geschichte sowie Sprachstudien legte er 1954 die juristische Staatsprüfung ab. Ein Jahr später trat er in den Auswärtigen Dienst, nahm an den EWG-Verhandlungen in Brüssel teil und durchlief mehrere diplomatische Stationen. 1965 schied Huyn nach einer Indiskretionsaffäre auf eigenen Wunsch aus dem diplomatischen Dienst aus. Er hatte gegenüber dem Bundestagsabgeordneten Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg (CSU) behauptet, der CDU-Außenminister Gerhard Schröder verfolge ohne Wissen des Bundeskanzlers eine Außenpolitik, die das deutsch-französische Verhältnis belaste. Huyn hatte sich bei dieser Indiskretion auf sein Gewissen berufen. Teile der Öffentlichkeit vermuteten aber darin einen Versuch, Schröder als Außenminister abzusetzen.

Danach war Huyn von 1971 bis 1976 außenpolitischer Berater von Franz Josef Strauß im Bundestag. 1976 wurde er erstmals von der CSU als Rosenheimer Wahlkreisabgeordneter aufgestellt und zog insgesamt dreimal in den Bundestag ein. Hier profilierte er sich als ausgewiesener Außenpolitiker. Er war Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, des Innerdeutschen Ausschusses und des Verteidigungsausschusses sowie außenpolitischer Sprecher der Bundestags-CSU.

Im Dezember 1985 verlor Huyn überraschend seine Rosenheimer Wahlkreiskandidatur an Wolfgang Zeitlmann. Im Gegenzug erhielt er einen als sicher geltenden Platz auf der CSU-Landesliste. Doch wegen der Verluste der Unionsparteien bei der Bundestagswahl 1987 reichte es nicht mehr für ein Mandat.

Graf Huyn ist Autor diverser Bücher, die sich vor allem mit der Ostpolitik und der Sowjetunion befassen. Als bekennender Katholik war er lange Zeit in der "Kirche in Not - Ostpriesterhilfe" tätig, deren Vorsitzender er zeitweise auch war. Nach dem Tod seiner Frau 2004 hatte er sich ins Privatleben zurückgezogen. Zuletzt lebte er in Südtirol. Hans Graf Huyn war Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Bayerischen Verdienstordes.

ku/re/Oberbayerisches Volksblatt

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