Reigen vergnüglicher Versuchungen

Stephanskirchen - Süß und bitter zugleich können Versuchungen schmecken: Die Folgen sorgen in der aktuellen Inszenierung der Theatergruppe der Jungbauernschaft für zahlreiche amüsante Verwicklungen.

Am Freitag um 20 Uhr findet die nächste Vorstellung statt. Weitere Vorstellungen von „Die Versuchung des Aloysius Federl“ finden am Samstag sowie am Freitag, 11., und Samstag, 12., sowie am Samstag, 19. November, um 20 Uhr beim Antretter statt.

1958 im Berchtesgadener Land: Die frechen 60er-Jahre haben noch nicht an die Tür der Zeit geklopft, die dörfliche Gemeinschaft ist in ein enges moralisches Korsett eingeschnürt. Doch auch die auf ihre Ehrbarkeit pochenden Bürger - allen voran der Bürgermeister, (schön schmierig: Wolfgang Kozsar) und seine ebenso bigotte wie resolute Ehefrau (gewohnt gut: Magdalena Sandbichler) - sind Versuchungen erlegen, die es zu kaschieren gilt. Jahrzehntelang hat die Bewahrung des Scheins funktioniert, doch dann bricht das Kartenhaus der Lügen zusammen.

Das sind die klassischen Zutaten, aus denen die Komödie "Die Versuchung des Aloysius Federl" von Holger Zimmermann besteht. Die Theatergruppe der Jungbauernschaft Stephanskirchen entwickelte aus dem Stück einen amüsanten Reigen dörflicher Intrigen, Verwicklungen und Enthüllungen, ausgelöst durch eine Erpressung, die in der Komödie ein Hausierer auf der Durchreise startet. Wast Lechner ist diese Rolle auf den Leib geschneidert: Er verkörpert den Sterzinger als schlitzohrigen Intriganten, der trotz aller Lügenspinnerei einen sympathischen Kern besitzt.

Eine Hauptrolle spielt auch das rote Notizbuch der verstorbenen Dorfhebamme, in das diese die Namen der Eltern aller Babys der vergangenen Jahrzehnte geschrieben hat - eine Liste in Besitz des Hausierers, die so manche überraschende Information über die wahren Familienverhältnisse aufweist und die dörfliche Ordnung durcheinander bringt. Wer der wahre Vater von wem ist, das spukt auch dem Pfarrer im Kopf herum, bei dem so manche Beichte geleistet worden ist. Den Geistlichen, einen bodenständigen Kirchenmann, spielt Stephanskirchens neuer Bürgermedaillenträger Gerhard Scheuerer. Gleich zu Beginn legt Scheuerer als Pfarrer mit dem zu Gast weilenden Bischof (Gerd Heigl) ein Tänzchen aufs Parkett - eine von vielen köstlichen Szenen der Inszenierung. Dafür sorgen auch die Frauen des Dorfes (Irmi Gebauer, Monika Di Pietro, Irene Wietzorek und Martina Himmelstoß), die auf der Jagd nach dem Notizbuch sogar vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschrecken. Und natürlich darf auch eine Quadratratschn (Christine Zäch) nicht fehlen, die ihre spitze Zunge nicht im Zaun halten kann. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz: Das junge Paar - Sepp Liedl als unbeholfener Lois und Sonja Spielvogel als süße 60er-Jahre-Augenweide - wird zum Opfer alter Lügengebäude. Ebenso wie die Pfarrersköchin (Annette Forstner), die auch die Offenbarungen des Notizbuches zu fürchten hat. Überall lauern zudem aktuelle Versuchungen - in Person einer verführerischen Chantal (Magdalena Forstner) und eines Nebenbuhlers (Bernhard Lex).

Gut gelang es der Theatergruppe unter der Regie von Bernhard Stanek, auch Szenen mit Tempo und vielen gleichzeitig agierenden Schauspielern zu gestalten. Erstmals kam eine Simultanbühne zum Einsatz, die parallel zwei Bilder zeigte: den Pfarrhof und die Pfarrküche. Das stimmungsvolle Bild rundeten Gewänder aus der Nachkriegszeit und die passenden Frisuren sowie die Theatermusiker ab. Die Premierengäste zollten dem Komödienabend ordentlich Applaus.

Weitere Vorstellungen von "Die Versuchung des Aloysius Federl" finden am heutigen Freitag und morgen, Samstag sowie am Freitag, 11., und Samstag, 12. sowie am Samstag, 19. November, um 20 Uhr beim Antretter statt.

Kartenvorbestellung im SteWa-Markt Stephanskirchen, Telefon 08036 / 306631, oder unter www.theatergruppe-stephanskirchen.de.

OVB/duc

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