Reizvolle Kutschfahrt am Fuße des Wendelsteins

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Gezogen von zwei Kaltblütern wird - so das Angebot der Aib-Kur und der örtlichen Kurverwaltung - die Gegend von Bad Feilnbach erkundet. Fotos

Bad Aibling/Bad Feilnbach - Eine Kutschfahrt am Fuße des Wendelsteins ist wie ein Eintauchen in eine andere Zeit. Angeboten wird sie von den Aiblinger und Feilnbacher Kurverwaltungen.

Eineinhalb Stunden scheint die Uhr langsamer zu ticken, wenn die Teilnehmer am Angebot der Aiblinger und Feilnbacher Kurverwaltungen mit eine Reise in eine beschauliche und friedliche Gegenwart machen, in der die Vergangenheit immer wieder bildhaft auflebt.

Kutscher Michael Kriechbaumer erklärt die Besonderheiten der Natur.

Michael Kriechbaumer, ein waschechter Feilnbacher, liebt seine Heimat. Er verfügt über ein enormes Wissen und lässt alle Interessierten gern daran teilhaben. Seit 16 Jahren bietet er Führungen durch den Kurort an. Mit einer Kutsche - gezogen von zwei stattlichen Süddeutschen Kaltblütern - werden die Gäste am Rathaus jeden Dienstag um 14 Uhr abgeholt und in die landschaftliche Idylle "entführt".

Vorbei am ehemaligen Feilnbacher Skiberg mit seinen zwei Sprungschanzen geht die Fahrt durch das "bayerische Meran", wie die Hänge mit den über 30.000 Obstbäumen wegen des milden Klimas genannt werden. Ein Blütenmeer und das saftige Grün der Wiesen verzaubern, ebenso die "schlafende Jungfrau", eine Bergkette im Hintergrund. Weiter geht es vorbei auf der Wendelsteinstraße, die Richtung Jenbachtal und Wirtsalm führt.

Entlang dieser Straße befinden sich drei ehemaligen Sägewerke, zwei Mühlen und eine Bürstenfabrik. Obwohl die Anlagen stillgelegt sind, erzeugen die Turbinen Strom - mit Hilfe unterirdisch abgeleitetem Wasser des Jenbachs. Wie die Gäste erfahren, ist geplant, in einem Sägewerk eine Schausäge für Besucher einzurichten.

Hoch auf dem Wagen sind diese Kurgäste unterwegs.

Die Pferde beschleunigen routiniert den Berg hinauf Richtung Leibl-Weg und Malerwinkel, dem Aussichtspunkt, der ein beliebter Treffpunkt der Maler Leibl und Sperl war. Auf dem Weg nach Kutterling finden sich noch ein Rothirschgehege und ein Hühnerstall, bei dem man sich an den Eiern gegen Bezahlung selbst bedienen kann. Kirschbäume, am Hang geschützt vor Frost, säumen den Weg zur Wilhelm-Leibl-Linde, einem Baum, der 1873 zum Gedenken an den Maler gepflanzt wurde.

Ein Hochzeitsbaum schmückt den Garten eines Einfamilienhauses in Derndorf. Er wurde von mindestens 30 Mann aufgestellt und bleibt ein Jahr oder bis zur Geburt eines Kindes dort stehen. Ein weiteres Kleinod ist das berühmte Wilhelm-Leibl-Haus, das noch bewohnt ist und unter Denkmalschutz steht. Die Fahrt zurück geht über Wiesen und Felder. Die Weitläufigkeit der Landschaft und der unverstellte Blick auf Breitenstein, Wendelstein und Zahmen Kaiser berühren den Betrachter.

Unaufdringlich, kurzweilig und nebenbei erzählt Michael Kriechbaumer Anekdoten und Geschichten aus der Region. So wird auch der Verbleib einer verschwundenen Kunst-Uhr mit Darstellungen aus dem Lebenslauf Jesu geklärt, die jahrelang in einer Garage in Wiechs zu bewundern war und viele Interessierte anlockte. Diese wurde verkauft und befindet sich nun in Baierbach beim Gockerlwirt.

Nicht weniger interessant der geschichtliche Hintergrund, warum sich gerade in dieser Region eines der größten Zuchtgebiete für Süddeutschen Kaltblütler befindet und die Tatsache, dass vor dem Zweiten Weltkrieg jeder Bauer solche Rösser besaß und täglich wohl 120 davon in den Bergen waren.

Wieder in Bad Feilnbach angekommen endet die insgesamt acht Kilometer lange Fahrt am Ausgangspunkt.

Begeistert zeigte sich Teilnehmer Werner Richter, der mit seiner Ehefrau Helga bereits seit über 40 Jahren jedes Jahr mindestens einmal in Bad Feilnbach Urlaub macht. Er erinnerte sich daran, bereits im Jahr 1968 in Feilnbach die Skischanze befahren zu haben. "Ich liebe diese Landschaften, die Gaststätten und die Leute überhaupt. Ich kann einem Bayern stundenlang begeistert zuhören", schwärmte der Besucher, der aus der Gegend um Würzburg stammt. Bei den Kutschfahrten werden verschiedene Routen angeboten. Für Familien mit Kindern empfiehlt sich die Fahrt zu den Sterntaler Filzen. Dort befindet sich ein Naturlehrpfad mit Spiel- und Picknickmöglichkeit zum "Moorerlebnis", einem interessanten Lehrpfad.

Anmeldung

Anmeldung zur heutigen Kutschfahrt im Haus des Gastes, Telefon 0 80 61 / 90 80-0. Der RVO-Bus fährt in Bad Aibling um 13.05 Uhr am Bahnhof ab, Ankunft um 13.35 Uhr in Bad Feilnbach. Rückfahrmöglichkeiten um 15.35 Uhr (Anschluss Moorexpress). Bei Regen entfällt die Fahrt.

hal/Mangfall-Bote

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