Erneut Unterschriften für Kreisel

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Riedering - Lange haben die Riederinger für "ihren" Verkehrskreisel gekämpft, der Gemeinderat aber stimmte für die Ampel. Eigentlich eine endgültige Entscheidung. Eigentlich:

Lange haben die Riederinger für "ihren" Verkehrskreisel gekämpft. Doch am Schluss stimmte der Gemeinderat Ende des vergangenen Jahres nach langen Diskussionen größtenteils widerwillig für die "intelligente" Ampel. Eigentlich eine endgültige Entscheidung. Trotzdem gibt es jetzt noch einmal Widerstand.


Bereits vor zwei Jahren gab es eine Unterschriftenaktion für den Verkehrskreisel. 1500 Bürger konnten damals mobil gemacht werden, letztendlich vergebens. Vor einer Woche startete Veronika Lutz erneut eine Unterschriften-Sammlung. Rund 300 Riederinger trugen sich innerhalb weniger Tage ein. "Das ist kein Wunder. Ich bin mir sicher, 90 Prozent der Riederinger wünschen sich immer noch einen Kreisel", meint die 29-Jährige, die mit ihrer Familie direkt an der betreffenden Kreuzung in der Ortsmitte wohnt.

Besonders wichtig ist Veronika Lutz der ästhetische Aspekt. "Ein Kreisel schaut viel schöner aus als eine Ampel", ist sie überzeugt. Genau dieses Detail hob sie bei ihrer Unterschriftensammlung besonders hervor. Auf eine verkehrstechnische Betrachtungsweise verzichtete sie lieber: "Da bin ich nicht der Experte". Allerdings ist sie sicher, dass die jetzt beschlossene Ampellösung nicht unbedingt mehr Sicherheit in den Straßenverkehr Riederings bringt: "Da sehe ich auch Unfallpotenzial."


Den Gemeinderäten lastet sie keine Schuld für ihre Entscheidung an: "Ich weiß, dass sie eigentlich für den Kreisel waren, sich aber schließlich der Meinung des Bauamtes beugen mussten."

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Das staatliche Bauamt ist für die Staatsstraße von Rosenheim nach Frasdorf zuständig. Die kreuzt an der betreffenden Stelle die Kreisstraße vom Simssee nach Niedermoosen. Dafür trägt der Landkreis die Verantwortung. Dieser sprach sich ebenfalls gegen die Kreisel-Lösung aus, ebenso wie die Polizei und das "aus gutem Grund", wie Baudirektor Claus-Peter Olk gestern im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erläuterte. "Aufgrund der dort baulichen Situation ist ein Kreisel niemals möglich", betont er. 26 Meter müsse der Außenradius eines Verkehrskreisels auf jeden Fall aufweisen, um auch Lastwagen gerecht zu werden. Darunter gehe gar nichts. Im Fall von Riedering standen zwar eine Zeit lang verschiedene Kreisel-Varianten zur Debatte. Jede sei deutlich unter dem vorgeschriebenen Radius gelegen.

Darum hält Olk nach wie vor an der Ampellösung fest. "Diese sieht auf jeden Fall ansprechender aus als die derzeitige Betonwüste und sorgt für wesentlich mehr Sicherheit." Die ist nach seinen Worten auch nötig. Tatsächlich sei eine Unfallhäufigkeit an dieser Stelle zu verzeichnen. Allerdings noch nicht in einem Ausmaß, dass eine Verbesserung der Straßensituation zwingend vom Gesetz vorgeschrieben werden könnte: "Wenn es sich die Gemeinde also noch einmal anders überlegt, belassen wir alles beim Alten."

Veronika Lutz will die Unterschriften heute im Staatlichen Bauamt an den Baudirektor übergeben. Der ist aber eigentlich der Meinung, dass die Liste in der Gemeinde besser aufgehoben sei.

Die Gemeinderäte sehen das genau andersherum. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde bereits kurz über die neue Unterschriftenaktion gesprochen. Die mehrheitliche Meinung dazu lautete: "Die können schon Unterschriften sammeln. Aber abgeben müssen sie diese im Bauamt."

Eines stand für Olk gestern ganz klar fest: "Ich ändere meine Meinung auch durch diese neue Unterschriftenaktion nicht mehr."

Ob Veronika Lutz an diesem Denken heute doch noch etwas ändern kann, bleibt abzuwarten. Sie zeigte sich allerdings sehr zuversichtlich: "300 Bürger haben eine lautere Stimme als ein paar Gemeinderäte. Das hilft vielleicht doch noch."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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