Produzent bleibt auf Ware sitzen

„Es geht um Leben, nicht um Cents“: Riederinger ärgert sich über Maskendeals des Freistaats

Klaus Unterseer versteht die Welt nicht mehr. Da fördert der Bund den Umstieg auf die Produktion von FFP2-Masken mit 60 Millionen Euro und dann kommen bei Ausschreibungen der bayerischen Staatsregierung Händler chinesischer Masken zum Zug.

Riedering – Als 2020 der Aufruf von Bund und anderen kam, dass möglichst viele Unternehmen auf die Produktion von FFP2-Masken umsteigen sollten, wurde Klaus Unterseer, Inhaber der Printex24 Textilveredelung mit Sitz in Riedering, aktiv. Ein zweites Standbein schadet nicht, habe er sich gedacht. „Und ich alter Zivi helfe sowieso gern“, sagt Unterseer.

30 Prozent Zuschuss bei Maschinenkauf

Eine knappe Million Euro hat Unterseer in dieses zweite Standbein investiert. Er schaffte sich erst eine, dann zwei weitere Maschinen an, bekam auch die Förderung von 30 Prozent des Kaufpreises, verpflichtete sich, die Maschinen zwei Jahre im Betrieb zu behalten. Kaufte weitere benötigte Gerätschaften. Schuf mehrere Arbeitsplätze. Parallel schob er die Zertifizierung an – „die ist ziemlich umfangreich und komplex“ – und die Fertigung in Höslwang war im Oktober zertifiziert.

Die Produktion begann, mit Grundmaterialien aus Deutschland, in Oberbayern. Die fünflagigen Masken ließ und lässt Unterseer nach eigener Aussage wöchentlich prüfen. Er will sicher sein, dass die Qualität stimmt. Der Absatz war gut – bis etwa Ende Januar.

„Dann fingen die Supermärkte an, chinesische Masken zu verschleudern, Altenheime und Krankenhäuser waren plötzlich mit chinesischen Masken überflutet und auch die Apotheken verkaufen meist chinesische Produkte“, so Unterseer. Seitdem ist sein Absatz so zusammengebrochen, dass er Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste.

Ladkreis und Region könnte er leicht versorgen

Seine Produktionskapazität sei groß genug, um den Landkreis Rosenheim und die Region dauerhaft versorgen zu können, sagt Unterseer. Momentan habe er zudem 1,3 Millionen Masken auf Lager.

Von Ausschreibung ausgeschlossen

Was Unterseer besonders ärgert: Bei einer Ausschreibung des bayerischen Gesundheitsministeriums für den Kauf von Masken für das Pandemie-Zentrallager hätten er und seine Kollegen aus München, Landshut und Passau nicht einmal Masken zur Ansicht einreichen dürfen. „Erst rufen sie um Hilfe, fördern uns – und dann das?“

Am Preisunterschied alleine könne das nicht liegen, so Unterseer. Denn der betrage bei entsprechender Menge vielleicht zehn Cent pro Maske. Und die bekomme der Staat über die Steuer auf seine Gewinne und über die Einkommenssteuer seiner Angestellten wieder herein. „Dass die chinesischen Masken für den Staat tatsächlich günstiger sind, halte ich für eine Milchmädchenrechnung.“

„Produzieren, was sie wollen“

Und bei den FFP2-Masken gehe es nicht um ein paar Cent, sondern um Menschenleben. Er wisse von Fremdkörpern in Masken aus chinesischer Produktion. Denn da werde eine gute Maske zur Zertifizierung geschickt „und hinterher produzieren die, was sie wollen.“

Chinesische Masken von Töginger Händler

Der Händler aus Töging, Landkreis Altötting, der ein Los der Ausschreibung der Staatsregierung an der Unterseer nicht teilnehmen durfte, an Land zog, vertreibt Masken aus China. Auf seiner Homepage findet sich ein Dokument eines Prüflabors in Guangzhou vom 19. März 2020, in dem steht, das ein Test an einer einzelnen Maske des Herstellers vorgenommen wurde. Das Ergebnis sei keine Bewertung der gesamten Produktion, heißt es in der beiliegenden englischen Übersetzung. Auch sei es dem Hersteller nicht erlaubt, das Logo des Prüflabors zu verwenden.

Warnungen fast nur für chinesische Masken

Die von Unterseer angesprochene mangelhafte Qualität der Masken aus der Volksrepublik China lässt sich auf der Internetseite „produktwarnungen.eu“ nachvollziehen: Dort sind, Stand 15. April, 67 Warnungen und Rückrufaktionen von FFP2-Masken veröffentlich. Diese Masken wurden nahezu ausschließlich in der Volksrepublik China produziert.

Bayern ruft China-Masken zurück

Besonders pikant: Der Freistaat Bayern rief im März Masken aus chinesischer Produktion zurück: Sie seien aufgrund fehlender Schutzwirkung als „bedenklich“ eingestuft. Diese Masken waren zuvor kostenlos an Bedürftige abgegeben worden.

„Meine Kollegen und ich haben uns in sämtliche Richtungen bemüht. Bei Großunternehmen ebenso nachgefragt wie bei Krankenhaus- und Altenheimbetreibern. Und auch bei Politikern. Ohne Ergebnis. Wir hängen in der Luft.“ Klaus Unterseer versteht die Welt nicht mehr.

Rubriklistenbild: © Frank Molter/dpa

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