Enormer Andrang bei Brenner-Nordzulauf-Veranstaltung

"Kritische Stimmen wurden da bewusst verschwiegen"

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Rohrdorf - Eine weitere Informationsveranstaltung zum Thema Brenner-Nordzulauf fand am Mittwochabend in der Gemeinde Rohrdorf statt. Der Andrang war groß.

Es mussten extra noch Stühle aufgestellt, die Sporthalle "Turnerhölzl" vergrößert werden, so enorm war der Andrang bei der Bürgerinformationsveranstaltung am Mittwochabend in Rohrdorf zum Thema Brenner-Nordzulauf.

Die Korridoruntersuchungen zum Brenner-Nordzulauf sind in vollem Gage und das Thema polarisiet. Viele Gemeinden haben bereits Widerstand gegen die Planungen der Bahn angekündigt. Landrat Wolfgang Berthaler, Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sowie 22 Umland-Bürgermeister erwirkten sogar einen Planungsstopp. Nun soll sogar eine Resolution an Bundesverkehrsminister Dobrindt verfasst werden und ein Mediator im Dialogverfahren eingesetzt werden.

Bürgermeister findet klare Worte

Christian Praxl, erster Bürgermeister der Gemeinde Rohrdorf freute sich, dass so viele gekommen waren. Er fand auch gleich klare Worte: "Das Dialogverfahren wurde gestoppt bis Bundesverkehrsminister Dobrindt kommt. Er soll dann Rede und Antwort stehen. Wir haben dafür einen Fragenkatalog an den Verkehrsminister zusammengestellt." Die Gemeinde Rohrdorf hatte in der Vergangenheit absichtlich die nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Karte mit den Korridorüberlegungen der Bahn ohne Absprache veröffentlicht. "So viel zur Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung."

Die Aussagen von Landrat Wolfgang Berthaler und der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig, dass Einigkeit bestehe, entsprechen seiner Meinung nicht der Wahrheit. "Kritische Stimmen wurden da bewusst verschwiegen", so der Bürgermeister abschließend.

Planungen sollen mehr im Dialog mit den Bürgern stattfinden

Im Anschluss hielt Thomas Riedrich, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins "Brennerdialog Rosenheimer Land e.V." einen ausführlichen Vortrag über den Ursprung der Thematik, welche Auswirkungen auf Rohrdorf zukommen könnten und was man selber konkret tun könne.

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Riedrich betonte einmal mehr, dass der Verein Brennerdialog Rosenheimer Land grundsätzlich für einen Ausbau sei. Nur müssten die Planungen dafür mehr im Dialog mit den Bürgern der betroffenen Gemeinden stattfinden, dazu soll das Gespräch mit der Bahn gesucht werden. Konkret würde gefordert, den Zeitplan aufzuschieben und Planungsgespräche mit den Betroffenen zu suchen.  Die Planungen für weiterführende Projekte wie den Ostkorridor müssten außerdem sofort eingestellt werden. Außerdem müsse der tatsächliche Bedarf der Gleise erneut unabhängig geprüft werden.

Auswirkungen auf die Gemeinde

Riedrich legte im weiteren Verlauf seines Vortrags auch mögliche Auswirkungen auf die Gemeinde Rohrdorf dar und zeigte Bilder, wo der Korridor verlaufen könne. Das könnten nach senen Ausführungen die möglichen Auswirkungen und Folgen sein:

  1. Abtretung von Flächen / Enteignung
  2. Eintragung einer Grunddienstbarkeit im Grundbuch
  3. Bodenschäden
  4. Gebäudeschäden
  5. Lärmbelastung
  6. Dreck und Feinstaub
  7. Erschütterungen und Vibrationen
  8. Wertverlust der Immobilien

Weiter kritisierte Riedrich die Vorgehensweise der Bahn: "Es liegt auf der Hand, dass das Taktik ist, die Bürger so spät wie möglich mit einzubeziehen, weil die Eingriffsmöglichkeiten dann geringer sind." Die sieben Forderungen an die Planer seien jedoch die richtige Richtung. Sein Appell geht an alle Bürgerinnen und Bürger: Sie können sehr wohl etwas tun. Das Gründen einer Bürgerinitiative oder einer Interessensgemeinschaft soll keine Krawallmacherei sein sondern Angst nehmen."

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