Bürgerinitiative: Noch viel Feinplanung nötig

Rohrdorf - Die Planungen zum sechsspurigen Ausbau der A8 gehen voran. Die Planungen zu einem ausreichenden Lärmschutz sieht die Bürgerinitiative aber nicht gegeben.

Der Planungsdialog ist seit einem Jahr abgeschlossen und die Arbeiten für den Vorentwurf gehen voran. In trockenen Tüchern sieht Josef Schmid, der Vorsitzende der Bürgerinitiative "A8 Rohrdorf-Achenmühle - Für eine lebenswerte Zukunft in unserer Heimatgemeinde", einen effektiven Lärmschutz im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus der Salzburger Autobahn dennoch nicht.


Nun müsse im Hinblick aufs Wahljahr 2013 auf politischer Ebene möglichst schnell grünes Licht für die geplanten Maßnahmen eingeholt werden, die weit über den in der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung vorgesehenen Rahmen hinaus gehen. Die Autobahndirektion Südbayern habe zwar den Bau acht Meter hoher Schutzwände in die Planung aufgenommen, die in Achenmühle auf einer Länge von 800 Metern - jeweils 400 Meter östlich und westlich der Autobahnbrücke - den Lärm eindämmen sollen. Durch einen Regierungswechsel jedoch und mit einem Bundesverkehrsminister, der anders als Peter Ramsauer (CSU) diesem nicht-standardmäßigen Lärmschutz ablehnend gegenüberstehe, "könnte alles, was mühsam erkämpft wurde, nur noch Makulatur sein", unterstrich auch Bürgermeister Christian Praxl bei der Jahreshauptversammlung die Dringlichkeit der Angelegenheit.

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Zugleich sieht Josef Schmid mit der Feinplanung noch viel Arbeit auf die Bürgerinitiative zukommen. Denn "noch sind empfindliche Details offen", wie etwa der Gradientenverlauf, der Höhenverlauf der Fahrbahntrasse also, der enorme Abgrabungen beziehungsweise Aufschüttungen zwischen Apfelkam und Daxa erfordere. "Der Übergang der Wälle und Wände in die Landschaft muss auf jeden Fall gestalterisch vernünftig gelöst werden", betont er. Ebenso werde über die genaue Lage der neuen Autobahneinfahrt Richtung München und der künftigen Straße nach Geiging noch im Detail zu sprechen sein. Bürgermeister Christian Praxl wies darüber hinaus auf die Notwendigkeit von Deponieflächen hin, die letztlich auch als Sicht- und Schallschutz dienten. Er hofft hier auf ein Entgegenkommen der Grundstückseigentümer.


Massive Kritik übte Bürgerinitiativenchef Josef Schmid vor den rund 35 Zuhörern am organisatorischen Ablauf des eineinhalbjährigen Planungsdialogs, in den nicht nur Ehrenamtliche aus Achenmühle viel Zeit und Arbeit investiert haben: "Es gab weder für alle Beteiligten verbindliche Spielregeln noch eine Verbindlichkeit der Ergebnisse." Ebenso wenig sei beispielsweise die Bereitstellung von Informationen geregelt gewesen. Ihm bleibe nun nur die Hoffnung, dass die Interessierten an künftigen Dialogverfahren - etwa für die Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel durchs Inntal - ihre Lehren aus diesen Erfahrungen ziehen mögen.

Proteste gegen geplanten A8-Ausbau

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Aber auch das Ergebnis des Planungsdialogs selbst hatte Anfang vergangenen Jahres für große Ernüchterung gesorgt. Bereits in der Anfangsphase war der in den Augen der Bürgerinitiative optimale Lärmschutz, eine knapp 1.400 Meter lange Einhausung zwischen Achenmühle und Daxa, aus Kostengründen verworfen worden. Achenmühle, hieß es dazu im Bewertungsverfahren, weise weder städtebauliche noch landschaftliche Merkmale wie beispielsweise Entwicklungsschwerpunkte oder Schutzgebiete auf, die den Bau einer Einhausung rechtfertigen würden. Letztlich war an der südlichen Fahrbahn eine 400 Meter lange Galerie vorgesehen, die nach Ansicht von Bürgerinitiative und Gemeinde für einen zufriedenstellenden Lärmschutz jedoch bei Weitem nicht ausgereicht hätte. Ihrer Forderung nach einem mindestens doppelt so langen Bauwerk verliehen sie unter anderem mit einem Schreiben an alle beteiligten Entscheidungsträger Nachdruck. Zumal der Bund bei der Galerielösung indirekt Mehrkosten von rund zehn Millionen Euro für den Immissionsschutz zugestanden habe. Im Herbst schließlich kam bei einem Treffen mit der bayerischen Staatsbauverwaltung im Maximilianeum die Zusage für die 800 Meter lange bis über den Standstreifen gekrümmte Lärmschutzwand, die auch Thema beim jüngsten Ortstermin mit Vertretern der Autobahndirektion Südbayern und des Landratsamtes sowie der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig war. Zur Teilnahme an einer Gesprächsrunde mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im Rosenheimer Landratsamt sei die Bürgerinitiative allerdings nicht eingeladen worden, ärgert sich Josef Schmid noch heute.

pil/Oberbayerisches Volksblatt

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