Obstbäume waren schützenswert

Umstrittene Abholzung in Rohrdorf: „Ökologische Vollkatastrophe“ oder Gefahr für Kinder beseitigt?

Alte Obstbäume hat der Besitzer einer Streuobstwiese in Rohrdorf gefällt. Die Bäume seien krank und damit eine Gefahr gewesen, sagt er. Die Untere Naturschutzbehörde stufte die Obstbäume als schützenswert ein und leitete ein Verfahren gehen den Eigentümer ein.
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Alte Obstbäume hat der Besitzer einer Streuobstwiese in Rohrdorf gefällt. Die Bäume seien krank und damit eine Gefahr gewesen, sagt er. Die Untere Naturschutzbehörde stufte die Obstbäume als schützenswert ein und leitete ein Verfahren gehen den Eigentümer ein.

Der Eigentümer einer Streuobstwiese in Rohrdorf sieht in den alten Obstbäumen, die zum Teil schon Äste verloren, eine Gefahr für spielende Kinder und fällt Bäume. Die Untere Naturschutzbehörde sprich von einer „ökologischen Vollkatastrophe“ und untersagt die Arbeiten. Jetzt sind die Juristen dran.

Rohrdorf – „Das ist eine ökologische Vollkatastrophe“ Mit diesen Worten, so berichtete Bürgermeister Simon Hausstetter(Bürgerblock) in der letzten Gemeinderatssitzung, habe die zuständige Sachbearbeiterin bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises die teilweise Abholzung einer Streuobstwiese in Rohrdorf kommentiert.

Am vergangenen Samstag war auf einem privaten Grundstück, das an das Rohrdorfer Feuerwehrhaus angrenzt, ein alter Obstbaumbestand zu einem Teil gefällt worden.

Baumbestand schützenswert

Wie Hausstetter dem Gemeinderat erläuterte, ist dies für ihn vor allem deshalb prekär, weil erste Fällarbeiten schon am Donnerstag zuvor unternommen worden waren. Als Anwohner dies bei der Unteren Naturschutzbehörde meldeten, waren von dort drei Mitarbeiter gekommen.

Diese hätten, so berichtet Hausstetter aus seinem Gespräch mit der Naturschutzbehörde, den Baumbestand begutachtet, als schützenswert eingestuft und deshalb dem an diesem Tag anwesenden Eigentümer die Weiterarbeit untersagt.

Baumbestand Gefahrenpotential

Für den Eigentümer selbst stellt sich der Sachverhalt jedoch ganz anders dar. Die Bäume auf dem Grundstück seien alt, teilweise seien bereits Äste abgebrochen. Da das Grundstück nicht eingezäunt sei und immer wieder Kinder darauf spielten, habe er hier ein akutes Gefahrenpotential gesehen (Plus-Artikel ovb-onlinde.de).

Weil er aber einen Baumbestand nicht leichtfertig fälle und schon gar nicht, wenn er schützenswert sei, habe er nicht nur auf seine jährliche Kontrolle vertraut, sondern auch diesbezüglich Gutachten erstellen lassen.

Gutachten: „Naturschutzrechtlich unbedenklich“

Diese Gutachten, die er an die Untere Naturschutzbehörde weitergegeben habe, hätten bestätigt, dass die Fläche nicht als Biotop kartiert sei und festgestellt, dass es die entsprechenden Voraussetzungen dafür auch nicht erfülle. Rückschnitte und Fällungen seien deshalb als naturschutzrechtlich unbedenklich anzusehen.

Zusätzlich habe er ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellen lassen, um sicher zu gehen, dass durch Fällungen kein Tierbestand gefährdet würde.

Kräftig die Äste gestutzt wurden weiteren Bäume auf der Wiese neben der Feuerwehr.

Nur zwei Bäume hätten nach dem Gutachten ein mäßiges Potential für einen Fledermausbestand, diese Bäume habe man nicht angetastet.

Bei den anderen habe man Rückschnitte und Fällungen am Samstag wieder aufgenommen, nachdem man am Freitag eine E-Mail des Landratsamtes erhalten habe, die die Wiederaufnahme der Schnittarbeiten gestattet habe. Sämtliche gefällten Bäume seien, so der Eigentümer, tatsächlich stockfaul gewesen.

Polizei kam nach dem Ende der Arbeiten

Die Anwohner des Grundstückes informierten nach Beginn der Arbeiten am Samstag die Polizei. Nach Auskunft der Polizeiinspektion Brannenburg waren die Arbeiten bei Ankunft der Beamten bereits wieder eingestellt, der Sachverhalt wurde aufgenommen und an das Landratsamt gemeldet.

Naturschutzbehörde leitet Verfahren ein

Hausstetter berichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass er von mehreren Bürgern über den Vorfall informiert worden sei und sich deshalb im Laufe der Woche selbst telefonisch bei der Unteren Naturschutzbehörde informiert habe.

Dort sehe man nach seiner Einschätzung den Vorfall offenbar nach wie vor kritisch, weshalb auch ein Verfahren eingeleitet worden sei. Dies bestätigt auch Michael Fischer von der Pressestelle des Landratsamtes, der aber ansonsten zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen will.

Eigentümer hat bisher keine Reaktion vom Landratsamt

Hausstetter hat, wie er dem Gemeinderat erläuterte, aus seinem Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde jedoch den Eindruck mitgenommen, dass man dort möglicherweise auf eine Wiederaufforstung der Streuobstwiese drängen werde.

Der Eigentümer hat nach eigener Aussage bislang von der Unteren Naturschutzbehörde keinerlei Reaktion erhalten.

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