Prügelei auf Autorücksitz

Was als Sandkastenfreundschaft zweier Rohrdorfer begann, endet nach Schlägerei vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Rosenheim trafen sich die ehemaligen Sandkastenfreunde wieder – als Angeklagter und Nebenkläger.
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Vor dem Amtsgericht Rosenheim trafen sich die ehemaligen Sandkastenfreunde wieder – als Angeklagter und Nebenkläger.

Eine lebenslange Freundschaft endete auf der Kreisstraße. Dabei war der Abend mit gemeinsamen Abendessen und diversen Getränken noch so harmonisch, dass die beiden 52-jährigen Rohrdorfer sich von der Ex des einen nach Hause fahren ließen. Mit ihrer Fahrtüchtigkeit war es nicht mehr weit her.

Rohrdorf – Schon während der Fahrt gerieten die zwei alten Freunde, Kollegen und Weggefährten dermaßen in Streit, dass sie sich schon auf der Rückbank prügelten und dies dann auf der Fahrbahn der Kreisstraße RO 5 fortsetzten. Den Auslöser wussten beide vor Gericht, fast zwei Jahre später, nicht.

Fuß in der Autotür angebrochen

Einer der beiden war angeklagt, seinen Spezl blutig geschlagen und ihm in der Autotür den Fuß angebrochen zu haben. Die Fahrerin hatte angehalten, weil der nun Angeklagte hatte aussteigen wollen.

Zunächst aber ging die Rauferei weiter. Der Fahrerin gelang es schließlich, die beiden zu trennen, ihren Ex ins Auto zu setzen und wegzufahren.

Der Angeklagte spricht von Notwehr

Der Angeklagte stellte sein Verhalten als Notwehrakt dar, weil er zunächst von dem Tatopfer im Wagen geschlagen worden sei und sich lediglich dagegen gewehrt habe. Außerhalb des Fahrzeugs hätte er lediglich verhindern wollen, von diesem verfolgt zu werden.

Daher habe er die Fahrzeugtür zugedrückt und dabei den Fuß des Kumpels eingeklemmt. Die anschließende Prügelei habe sich einfach aus der Situation heraus entwickelt.

Renkt sich zwischen Freunden schon wieder ein

Er habe die Geschehnisse bei der Polizei nicht angezeigt oder fotografisch dokumentiert, weil er der Meinung gewesen sei, die Sache würde sich zwischen zwei alten Freunden auch wieder so einrenken.

Der Verletzte erklärte, auch er habe sich aus alter Freundschaft lange überlegt, ob er den Vorfall anzeigen solle. Weil er aber bei sich selber keine Schuld gefunden habe, die zu der Prügelei hätte führen können, sei er schließlich doch zur Polizei gegangen. Bis heute leide er unter den Folgeschäden der damaligen Verletzungen.

Ursache für die Prügelei nicht herusgefunden

Richter, Staatsanwältin und Anwälte versuchten, heraus zu finden, was die Ursache für die Auseinandersetzung gewesen sein konnte. Die verschiedensten Hintergründe wurden beleuchtet, ein konkreter Anlass war jedoch nicht ausfindig zu machen.

Es blieb letztlich bei der Vermutung, beider Alkoholisierung könnte schon länger anhaltende und schwelende Animositäten frei gesetzt haben.

Staatsanwältin: Provokation reine Schutzbehauptung

Die Staatsanwältin sah den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung bestätigt. Sie hielt die Aussagen der Ex-Lebensgefährtin des Opfers für glaubhaft und den Vorwurf der Provokation für eine reine Schutzbehauptung. Deshalb beantragte sie, den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten zu verurteilen.

Weil der Mann nicht vorbestraft war, könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Als Bewährungsauflage beantragte sie ein Bußgeld von 2.500 Euro.

Die Sicht der Anwälte

Der Vertreter der Nebenklage, Dr. Gerd Hartlieb, verwies auf die Spätfolgen der Verletzungen und schloss sich im Übrigen den Anträgen der Staatsanwaltschaft an.

Der Verteidiger, Walter Hoderle, zeichnete die Situation aus der Sicht seines Mandanten nach, hielt die Version einer Bedrohung durch den Verletzten aufrecht und beantragte Freispruch.

Richter glaubt Aussage der Fahrerin

Dem vermochte der Vorsitzende Richter Martin Neidhardt nicht zu folgen. Er beschränkte sich auf die Aussagen der Fahrerin, die eindeutig auf eine Schuld des Angeklagten und der Alkoholisierung hinwies. Zwölf Monate Haft mit Bewährung und eine Geldbuße von 1.500 Euro lautete sein Urteil.

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