„Ich musste bei meiner Mutter das Fenster einschlagen“

Sechs Welpen tot und Mutter gerettet - Rohrdorferin schwer vom Hochwasser getroffen

Waltraud Gruber aus Achenmühle in der Gemeinde Rohrdorf wurde schwer vom Hochwasser getroffen
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Hundezüchterin Waltraud Gruber aus Achenmühle bei Rohrdorf verlor durch das Hochwasser sechs Welpen und einen Großteil ihres Hab und Guts.

Rohrdorf - Waltraud Gruber aus Achenmühle wurde vom Hochwasser vergangene Woche besonders stark getroffen. Über einen halben Meter stand bei ihr und ihrer pflegebedürftigen Mutter das Wasser.

„Ich bin am Dienstagmorgen um 5 Uhr Früh wach geworden, weil ich ein ungutes lautes Rauschen gehört habe“, sagt Waltraud Gruber aus der Austraße in Achenmühle. Direkt neben ihrem Haus läuft der sonst eher ruhige Aubach vorbei, der ein paar Meter weiter in die Rohrdorfer Achen mündet. „Ich habe dann aus dem Fenster geschaut und ein Holzstück vorbeischwimmen sehen. Dann bin ich mit dem Hund raus und stand gleich im Nassen.“

Hochwasser in Rohrdorf nimmt ihr sechs Welpen

Um ihr Haus herum, das in einer kleinen Senke liegt, hat sich durch die schweren Regenfälle vergangene Woche über Nacht ein regelrechter Fluss gebildet, der ungebremst in das Erdgeschoß ihres Hauses lief. Dort hatte die Hundezüchterin sieben Welpen und das Vatertier in einem Zwinger untergebracht. „Ich bin sofort runter zu den Hunden, doch von den Babys hat leider nur eines ��berlebt, die anderen waren bereits ertrunken“, sagt die 60-Jährige sichtlich mitgenommen. „Der Vater ist mir entgegen geschwommen.“ Hüfthoch stand das Wasser im Raum.

Nur ein Welpe und der Vater überlebten.

Ihre pflegebedürftige Mutter, die ebenfalls im Erdgeschoß untergebracht war, hatte Glück im Unglück, denn ihre Wohnung ist durch eine Stahltüre von den Hundezwingern getrennt, so dass das Wasser etwas gebremst in die Wohnung lief. „Ich habe die 112 gerufen und dann bei meiner Mutter das Fenster aufgebrochen, da sie mich nicht gehört hat. Bei ihr stand das Wasser schon etwa 20 Zentimeter hoch.

Die Welpen hatten bei den Wassermassen keine Chance

Über 80.000 Euro Schaden

Der Schaden, den das Wasser bei der Mutter von zwei Kindern anrichtete, ist enorm. Waltraud schätzt die Summe auf über 80.000 Euro. Diverse Maschinen, Böden, Wände - alles zerstört. „Das ist mein Elternhaus. Seit meinem fünften Lebensjahr wohne ich hier und ich habe schon viele Hochwasser miterlebt, aber so schlimm war es noch nie.“ Eine Elementarversicherung kann sich die Rohrdorferin nicht leisten. Wegen Corona hat sie ihren Job verloren und muss sich seitdem mit Nebenjobs behelfen. „Aber ich habe bereits tolle Unterstützung von meiner Hunde-Community bekommen, die mir Futter und ein wenig Geld gespendet haben."

Waltraud bemängelt, dass sie von Seiten der Gemeinde Rohrdorf fast keine Hilfe bekommen habe. „Ich bin absolut auf mich alleine gestellt. Es ist traurig und ich bin stinksauer über dieses schlampige Kriesenmanagement in Achenmühle. Die haben nur drei Container für den Sperrmüll und Hochwasserabfall aufgestellt und das war‘s. Am Hochwassertag selber hat es bis 10 Uhr Vormittags gedauert, bis überhaupt mal wer zu mir gekommen ist und gefragt hat, ob ich Hilfe brauche. Keine Sandsäcke, kein nichts“, erzählt sie. „20 bis 30 Säcke in meiner Einfahrt hätten gereicht, um das Wasser zu stoppen. Beim Nachbarn sind 6.000 Liter Heizöl ausgelaufen. Bisher ist niemand bei mir gewesen, um Bodenproben zu nehmen.“ (Hinweis der Redaktion: Wir haben bezüglich des ausgelaufenen Öls bereits beim Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt Rosenheim angefragt.)

Fast einen Meter hoch stand das Wasser in Waltraud Grubers Untergeschoß

Rohrdorfs Bürgermeister äußert sich zu den Vorwürfen

Die Böschung des Aubachs grenzt direkt an das Grundstück von Waltraud Gruber. Die Böschung ist sichtlich mitgenommen und droht abzurutschen. Da der Damm Gemeindegrund ist, ist hierfür auch die Gemeinde zuständig. Rohrdorfs Erster Bürgermeister Simon Hausstetter sagt hierzu gegenüber rosenheim24.de: „Wir werden uns mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim absprechen, wie wir hier vorgehen, auch mit der Ölkontaminierung. Doch es hat natürlich nicht nur in Rohrdorf das Hochwasser gegeben, weswegen das Wasserwirtschaftsamt momentan extrem belastet ist. Das geht leider nicht von heute auf morgen."

Die Vorwürfe, man hätte Waltraud Gruber komplett alleine gelassen, weist der Bürgermeister zurück: „Am Tag des Hochwassers war die Feuerwer seit 3 Uhr in der Früh im Einsatz und hat Sandsäcke gefüllt. Das sind alles ehrenamtliche Leute, bei denen zum Teil selber die Keller vollgelaufen sind.“ Auch die Mitarbeiter des Bauhofs und Hausstetter selber seien ständig vor Ort gewesen. „Achenmühle war nicht die einzige Baustelle.“ Gleich am nächsten Tag habe man geschaut, einen Container zu organisieren, der dann am Abend schon voll war. „Am nächsten Tag haben wir sofort einen neuen hingestellt.“

Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass die Gemeinde das mache, es gebe eben auch Versicherungen, die dafür im Normalfall aufkommen. „Aber wir tun das gerne. Ich verstehe, dass in so einer Situation die Nerven blank liegen und dass das eine schlimme Situation ist. Wir haben unser Möglichstes getan“, erklärt Hausstetter.

jb

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