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MVV-Tarif für den Filzenexpress?

Rosenheim - Landrat Josef Neiderhell liebäugelt derzeit damit, Pendlern auf der Bahnstrecke Wasserburg-Ebersberg-Grafing -München ab Ende 2013 den MVV-Tarif anzubieten.

Er läge um 25 Prozent unter den Kosten, die die Bahnfahrer jetzt für ihr Ticket aufbringen müssen. Folgt ihm der Rosenheimer Kreistag, wäre das mit jährlichen Mehrkosten von rund 135000 Euro für den Landkreis verbunden, der der Bahn den Verlust ausgleichen müsste.

Es war eine Vision, mit der Neiderhell die Kreisräte bei ihrer jüngsten Sitzung konfrontierte. Er räumte ein, dass eine Entscheidung nicht aktuell anstehe, die Diskussion hierüber wollte er mit seinen Gedankenspielen jedoch ganz bewusst eröffnen. Die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) attraktiver zu machen, damit den Individualverkehr einzudämmen und einen ökologischen Akzent zu setzen, sind Neiderhells Beweggründe für seinen Vorstoß.

"Wir könnten im Bereich des ÖPNV vieles tun und vieles verbessern", zeigte sich der Landrat überzeugt, verwies aber zugleich darauf, dass beschränkte finanzielle Mittel dem Landkreis einen eher engen Spielraum bei der Finanzierung freiwilliger Leistungen einräumten. Rund 4,5 Millionen Euro jährlich würde es nach den Berechnungen des Landkreises kosten, wenn der MVV-Tarif neben der ins Auge gefassten Strecke von Wasserburg nach München auch für die Verbindungen Rosenheim-Grafing-München und Rosenheim-Holzkirchen-München gelten würde. Ein unbezahlbarer Wunschtraum, war sich der Kreistag fraktionsübergreifend einig.

Weil sich die Kosten auf der im Vergleich zu den anderen beiden Verbindungen weniger stark frequentierten Strecke in Grenzen halten und nach Neiderhells Ansicht im Haushalt des nächsten Jahres darstellbar wären, denkt er an eine Subventionierung des Fahrpreises durch den Landkreis auf dieser Linie.

Die Idee ist gut, die Finanzierung schwierig

In Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) fand er einen engagierten Mitstreiter. "Das wäre ein Meilenstein für unsere Bürger und würde den sogenannten Filzenexpress aus seinem Schattendasein herausholen", zeigte sich der Rathauschef überzeugt. Der notwendige Park&Ride-Platz wäre in Wasserburg bereits vorhanden, und auch eine finanzielle Beteiligung der Stadt Wasserburg und der von der Maßnahme profitierenden Gemeinden an den Kosten kann er sich vorstellen.

CSU-Fraktionssprecher Otto Lederer wollte die Vorteile einer solchen Lösung nicht negieren, dass der Landkreis dafür Geld in die Hand nehmen müsse, sah er jedoch als eindeutigen Nachteil. Er regte an, zunächst abzuklopfen, ob der Landkreis Geld aus Zuschusstöpfen zu erwarten habe, wenn er eine solche freiwillige Verpflichtung eingehe. Einen finanziellen Ausgleich hält auch Dieter Kannengießer (FW/ÜWG) für unabdingbar. "Wenn wir diesen Weg gehen wollen, wird es nicht bei der Subventionierung einer Strecke im nördlichen Landkreis bleiben", sagte der Kreisrat.

Während der Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo (SPD) dazu ermunterte, den vom Landrat ins Auge gefassten Weg zu gehen, warnte Professor Dr. Thomas Rauscher (FDP) ausdrücklich davor. "Das Projekt hat auf den ersten Blick Strahlkraft, auf den zweiten Blick passt es jedoch nicht", sagte Rauscher. Während man auf der einen Seite Geld für einen MVV-Tarif ausgebe, werde man mit Sicherheit darüber reden, ob an einer anderen Stelle des Landkreises nach 18 Uhr noch ein Bus verkehren könne. Christine Mehlo-Plath (ÖDP) sprach sich zwar klar für den Einstieg in den MVV-Tarif aus, räumte aber gleichzeitig ein, keine Ahnung zu haben, wie der Landkreis die Maßnahme finanzieren könnte.

Eine Abstimmung erfolgte nicht, sein erstes Ziel hatte der Landrat aber erreicht: Die Diskussion zu diesem Thema ist entbrannt.

Neiderhell betonte außerdem, in dieser Frage in engem Kontakt mit den Landkreisen Landsberg und Pfaffenhofen /Ilm zu bleiben, die ebenfalls eine Ausweitung des MVV-Bereiches in ihrer Region im Auge haben.

Norbert Kotter/Oberbayerisches Volksblatt

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