Köter-Kot tut selten gut

Die meisten Hundehalter halten sich auf dem Inndamm an die Regeln: Sie leinen ihre Tiere an und benutzen die Hundetoiletten. Doch die schwarzen Schafe nehmen zu.
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Die meisten Hundehalter halten sich auf dem Inndamm an die Regeln: Sie leinen ihre Tiere an und benutzen die Hundetoiletten. Doch die schwarzen Schafe nehmen zu.

Stephanskirchen - Die Gemeinde hat am Inndamm ein massives Hundeproblem. Somit herrscht Ärger im Gassi-Geh-Paradies.

Auch Stephanskirchen hat ein Hundeproblem: Die Flutmulde am Inn gilt als Gassi-Geh-Paradies. Die Anwohner in der Hofau, Radlfahrer, Fußgänger und Jogger auf dem Inndamm fühlen sich jedoch immer häufiger von den herumjagenden Vierbeinern belästigt, die Landwirte sorgen sich um die Gesundheit ihrer Tiere auf durch Kot verunreinigten Wiesen.

Das Internetportal www.hundetreffen-oberbayern.de wirbt massiv für die Hofau als idealer Platz für ausgedehnte Spaziergänge mit den Vierbeinern. Ein Grund, warum sich immer häufiger Szenen wie vor wenigen Wochen abspielen, als nach Angaben von CSU-Ratsmitglied Anton Forstner ein ganzer Autokorso mit auswärtigen Kennzeichen vorfuhr, um etwa 20 Windhunde in der Flutmulde toben zu lassen. Die großen Tiere "sausten unkontrolliert auf und ab", beobachteten mehrere Hofauer und verängstigten zahlreiche Bürger, die auf dem Inndamm spazieren gingen oder radelten.

Die Klagen häufen sich in der Tat: Anwohner berichten von Hunden, die in ihre Gärten eindringen, von verkoteten Wegesrändern und Wiesen, von uneinsichtigen Haltern, welche die aufgestellten Hundetoiletten ignorieren, auf Kritik kaum ("der tut schon nichts") oder anmaßend reagieren --und von Autos, welche die Hofau zuparken. Die Hundeproblematik bildet auch im Arbeitskreis der Bürger zur Landesgartenschau 2010 einen Themenschwerpunkt.

Der Gemeinderat bemühte sich bei der Suche nach Lösungsansätzen um eine Versachlichung der sich mittlerweile zuspitzenden Kontroversen zwischen Hundefreunden, welche die Flutmulde als Auslaufparadies schätzen, und sich belästigt fühlenden Anwohnern oder Ausflüglern. Auch Karl Mair von der CSU, der wiederholt auf eine Lösung der Hofauer Hundeproblematik gedrängt hatte, appellierte dafür, nicht alle Halter in Sippenhaft zu nehmen. Doch er forderte auch: "Wir müssen an dem Thema dranbleiben, die Missstände sind eine Tatsache und brennen den Anwohnern unter den Nägeln."

Ulrike Demberger von der SPD zeigte sich jedoch davon überzeugt, dass das Fehlverhalten nur einigen wenigen schwarzen Schafen unter den Haltern zuzuordnen sei. Und diese kommen, das bestätigte auch Forstner, vor allem von auswärts. "Die einheimischen Bürger verhalten sich in der Regel korrekt", betonte der Arbeitskreissprecher.

Fest steht auch, dass sich die Flutmulde für den Freilauf von Hunden anbietet. Reicht ein Appell an die Vernunft der Halter aus? Darüber gingen im Rat die Meinungen auseinander. Die Verwaltung möchte das Problem ohne behördliche Verordnung mit Leinenzwang in den Griff bekommen. Denn dieser wäre nur für große Hunde (Schulterhöhe mindestens 40 Zentimeter) und Kampfhunde durchsetzbar. Der Leinenzwang könnte außerdem nur auf öffentlichen Wegen und Plätzen angeordnet werden. Die Innflutmulde gehört jedoch der Eon Wasserkraft und ist nicht öffentlich gewidmet, berichtete die Verwaltung zur Rechtslage. Sie schlug deshalb vor, mehrere Schilder mit der Aufschrift "Hunde bitte auf dem Damm an die Leine nehmen" aufzustellen. Während der Landesgartenschau 2010 sollen auch in der Flutmulde Banner um Rücksicht auf die Besucher werben.

Mit zwei Gegenstimmen von Dr. Rolf-Jürgen Löffler (CSU) und Ulrike Demberger (SPD) stimmte der Rat den Schildern mit Appell zum Anleinen zu. Löffler ist der Meinung, eine Informationstafel am Parkplatz in der Hof-au reiche aus, um an die Eigenverantwortung der Gassigeher zu appellieren. Sein Fraktionskollege Günther Dörfler forderte hingegen eine schärfere Vorgehensweise - unter anderem eine überwachung durch eine Hilfskraft. Verwaltungsgeschäftsführer Georg Plankl sieht in den Schildern eine Möglichkeit, die Zivilcourage der Bürger zu stärken: Manch einer werde sich in Zukunft vielleicht trauen, uneinsichtige Herrchen und Frauchen aufzufordern, ihre Hunde an die Leine zu nehmen, hofft er.

Außerdem beschloss der Rat mehrheitlich, einen Versuch gegen den Gassi-Geh-Tourismus zu unternehmen --durch Aufstellung eines Schildes in der Hofaustraße, das das Einfahren nur noch für Anlieger ermöglichen soll. (Berichterstattung folgt). duc

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