Auch Gruppen aus Raum Rosenheim hatten mitgemacht

Bringt „Jerusalema Challenge“ ein teures Nachspiel mit sich?

Um in den schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie gute Laune zu verbreiten, tanzten auch in der Region viele Teilnehmer zum bekannten Jerusalema Song. Dies könnte nun ein teures Nachspiel mit sich bringen.

Rosenheim - In den vergangenen Wochen haben neben Pflegern, Polizisten und Schulen noch viele mehr zum berühmten Jerusalema Song von Master KG getanzt - so auch in der Region. Über die Musik, die gleichzeitig mit den produzierten Videos abgespielt wird, hat jedoch fast niemand weiter nachgedacht.

Aus Nordrhein-Westfalen ist bekannt, dass der Lizenzinhaber Warner Music, bei dem der Interpret des Songs unter Vertrag steht, an Organisationen und Unternehmen, die ein Tanzvideo auf ihren Homepages und Social-Media-Kanälen online gestellt haben, Briefe rausschickt. Diese fordern, wie Focus Online berichtet, eine nachträgliche Gebühr für die Nutzung der Musik.

Vergütung der Interpreten soll sichergestellt werden

Mit dem Schreiben sollen jedenfalls keine Abmahnungen oder Strafzahlungen erfolgen, sondern eine angemessene Vergütung der Interpreten bei Warner Music sichergestellt werden. Um eine solche Gebühr zu umgehen, sollten sich große Organisationen und Unternehmen für die Nutzung der Songs mittels Einverständnis beim Konzern sogenannte Synchronisationslizenzen sichern, während als Privatperson darauf verzichtet werden kann. Tun sie das nicht, wird eine Zahlung rechtlich fällig.

An und für sich ist es nämlich erlaubt, urheberrechtlich geschützte Musik privat zu verwenden. Dies gilt allerdings nur, sofern das Video nicht im größeren Kreis oder auf den sozialen Netzwerken geteilt wird, anderenfalls zählt es nicht mehr als „privat“ - was letztlich auch auf die Teilnehmer der Region zutrifft.

Als weiteren Grund für die Zahlung nennt Warner Music den werblichen oder imagefördernden Effekt, der durch die Veröffentlichung und Verbreitung der Videos zugunsten der Institution, Organisation oder Firma entsteht.

(Noch) keine Briefe von Warner Music in der Region

Im Rosenheimer Umfeld haben ebenfalls zahlreiche Menschen/Gruppen mitgemacht. Auf Nachfrage der Redaktion stellte sich jedoch heraus, dass (noch) keiner der Teilnehmenden in der Region einen Brief erhalten hat oder aber gegen Zahlung einer Lizenzgebühr Nutzungsrechte erworben wurden. Vielmehr sind sie sich einig, dass in der ohnehin schwierigen Situation solche Zahlungen vermieden werden sollten, gerade weil der Sinn und Zweck dahinter ein Symbol der Gemeinschaft und des Zusammenhaltes gewesen sei.

Außerdem habe Warner Music und damit auch Master KG sowieso über die weltweit geteilten Videos internationale Aufmerksamkeit erlangt bzw. für Aufsehen gesorgt. „Wozu also dann noch die Leute unnötig triezen?“, so ein Teilnehmer aus der Region gegenüber der Redaktion.

Charakter der Challenge steht im Vordergrund

Laut Bericht von Focus Online ist sich der Lizenzinhaber des Charakters hinter der „Jerusalema Dance Challenge“ bewusst und berücksichtigt durch „abgestufte Lizenzvergütungen“ die jeweiligen Rahmenbedingungen des betroffenen Nutzers. Dementsprechend werden unterschiedliche Preiskategorien, beispielsweise auch in Form von „rein symbolischen Beiträgen“, für die Nutzungen geboten.

Es bleibt abzuwarten, ob überhaupt und inwiefern die Beteiligten in der Region Rosenheims zukünftig einen Brief und somit eine Zahlungsaufforderung erhalten werden. Eines ist jedoch sicher: die positive Botschaft und die damit einhergehende gute Laune kommen beim Abspielen der Videos sowohl bei Klein als auch bei Groß gut an!

ms

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