Weiter Protest gegen Digitalfunk

"Moderner Funk ohne Gefahr für Gesundheit"

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Rosenheim - Die Bürgerinitiative gegen den Tetra-Funk in der Region lässt nicht locker. Auf insgesamt 14 Seiten fassen die Gegner die größten Risiken des Systems zusammen. Eine Zusammenfassung: 

Die Stimmung bei der Bürgerinitiative "Gegen Tetra-Funk im Chiemgau" nach der Übergabe von rund 3.000 Unterschriften an Wolfgang Berthaler in dieser Woche, war zweigeteilt. Nach dem Versprechen des Landrats von Rosenheim, die gesammelten Bedenken der Gegner des digitalen Funkstandards an die zuständigen Stellen im Innenministerium weiterzuleiten, ist für Sepp Hofer hingegen klar: "Jetzt erst recht!" Besonders das Argument "Wir werden's nicht weg bringen", will der Sprecher der Bürgerinitiative nicht zählen lassen.

Auf insgesamt 14 Seiten, die zusammen mit den Unterschriften übergeben wurde, stellen die Gegner die Risiken und Gefahren dar.

Eine Zusammenfassung aus Sicht der Gegner

  • Geringere Reichweite und Datenfunk: Im Vergleich zum Analogfunk, in erster Linie wegen höherer Funkfrequenzen, gehen die Kritiker von einer zum Teil mehr als halbierten Reichweite der Geräte aus. Zusätzlich müssten beim Digitalfunk zusätzliche Daten wie z.B. Symbolraten oder Werte zur Fehlerkorrektur übertragen werden, die, wenn sie aufgrund mangelnder Signalstärke wegfallen, die Verbindung komplett unterbrechen würden. Um dem entgegenzuwirken, müsste die Feldstärke ausgebaut und somit mehr Sendeleistung erzielt werden. Die Übertragungsraten von Tetra-Funk sollen sich im Bereich zwischen 3-5 Kbit/s bewegen. Eine Übertragung von größeren Daten wie Fahndungsfotos oder Lageplänen dürfte somit zumindest "sehr lange dauern" so die Initiative.
  •  Ausfallsicherheit und Sabotage: Aufgrund der geringen Reichweite der Geräte befürchtet die Bürgerinitiative, dass die Erreichbarkeit der Einsatzkräfte, besonders in sensiblen Situationen gefährdet sein könnte. Zusätzlich sollen bereits bei den Mai-Demonstrationen im Jahr 2012 in Berlin die Verbindungen unter den Beamten mehrfach gestört worden sein. Zudem befürchtet die Initiative, dass wenn eine Störung oder ein Ausfall auftreten würde, Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte gleichermaßen, aufgrund des Mangels einer Ausweichmöglichkeit, betroffen sein könnten. Die Überbrückungszeit bei Stromausfällen soll beim Digitalfunk nur zwei Stunden betragen (Analogfunk: 8 Stunden). Der Grund: Die mit Notstrom betrieben Relais funken dauerhaft, nicht wie beim Analogfunk nur bei Bedarf.
  • Betriebskosten: Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass die Betriebskosten des Digitalfunks die der analogen Variante um ein Vielfaches übersteigen werden. Bisher fielen für den Funk rund 10. Millionen Euro pro Jahr an, die Gegner befürchten beim Digitalfunk einen um bis das 8-fache höheren Wert. Im Saarland setzten sich die Gebühren dabei aus einer Art "Grundgebühr für jedes Gerät" und einem Betrag "je nach Funkaufkommen des einzelnen Bedarfsträgers" zusammen, so die Initiative.
  • Negative Erfahrungen deutscher Einsatzkräfte: Die große Kompressionsrate aufgrund der geringen Übertragungskapazität soll zu teilweise schlechter Verständlichkeit führen. Die Initiative beschreibt den Höreindruck als "sehr gepresst und deshalb unverständlich". Weiter fassen die Gegner mehrere Erfahrungsberichte aus dem Saarland, Schleswig-Holstein, Hessen und weiteren Bundesländern zusammen, die wegen vielfältiger Probleme den Probebetrieb des Digitalfunks vorzeitig beendeten. Eine Rückkehr zum Analogfunk soll die Folge gewesen sein.

Analogfunk keine Alternative

Im Gespräch mit rosenheim24.de betont die Bürgerinitiate "Gegen den Tetra-Funk im Chiemgau" jedoch wiederholt ihre Position, dass der Analogfunk zukünftig keine Alternative zum Digitalfunk sein kann. "Wir wollen einen modernen Funk für unsere Einsatzkräfte ohne Gefährdung für die Gesundheit", forderte Helmut Fleidl bereits bei der Unterschriftenübergabe im Landratsamt.

Weitere Informationen zum Digitalfunk finden Sie auf den Seiten des Innenministeriums und auf dem Internetauftritt der Bürgerinitiative.

Rubriklistenbild: © dpa/pa

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