Keine neuen Kombiklassen

Rosenheim - Im Landkreis Rosenheim gibt es an zwei Schulen sogenannte "Kombi-Klassen" - und dabei wird es im kommenden Schuljahr auch bleiben: Das Schulamt hat jetzt entschieden, dass vorläufig an keiner weiteren Schule jahrgangsübergreifend unterrichtet wird.

Das Thema ist sicher nicht für alle Zeit vom Tisch. Doch erst einmal haben die Schulen in Griesstätt, Babensham, Vogtareuth und Prutting den Bescheid erhalten: Es bleibt bei der regulären Klassenbildung. Für diese vier Schulen war wie berichtet das Modell der Kombi-Klassen diskutiert worden und teilweise auf erheblichen Widerstand gestoßen: Dass Schulanfänger zusammen mit Zweitklässlern oder Dritte und Vierte gemeinsam unterrichtet werden, um so ausgewogenere Klassengrößen zu erreichen, wurde vor allem in Griesstätt vehement bekämpft.


Dort waren die Eltern davon ausgegangen, dass diesmal gerade noch genügend Schüler für zwei sehr kleine Eingangsklassen angemeldet würden. Doch es kam anders: Nur 27 Abc-Schützen wurden eingeschrieben, es wird also nur eine Erste gebildet. Doch selbst jetzt blieb der Widerstand gegen die anderenorts hochgelobte Kombiklasse bestehen. "Wir haben angeboten, trotzdem Kombiklassen zu bilden, doch das wurde von den Eltern abgelehnt", bedauert Schulamtsdirektor Wolfgang Tauber.

Teils sehr emotionalen Widerstand gab es auch in den anderen drei Gemeinden, die allerdings mehr Glück hatten als Griesstätt: Es können dort im Herbst jeweils zwei kleine Anfangsklassen gebildet werden. Wie lange noch ist offen. Angesichts des Geburtenrückgangs wird es über kurz oder lang neue Lösungen geben müssen, deshalb bleiben Kombiklassen für das Schulamt auch weiter aktuell.


"Reformpädagogische Gründe"

So wie in Schonstett, wo nur die jahrgangsgemischte Klasse die Dorfschule erhalten hat - oder in Heufeld, wo die Schulleiterin und auch die meisten Eltern begeistert von der Kombiklasse sind: Man habe dort das Modell aus "reformpädagogischen Gründen" eingerichtet, so Schulleiterin Veronika Käferle, wobei vor allem soziale und lerndidaktische Faktoren eine Rolle spielen. Der Grund war also nicht, Lehrer zu sparen, wie ein Hauptvorbehalt gegen das Modell lautet.

Diesen Vorwurf hat auch Holger Schewe aus Griesstätt im Februar in einem offenen Brief an das Kultusministerium gerichtet. Jetzt bekam er eine Standardantwort und fühlt sich regelrecht "abgespeist": Nicht das Ministerium, sondern das Schulamt sei für die Klassenbildung zuständig, so die Behörde.

Wenn Minister Schneider Grundschulklassen mit maximal 25 Schülern verspreche, müsse er auch entsprechend viele Lehrer zuteilen. "Fakt ist doch, dass das Schulamt Rosenheim zu wenig Grundschullehrer hat", so Schewe: "Ich fürchte, dass Herr Schneider und die CSU nicht nur einen Denkzettel bei der nächsten Wahl bekommen."

Karl Königbauer/Oberbayerisches Volksblatt

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