Kommunalwahl 2014: Landratswahlen

Landratskandidat Baumann stellt sich vor

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Der Landratskandidat Josef Baumann aus Wasserburg im Gespräch
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Wasserburg - Klassische Musik und Kommunalpolitik, die beiden Leidenschaften des Wasserburgers Josef Baumann. Was der parteilose Kandidat im Landkreis verändern will:

Nicht verwandt mit dem Opernsänger Ludwig Baumann, aber trotzdem die gleiche Leidenschaft. So stellt sich der Kandidat der "Überparteilichen Wähler-Gemeinschaft" (ÜWG) Josef Baumann für den Landratsposten vor. "Manchmal erwische ich mich selbst, wenn ich im Stall eine kleine Melodie singe," gesteht der Landwirt aus Wasserburg. Dass es neben der klassischen Musik jedoch noch eine weitere, ganz große Leidenschaft gibt, fügt Josef Baumann schnell hinzu, seine Liebe zur Kommunalpolitik.

"kurz gefasst" mit Josef Baumann

Bereits 1978 kandidierte Baumann das erste Mal für den Stadtrat. Jedoch erst 1984 hat es dann das erste Mal auch geklappt. Seitdem hat die Kommunalpolitik den 63-Jährigen nicht mehr losgelassen. 30 Jahre Stadtrat in Wasserburg und 24 Jahre im Kreistag vertreten, Baumann gehört damit sicherlich zu den erfahreneren Politikern im Landkreis. Besonderes Augenmerk habe der Landwirt dabei immer auf den Bereich gelegt, der ihm am vertrautesten war, der Landwirtschaft.

50 Millionen Euro Investitionen in der Landwirtschaft

"Unsere Jungen sind gut aufgestellt", erklärt Baumann zur aktuellen Lage im Landbau. Man merke zwar deutlich, dass die Bedeutung der Landwirte in der Stadt nicht ganz so gewürdigt werde wie in der Stadt, deren Bedeutung für den Landkreis sei aber nach wie vor unbestritten. Und erst recht wenn es an die Hochwasserschutzprogramme wie in Feldolling gehe, führe kein Weg an der Kooperation mit den Bauern vorbei, so Baumann. Deshalb müsse man langsam wieder darüber nachdenken, unter anderem das Veterinärwesen im Landratsamt der Aufgabe zuzuführen, für die sie einst auch ins Leben gerufen wurde, so Baumann. "Hier läuft etwas schief, wenn hochqualifizierte Tierärzte nur zur Kontrolle der Ohrmarken kommen."

"Synergieeffekte nutzen"

Als einen der größten Erfolge in seiner Amtszeit im Kreistag betrachte Baumann die Fusion der Landkreiskliniken. In seiner Funktion als Mitglied im Aufsichtsrat der RoMed Kliniken sei er froh, dass die Gewinne und Verluste gedeckelt und die Grund- bzw. Regelversorgung sichergestellt werden konnte. Gravierende Probleme hingegen sehe der Wasserburger im Bereich der Geburtshilfe. Ein Mangel an Frauenärzten führe dazu, dass immer mehr Belegärzte ihren Dienst in den Kliniken täten. Anstatt die Abteilungen zu schließen, müssten hier neue Ärzte eingesetzt werden, Bad Aibling oder Prien als Geburtsort dürfe hier nicht wegfallen, so Baumann.
Als "neuen Weg" bezeichnet Josef Baumann die geplante Errichtung des Gemeinschaftskrankenhauses in Gabersee. Nach anfänglich starkem Widerstand habe man sich hier durchgesetzt und ein sinnvolles Projekt gestartet, dass sich nebenbei "in die denkmalgeschützte Umgebung eingliedert". Hier müsse man den Fortschritt "zügig vorantreiben", zumal die Fachplaner bereits im August beauftragt wurden.

"Wasserburg ist Ausflugsziel"

"Die finanziell billigste Einrichtung, um von der Werbung zu profitieren", so bezeichnet Josef Baumann den Tourismusverband "Chiemsee-Alpenland" in Bezug auf den nördlichen Landkreis und die Stadt Wasserburg. Besonders bei den Tagesausflüglern sei Wasserburg ein beliebtes Ausflugsziel. Daneben könne man in der Region aber auch mit "Urlaub auf dem Bauernhof" und weiteren Angeboten punkten. Wenn es darum gehe, die Landkreise Traunstein und Rosenheim tourismus-technisch zu verbinden, sagte der Wasserburger Kandidat seine vollste Unterstützung zu. "Dem Gast am Chiemsee ist es doch egal, in welchem Landkreis er gerade wohnt," lacht Baumann. Bei den Einnahmen in Höhe von 800 Millionen Euro im Jahr 2012 handele es sich schließlich "um Geld, dass hier bleibt", so Josef Baumann.

"Staatsstraßen seit Jahren vernachlässigt"

360 km Kreisstraßen, 320 km vom Staat und 80 km in der Zuständigkeit des Bundes. "Der Landkreis hat seine Hausaufgaben gemacht," erklärt Baumann, auf der Ebene darüber sei man mit dem Thema Straßenbau und vor allem Instandhaltung eher lasch umgegangen. Auf Bundesebene hingegen werde wieder gehandelt. Eine Tatsache die man schleunigst in Angriff nehmen müsse, so Baumann. Stolz auf "Deutschlands schlechteste Straße" könne man keinesfalls sein.

Zur Vorsicht ruft Josef Baumann weiter in Bezug auf die B15 bzw. B15neu auf. Nun da die Planungen der B15neu soweit vom Tisch seien, müsse man aufpassen, was hier als nächstes in Angriff genommen werde. Ein vermeintlicher, vierspuriger Ausbau der bestehenden B15 zwischen Haag und Rosenheim, bedeute einen gravierenden Einschnitt in die Gemeinden auf der Strecke. "Dieser vermeintliche Ausbau betrifft dann tatsächlich den Landkreis Rosenheim", ergänzt Baumann, ein Grund mehr, die Entwicklung weiter im Blick zu behalten.

Energie und Mobilität

"Die Energiewende wurde uns übergestülpt, ein Flickwerk", beklagt sich Josef Baumann. Der Bürger könne und wolle an mancher Stelle viel mehr machen, was durch gesetzliche Vorgaben jedoch verhindert werde. Und auch die großen Energiekonzerne hätten schließlich kein Interesse an übermäßiger, dezentraler Energieerzeugung so Baumann. Zielführend wären hier "Energieberater für den Landkreis", die dort eingesetzt werden könnten, wo sie benötigt werden. E-Mobilität sehe Baumann als Übergangslösung, mehr Potential biete seiner Meinung nach der Wasserstoff-Antrieb. "Geld darf nicht immer eine Rolle spielen", erklärt Baumann wenn es darum gehe, die fossilen Brennstoffe hinter sich zu lassen.

"Ein Angebot an den Bürger", so müsse man den ÖPNV gestalten, meint Baumann. Aufgrund der Überalterung der Bevölkerung werde eine Vernetzung mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer wichtiger. Aber auch der Weg in die Arbeit, zur Schule und zum Einkaufen müsse stets erschwinglich und regelmäßig gewährleistet sein.

Finanzen und Soziales

111 Millionen Euro Schulden, ein Wert, so Bauman, von dem man sich in den nächsten Jahren keinesfalls allzuweit entfernen werde. Es sei jedoch kein Merkmal, dass im Landkreis schlecht gewirtschaftet wurde. Man habe vielmehr in die Zukunft investiert. Man könne nun auch von den folgenden Generationen erwarten, dass sie sich an den Kosten beteiligten. "Das A und O ist es, dass es den Gemeinden gut geht", erklärt der Kandidat. Wenn dort Geld fließe, spüle das auch wieder Einnahmen in die Kasse des Landkreises. Josef Baumann betrachte das gesamte Finanzgefüge wie ein großes Rad, jeder Bereich, ob Tourismus, Gewerbe oder die Wohnqualität der Bürger, trage seinen Teil zum Gesamterfolg eines Landkreises bei.
Desweiteren könne auch der Landkreis einen Beitrag bei der aktuellen Wohnraumdiskussion leisten. Eine Wohnbaugenossenschaft könne überregional zumindest kurzfristig einen Ausglich bieten. Ein ähnliches Prinzip könne auch im Bereich der Kindertagesstätten und Kitas Anwendung finden. Mit einem sogenannten "Springerpotential" an gut ausgebildetem Fachpersonal könne schnell auf Knappheiten reagiert und Nöte aufgefangen werden.   

  

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