Der Außenseiter zur Bundespräsidentenwahl stellt sich vor:

Alexander Hold: "Das Land droht auseinander zu driften"

Alexander Hold (re.) mit Sepp Hofer (Mitte) und Moderator Gerd Maas
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Alexander Hold (re.) mit Sepp Hofer (Mitte) und Moderator Gerd Maas

Rosenheim - Bekannt wurde Alexander Hold durch seine Gerichts-Shows im Fernsehen, jetzt will der Richter auf die ganz große Bühne. Er stellt sich für die Freien Wähler zur Wahl als Bundespräsident:

In 2.040 Folgen stand Alexander Hold in seiner Gerichts-Show vor der Kamera und sprach sein Urteil gegen Gangster, Kleinkriminelle und auch Unschuldige. Jetzt will der Richter als Sprachrohr "im Namen des Volkes" eine andere Aufgabe wahrnehmen. Seit 2008 sitzt der heute 54-Jährige für die Freien Wähler im Kemptener Stadtrat, seit dem 20. Juli 2016 steht fest, dass er für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren wird. Am Mittwoch stellte sich Hold bei den Freien Wählern in Rosenheim vor.

"Warum will ein Fernseh-Richter Bundespräsident werden?",

Alexander Hold zu Gast bei den Freien Wählern in Rosenheim

lag dabei den Zuhörern im Happinger Hof als erstes auf der Zunge. Moderiert von Gerd Mass, stellte sich Alexander Hold am Abend auch den Fragen der Anwesenden. "Wenn man mal Richter war, dann ist einem nichts mehr fremd. (...) Mein Ziel ist es, auf das große Ganze einzuwirken", so Hold im Gespräch. Seine Tätigkeit im TV und das Amt des Bundespräsidenten wiesen dabei sogar eine Gewisse Ähnlichkeit auf: "Die Justiz versucht, den Menschen gerecht zu werden. Hier gelingt dann der Transfer auf ganz viele Menschen, eine wunderbare Chance", so der Jurist in Hinblick auf das Amt des Staatsoberhauptes.

Gewisse Parallelen seien in der momentanen Politik und der sogenannten "scripted reality" im Fernsehen sowieso erkennbar. "Auch wenn die Fälle bei uns gespielt waren, die Wertediskussion, die sich daraus ergeben hat, war real", auch ein Grund für den Erfolg des Formats, so Hold.

Über Politikverdrossenheit, Macht und frischen Wind

Geduldig stellte sich Hold den Fragen des Moderators und des Publikums

Die sozialen Medien hätten den Konsum jedoch drastisch verändert, so Hold. Ein Großteil der User sei nur noch für sehr kurze Nachrichten empfänglich. Hinzu komme noch, dass sich mittlerweile viele Menschen auf einen eher egoistischen Standpunkt zurückgezogen hätten. "Dem Großteil bei uns geht es ja gut. (...) Diese Tendenz ist dann aber auch in den verschiedenen politischen Strängen erkennbar", so Hold weiter. Die Folge: Die Politikverdrossenheit steige drastisch an. "Die Großen lässt man laufen, die kleinen hängt man auf. Ein Ansatz der noch vorhanden ist, auch wenn er nicht mehr so stark ausgeprägt ist wie früher."

Zeit für frischen Wind also, so der Richter weiter. War die indirekte Wahl des Bundespräsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg noch eine "sehr clevere Angelegenheit", habe sich die Situation heute massiv geändert: "Es herrscht großer Unmut in der Bevölkerung. (...) Wenn die Parteivorstände unter sich beschließen, wer Staatsoberhaupt wird, dann hat das mit Demokratie nichts zu tun." Und weiter: "Unser Land droht, auseinander zu driften. Die Demokratie könnte durch eine direkte Wahl gestärkt werden. Es würde die Demokratie schlicht näher zusammenrücken lassen."

In Sachen Vorbereitung auf die komplexen Entscheidungen als Bundespräsident sieht sich Hold bestens gerüstet: Sowohl seine Tätigkeit als Richter, als auch die Erfahrungen, die er in den kommunalen Gremien gemacht habe, spielten ihm hier in die Karten. Hold geht noch einen Schritt weiter: "Macht ist nicht das Instrument des Bundespräsidenten. Er führt eher das Florett und nicht die Keule, er kann so viel nur mit Worten verändern."

Unter welchem Stern würde die Ära Alexander Hold stehen?

Alexander Hold und Sepp Hofer bei der Gesprächsrunde im Happinger Hof in Rosenheim

"Für mich würde eindeutig das Schlagwort 'Vertrauen' im Fokus stehen. (...) Wir brauchen wieder Vertrauen in unsere Errungenschaften. An die große, europäische Idee. (...) Die Leute sehen nicht, dass wir schon lange keinen Krieg mehr gehabt haben", summiert Hold seine Schwerpunkte. Deshalb würde seine erste Reise als Repräsentant der Bundesrepublik wohl auch nach Polen gehen. Zusammen mit Frankreich und Deutschland die Achse der Stabilität in Europa, so Hold.

"Meine Stärke ist es, Menschen zusammenzuführen, nicht zu polarisieren", so Alexander Hold abschließend. Die Wahl zum Bundespräsidenten unterscheide sich aus seiner Sicht dabei nicht von der Wahl zum Landrat oder zum Oberbürgermeister. "Demokratie braucht Alternativen", so sein Motto, am Ende gehe es schließlich um die Person, die das Amt ausfülle. Ob sich Hold am Ende gegen Frank-Walter Steinmeier, den gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD, Christoph Butterwegge von den Linken und Albrecht Glaser von der AfD durchsetzen kann, wird sich bei der Wahl am 12. Februar 2017 zeigen.

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