Angespanntes Verhältnis beider Länder

Das denken Deutschtürken aus Rosenheim und Wasserburg über Erdogan

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Rosenheim - Umstrittene Wahlkampfauftritte, Bedenken gegen Recep Tayyip Erdogan und Nazi-Vergleiche: Das aktuelle Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist angespannt. Unsere Redaktion hat nun mit Deutschtürken aus der Region über ihre Sicht auf beide Länder gesprochen.

"Ich habe im Prinzip zwei Leben"

Bayram Sari

Bayram Sari lebt seit über vier Jahren in Deutschland und ist in Rosenheim der Besitzer des "Istanbul Kebap Haus". 

Sari fühle sich wohl in Deutschland und sei auch gut integriert. An Erdogans Politik findet er gut, dass er die Türkei wieder mehr in den Mittelpunkt rücke, indem er die heimische Wirtschaft stärke. Deutschland und viele andere Länder würden die Türkei stark beeinflussen und auch unter Druck setzen: "Deutschland ist ein bisschen egoistisch", so Sari. Dass sich Erdogan das nicht mehr gefallen lasse, unterstütze er. 

Trotzdem meint der Lokalbesitzer: "Das Verhältnis von Deutschland und Türkei muss sich verbessern". Denn ebenso wie viele andere Deutschtürken sei auch er noch tief in seinem Heimatland verwurzelt: "Ich habe im Prinzip zwei Leben: Eins in Deutschland und eins in der Türkei!"

"Die Türkei gehört nicht in die EU"

Abdullah Tice

Abdullah Tice (46) arbeitet als Friseur in Wasserburg

"Es wird nicht immer gerecht entschieden - sowohl auf der deutschen als auch auf der türkischen Seite. Ich bin aber der Meinung, dass jeder nur in seinem eigenen Land Wahlkampf machen sollte - ob Italien, Türkei oder Deutschland. Das gilt für alle Länder. Ich persönlich bin auch gegen einen Eintritt der Türkei in die EU. Die Türkei gehört hier nicht rein, dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist ganz klar die türkische Mentalität."

"Der beste Präsident seit Atatürk"  

Kaan Karan

Der Maschinenführer Kaan Karan ist 24 Jahre alt und lebt in Wasserburg.

"Als deutscher Staatsbürger bin ich der Meinung, dass Präsident Erdogan hierher kommen und eine Ansprache an seine Landsleute halten darf. Ich finde es undemokratisch, wenn türkische Politiker in Deutschland keine öffentlichen Reden halten dürfen. Warum sollte das verboten sein? Erdogan hat gute und schlechte Seiten, zugegeben, aber er ist meiner Meinung nach der beste Präsident seit Atatürk."

"Einige Kunden wollen nicht mehr bei mir einkaufen"

Yakup lebt seit acht Jahren in Deutschland und ist Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts in Rosenheim. Er wollte nicht fotografiert werden. 

"Die Türken sind gerne in Deutschland, die aktuellen Entwicklungen im deutsch-türkischen Verhältnis sind aber besorgniserregend", findet Yakup. Er merke schon die ersten Veränderungen bei seinen Kunden. "Einige haben mir bereits gesagt, sie wollen nicht mehr bei mir einkaufen, weil sie Angst haben, sie könnten Erdogan damit unterstützen. Das ist natürlich Quatsch!"

Wie er allerdings zu Erdogans Politik im Speziellen stehe, möchte er nicht offenbaren. Yakup finde es aber wichtig, dass jeder überall seine freie Meinung äußern dürfe, sowohl in Deutschland, als auch in der Türkei. Daher kritisiert er auch die Auftrittsverbote für türkische Politiker in Deutschland. "Deutschland und die Türkei müssen zusammenhalten!", meint er.

"Ein Wahlkampfverbot könnte ich nicht nachvollziehen"

Mustafa Büyükatilla

Der Imbissbesitzer Mustafa Büyükatilla (62) lebt in Wasserburg.

"Ich bin seit 1978 in Deutschland und fühle mich sehr wohl hier. Allerdings finde ich, dass das Verhältnis zwischen Merkel und Erdogan besser sein sollte. Die beiden müssten auf eine gute Zusammenarbeit setzen und sich verstehen. Außerdem meine ich, dass Erdogan hier auch Wahlkampf machen darf. Ein Verbot könnte ich nicht nachvollziehen."

fso/mb/mg

Rubriklistenbild: © fso/mb

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